Die Schulzeit

Was für ein Typ Schüler warst du?

Im Gymnasium hatte ich viel Spaß und war schon früh in der Schülermitverwaltung und als Klassensprecher aktiv. Ich wollte unseren eigenen Schulkosmos einfach aktiv mitgestalten. Dabei habe ich gelernt auf Menschen zuzugehen und erste Berührungspunkte mit Eigenverantwortung, Organisation und kleinen Projekten gehabt. Zudem habe ich die Erfahrung gemacht, dass Arbeit, die Spaß macht, viel leichter von der Hand geht und man dabei bessere Ergebnisse erreicht als bei unliebsamen Tätigkeiten. Das spiegelte sich auch in meinen Noten wider. Ich war vielseitig interessiert, aber eben nicht an allen Fächern und gehörte damit stets zu den guten Schülern, sicher aber nicht zu den Besten.

Die Ausbildung

Wie genau kamst du zu deiner Ausbildung?

Eher durch etwas Zufall bin ich auf die Ausbildung bei der Sparkasse Passau aufmerksam geworden. Und da der Beruf des Bankkaufmanns sich definitiv mit meinen Interessen an Wirtschaft, Recht und Finanzen überschnitt, habe ich mich beworben. Natürlich passte das Berufsbild auch auf meine eher extrovertierte Persönlichkeit. Wie es der Teufel will, wurde ich auch noch genommen und so begann ich meine Berufsausbildung und zog dazu in meine erste eigene Wohnung, was ein paar zusätzliche Herausforderungen mit sich brachte. Die Ausbildung war eine absolut richtige Entscheidung. Neben den vielen nützlichen Dingen, die man in einer Bankausbildung lernt, macht man in den ersten Jahren des Berufslebens auch eine starke persönliche Entwicklung durch. Nicht zuletzt deshalb und weil ich während der Ausbildung genug Zeit hatte, um für mich herauszufinden, was ich wirklich wollte, war ich im späteren Studium vielen Mitstudenten voraus.

Was genau macht man in deiner Ausbildung?

In den zwei Jahren konnte ich vieles lernen, dass mir heute noch das tägliche Leben erleichtert und was ich zu einem großen Teil mehr zum Allgemeinwissen als zum Bankfachwissen zählen würde. Man lernt viel mehr als nur Bank- und Finanzthemen oder Rechnungswesen, auch Vertrags- und Arbeitsrecht, Wirtschaftsenglisch, Politik und sogar Sport sind Bestandteil des Unterrichts.
In der Praxis vor Ort in der Bank muss man schnell lernen, aber sobald man die ersten Dinge auch selbstständig erledigen kann, macht die Arbeit, mit einer Vielzahl von täglichen Themenstellungen mit Kunden von der Oma bis zum Geschäftsführer, sehr viel Spaß. Überwiegend war ich in der Ausbildung direkt mit Kunden beschäftigt, aber auch Bereiche wie Marketing, Backoffice, Organisation oder Zahlungsverkehr lernt man kennen. Angepasst an die Inhalte in der Berufsschule wurde ich in den Bankfachthemen, zugeschnitten auf unsere Sparkasse, noch mal vor Ort in der Theorie unterwiesen.

Welche Eigenschaften sollte man mitbringen?

Als angehender Bankkaufmann sollte man ein Interesse an Finanz- und Bankthemen mitbringen und Freude am Umgang mit Menschen haben. Auch ein hohes Maß an Engagement und Lernbereitschaft sind von Vorteil.

Das Studium

Was hast du studiert und wie kam es zu deiner Studienwahl?

Während meiner Bankausbildung wurde mir klar, dass ich nach deren Abschluss, trotz unbefristetem Arbeitsvertrag, noch mal den Sprung in ein Hochschulstudium wagen wollte. In den insgesamt drei Jahren in der Sparkasse war mir schon recht früh bewusst geworden, dass ich mich sehr für Kreditthemen interessiere und mir die Arbeit in einer Bank sehr viel Spaß macht. Somit wählte ich auch den Studiengang, der diesen Themen am nächsten war: Betriebswirtschaftslehre. Ich entschied mich an der KU Eichstätt-Ingolstadt an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (WFI) in Ingolstadt zu studieren. Die WFI ist eine kleine Uni mit Top Ranking in der man in einem sehr familiären Umfeld studiert, bei aber nicht minderer akademischer Qualität als in den großen Unis. In Ingolstadt absolvierte ich den Bachelor of Science und Master of Science in BWL, jeweils mit Schwerpunkt auf Kapitalmärkte, Finanzen, Banken, Buchführung und Steuern.

Was genau macht man im Studium?

In Grundstudium hatte ich einmal einen Rundumschlag an Fächern rund um die Betriebswirtschaftslehre: Marketing, Management, Recht, Buchführung, Informatik, Englisch, Ökonomie, Mathe, Statistik,...
In meiner selbst gewählten Vertiefung ging es dann um die für mich persönlich spannenderen Dinge wie Bankmanagement, Unternehmensbewertung, vertiefte Buchführung aber zum Beispiel auch Insolvenzrecht.
In den fünf Jahren habe ich zudem in Helsinki und Boston/Cambridge studiert. Auf der Praxisseite habe ich verschiedene Praktika und Werkstudentenjobs im Finance- und Consultingbereich in München, Frankfurt und New York gemacht. Aus dem Zusammenspiel der Inhalte aus der Uni in der Praxisanwendung haben sich dann viele Themen aus den Vorlesungen erst mit Leben gefüllt und waren im nächsten Semester dann umso interessanter. Studienbegleitende Praktika waren für mich das A und O, um zu wissen, in welche Richtung ich wollte und praktische Fähigkeiten für den Berufseinstieg zu erlernen.

Ein Highlight war sicher unsere Teilnahme am Postbank Finance Award, dem größten studentischen Finance-Wettbewerb in Deutschland, wo unsere Arbeit ausgezeichnet wurde.

Was war im Master anders als im Bachelor?

Je weiter ich im Studium voran kam, desto mehr fand ein Wechsel von klassischen Vorlesungen, in denen man zuhört und dann für die Klausur lernt, hin zu Seminaren und Workshops statt, wo man Themenkomplexe zusammen erarbeitet und sich selbstständig mit Themen beschäftigt, seine Ergebnisse präsentiert und zusammen mit dem Professor und seinen Mitarbeitern diskutiert. Insoweit hat der Master noch mal viel mehr Spaß gemacht als der Bachelor.

Mit welchen Erwartungen hast du damals dein Studium begonnen?

Am Anfang musste ich mich erst in das Leben und Lernen an einer Uni eingewöhnen, weil man sehr selbstständig planen muss, was man wann und vor allem wie man am besten lernt. Aber nach einem Semester hatte ich den Dreh raus und auch meine Lerngruppe gefunden, in der wir uns gegenseitig motivierten und auf Prüfungen vorbereiteten - dann lief der Laden.

Meine Erwartungen an die Uni und Ingolstadt selbst haben sich voll bestätigt. Überschaubare sehr schöne Stadt mit vielen Freizeitmöglichkeiten und netten Leuten. Das Leben an der Uni sowohl in der Beziehung zu den Mitstudenten als auch den Professoren und der Verwaltung war sehr entspannt und familiär. Das ist natürlich der kleinen Größe der Fakultät geschuldet, die mit einem Betreuungsverhältnis von ca. 1/12 Lehrpersonal/Studenten aufgestellt ist wie eine Privatuni.

Der Job

Was ist deine Jobbezeichnung?

Firmenkundenbetreuer Akquisitionsfinanzierung

Wie kamst du zu deinem jetzigen Job?

Nach meinem Studium habe ich mich bewusst für ein Traineeprogramm entschieden, da ich schon sehr viel über Banken auch aus Praktika wusste, aber mir auch klar war, was ich alles noch nicht gesehen hatte. Ich wollte mir bewusst noch mal ein gutes Jahr Zeit nehmen, um mich umzusehen und die tägliche Arbeit in verschiedenen Bankbereichen kennenzulernen.
Dabei habe ich mich trotz der Entfernung zu meiner Heimatregion die NORD/LB in Hannover gewählt, da ich dort im Traineeprogramm sehr flexibel war und stets individuell betreut wurde. Wie eine Landesbank tickt, konnte ich bereits in meinen Praktika erfahren und habe mich bewusst dafür entschieden. Man kann viel und schnell lernen und sich entwickeln, ohne wie in manch anderen Jobs erst zwei Jahre nur Präsentationen zu bauen. Zudem konnte ich durch einen Auslandsaufenthalt in London weitere internationale Erfahrung sammeln. Darüber hinaus kann man sich auch neben seinem Hauptjob mit in die Bank einbringen und mitgestalten. Die Work-Life-Balance ist super und Hannover ist allgemein sehr unterschätzt - es lässt sich dort sehr gut Leben.
Der Job nach dem Traineeprogramm war für mich perfekt, da ich einerseits ein klassischer Banker bin, mich aber schon immer sehr für Unternehmenstransaktionen interessiert hatte. Jetzt finanziere ich Unternehmensverkäufe und bin in vielen spannenden und abwechslungsreichen Transaktionen live dabei.

Wie sind die Berufschancen mit deinem Studium und wie schwierig ist es deinen momentanen Job zu bekommen?

Das Traineeprogramm hatte ich schon fast ein halbes Jahr vor dem Einstiegstermin in der Tasche. Als Alternative hatte ich noch weitere Zusagen für Traineeprogramme bei anderen Banken. Frühzeitig bewerben ist dabei immer wichtig! Für manche Einstiegsjobs muss man sich schon ein Jahr vorher bewerben. Ein Traineeprogramm bei einer größeren Bank zu bekommen ist nicht leicht, weil die Anzahl der Stellen in Deutschland überschaubar ist, aber definitiv möglich.
Einen Job in der Firmenkundenbetreuung zu bekommen ist danach auch realistisch, denn gute Relationshipmanager sind stets gefragt. Einen Job speziell in der Akquisitionsfinanzierung zu bekommen ist aber komplizierter, weil es eine Nische ist, die auch nur wenige Banken in Deutschland bearbeiten.

Was macht Dein Unternehmen und wie ist es dort zu arbeiten?

Ich arbeite bei der Norddeutschen Landesbank (NORD/LB), einer der zehn größten Banken Deutschlands, in Hannover. Wir sind im Kern eine Kreditbank, finanzieren also alles, was man sich so vorstellen kann: Unternehmen, Schiffe, Flugzeuge, Solar- und Windparks, Immobilien, Bundesländer, Landwirtschaft, Autobahnen usw., schwerpunktmäßig in bundesweit in Deutschland aber auch international. Deshalb ist die NORD/LB u.a. auch an den Standorten Hamburg, Düsseldorf, München, Stuttgart, London, New York, Singapur und Shanghai vertreten.
Obwohl die NORD/LB ein recht großes Unternehmen ist und es somit organisatorisch einige Hierarchiestufen gibt, herrscht eine sehr angenehme Stimmung, auch zwischen den Führungskräften und Mitarbeitern. Es gibt viele junge motivierte Leute in der NORD/LB, mit denen die Zusammenarbeit besonders viel Spaß macht.

Was machst du genau in deinem Job?

Ich bin auf der Marktseite Ansprechpartner für unsere Kunden, in meinem Fall Private-Equity-Gesellschaften, die in Unternehmen investieren bzw. diese kaufen wollen. Dabei bin ich in den Kaufprozess eingebunden, um den Investoren eine strukturierte Finanzierung für den Erwerb und das operative Geschäft des Zielunternehmens bereitzustellen. Auch wenn ich einen Plan für einen Tag habe, kann ein Anruf das alles schlagartig ändern. Aber genau das ist auch der Reiz an meinem Job - es gibt keinen echten Alltag. Neben neuen Deals kümmern wir uns auch um den Bedarf unserer Bestandsunternehmen. Die Arbeitszeiten würde ich als branchenüblich normal bezeichnen. An den meisten Tagen kommt man zu einer vernünftigen Zeit aus dem Büro, aber kurz vor Abschluss eines Deals kann es auch mal länger werden.

Was findest du ist das Spannendste an deinem Job?

Das Spannendste ist sicher ständig neue Geschäftsmodelle kennenzulernen und dann im Dealteam die transaktionsspezifische Finanzierung auszuarbeiten und die umfangreichen Kreditverträge zu verhandeln.

War der Job auf deinen Studiengang zugeschnitten oder kann man auch etwas anderes machen, um in deinem Bereich tätig zu werden?

Generell ist ein BWL-Studium keine absolute Grundvoraussetzung, um in einer Bank zu arbeiten, da es in einer Großbank verschiedenste Jobs gibt vor allem für Juristen, Mathematiker oder Informatiker, aber auch ein ehemaliger Hochseekapitän, Landwirte und Ingenieure haben schon ihren Weg zu uns gefunden. Für genau meinen Bereich ist es eher schwierig ohne Bank und BWL Kenntnisse Fuß zu fassen, da betriebswirtschaftliche Themenstellungen zu meinem täglich Brot gehören - aber man kann alles lernen.

Was würdest du deinem jüngeren Ich raten?

Findet heraus, in was ihr gut seid, was zu euch passt und was euch Spaß macht, dann werdet ihr darin erfolgreich sein. Lasst euch von Rückschlägen oder Absagen bei Bewerbungen nicht entmutigen, meistens liegt es an Umständen, die man kaum beeinflussen kann. Eine Ausbildung, guten Noten, Praktika und Auslandserfahrung öffnen sicher erste Türen, aber seid dabei immer authentisch und wisst ,warum ihr einen bestimmten Job wollt und warum gerade ihr darin gut seid. Wenn das Gesamtkonzept passt, werdet ihr auch eine Chance bekommen, dies unter Beweis zu stellen.

Wir arbeiten bei Norddeutsche Landesbank

MitarbeiterInnen stellen sich und ihren persönlichen Werdegang vor

Werdegang von Trainee Gesamtbank bei der NORD/LB, Norddeutsche Landesbank Werdegang von Portfolio Manager, Norddeutsche Landesbank