Sebastian Guggolz Sebastian Guggolz, Verlagsgründer, Guggolz Verlag

Verlagsgründer
bei Guggolz Verlag

Sebastian Guggolz Sebastian Guggolz, Verlagsgründer, Guggolz Verlag

Verlagsgründer, Guggolz Verlag

Als Germanistikstudent wird man automatisch Taxifahrer? Nicht wirklich! Sebastian zeigt dir, was noch mit dem Germanistikstudium möglich ist. Er hat in Hamburg im Hauptfach Kunstgeschichte und im Nebenfach Germanistik und Volkskunde studiert. Nach seinem Studium hat er erst als Volontär und später als Lektor in einem Berliner Verlag gearbeitet. Im Anschluss daran hat er sich als Verleger mit seinem eigenen Verlag, dem Guggolz Verlag, selbständig gemacht. Er genießt nun die Freiheiten der Selbstständigkeit und das Arbeiten mit Literatur und das ohne jemals Taxi gefahren zu sein ;)

Deine Schulzeit

Was für ein Typ Schüler warst du?

Ich war immer ein guter Schüler. Ich habe mich zwar für viele Fächer (naturwissenschaftliche vor allem) nicht besonders interessiert, aber es schien mir so leicht, gute Noten zu bekommen ohne besonders viel Aufwand. Also habe ich einfach versucht, immer gute Noten zu schreiben, damit ich möglichst schnell durchkomme. Eigentlich habe ich während der ganzen Schulzeit immer schon darauf hingefiebert, dass die Schule endlich vorbei ist und das »richtige Leben« beginnen kann.

Was hast du nach deinem Schulabschluss gemacht?

Ich bin ausgemustert worden und habe deshalb sofort nach dem Abitur mein Studium begonnen. Am Tag, nachdem ich mein Abiturzeugnis bekommen habe, bin ich mit all meinen Sachen nach Hamburg gefahren. Die Sommermonate über bis zum Studiumsbeginn habe ich noch gejobbt, um ein wenig Geld zusammenzubekommen. Aber ich hatte mich schon so gefreut, endlich studieren zu dürfen, dass ich es kaum erwarten konnte.

Deine Studienzeit

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Du hast Kunstgeschichte und im Nebenfach Germanistik und Volkskunde studiert, wie kam es dazu?

Ich habe in Hamburg im Hauptfach Kunstgeschichte, im Nebenfach Germanistik und Volkskunde (oder Europäische Ethnologie, wie das an manchen anderen Standorten als Hamburg heißt) studiert. Mir war immer klar, dass ich ein geisteswissenschaftliches Studium ergreifen wollte, schlicht, weil mich das am meisten interessiert hat. Ich hatte eine sehr gute Kunstlehrerin in der Oberstufe, das gab wohl letztlich den Ausschlag für das Hauptfach.
Finanziert habe ich mein Studium zuerst durch BAFöG, da bekam ich den Höchstsatz, ab dem Hauptstudium wurde ich in die Studienstiftung des Deutschen Volkes aufgenommen, bekam also ein Vollstipendium. Trotzdem musste ich nebenher noch arbeiten, das habe ich das ganze Studium über getan – die meiste Zeit in einem kleinen Kino als Kartenabreißer, später dann auch als Barkeeper.
Als Kind wollte ich immer Maler werden, das hat sich wegen mangelnder Begabung aber schnell erledigt. Irgendwann einmal fand ich dann die Pathologie toll, aber das Interesse für Kultur hat sich offensichtlich doch durchgesetzt.

Was genau macht man im Kunstgeschichte Studium?

Ich habe Kunstgeschichte, Germanistik und Volkskunde studiert. Alle Fächer habe ich nach Neigung gewählt, also nur das studiert, worauf ich auch Lust hatte. Zwischendurch habe ich auch Vorlesungen in Politik und Philosophie studiert, allerdings ohne Scheine zu machen. Ich habe noch zu Magisterzeiten studiert, da war man etwas freier in der Wahl der Kurse und Vorlesungen als man das heute sein kann.
Ich wollte immer ein Auslandssemester einlegen, am liebsten in Zürich, habe es aber dann nicht getan, weil ich dann irgendwann lieber schnell fertig werden wollte mit dem Studium. Dafür habe ich ein Praxissemester gemacht, das war in Kunstgeschichte in Hamburg möglich. Dieses Praxissemester war sehr begehrt, man musste sich extra dafür bewerben, weil es nur drei Plätze pro Jahr gab. Da bin ich ein Semester lang einen Tag pro Woche in den verschiedenen Bereichen der Hamburger Kunsthalle gewesen und habe Einblick in alle Bereiche des Museums bekommen. In den Semesterferien schloss sich dann ein zweimonatiges Praktikum an, das ich in der Provenienzforschung absolviert habe. Das hat mir gezeigt, in welcher Richtung ich mir Arbeit im Feld der Kunstgeschichte vorstellen könnte.
Außerdem habe ich mich für eine Laienliteraturjury aufstellen lassen, für den Mara-Cassens-Preis des Hamburger Literaturhauses. Das habe ich drei Jahre lang gemacht, das gefiel mir sehr gut und hat mir auch noch ein wenig den Weg zur Literatur geebnet.

Lief dein Kunstgeschichte Studium so ab, wie du es dir vorgestellt hast?

Das Studium war so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Inhaltlich war ich vollständig erfüllt, ich hatte tolle Professoren, bei denen ich viel gelernt habe. In Kunstgeschichte gab es auch etliche Exkursionen, ich bin nach Spanien, Italien, in die Niederlande, nach Polen und innerhalb Deutschlands gereist. Exkursionen waren die Highlights des Studiums.
Das Drumherum hat mich etwas enttäuscht. Mir wurde schnell klar, dass an der Uni auch nur Schüler sind, die jetzt halt studieren, im Vorhinein hatte ich das Studentenleben immer verklärt als: »Dann fängt das echte Leben an«. War aber nicht so, das »echte Leben« habe ich mir außerhalb der Universität gesucht. Sehr vieles am Studium war mir viel zu verschult, ich hätte mir noch mehr Freiheiten gewünscht.
Hamburg als Stadt hat, nachdem ich in der oberschwäbischen Provinz aufgewachsen bin, aber alles erfüllt, was ich mir erhofft hatte.

Was hast du direkt nach Deinem Studium gemacht?

Ich habe noch auf Magister studiert, da war der Übergang von Grund- zu Hauptstudium fließend.
Nach dem Magisterabschluss habe ich zu promovieren begonnen. Während des ersten Jahres der Promotion habe ich aber gemerkt, dass es mich dahin drängt, endlich mal zu arbeiten, also habe ich ein Verlagspraktikum begonnen. Das führte dann zu einem Volontariat, dann zu freier Mitarbeit und schließlich zu einer Festanstellung. Nach einiger Zeit (ich glaube nach anderthalb Jahren war es genau) habe ich die Promotion dann auch offiziell aufgegeben.

Dein Job als Verleger/Lektor

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Wie kamst du zu deinem jetzigen Job?

Ich habe, als ich 24 Jahre alt war, nach der Magisterprüfung mit einer Promotion angefangen. Damit bin ich aber nie richtig warmgeworden. Ich bin aus privaten Gründen von Hamburg nach Berlin gezogen. Dort habe ich mal bei einem Abendessen bei einer Freundin den Verleger eines größeren Berliner Verlags kennengelernt und bin mit ihm ins Gespräch gekommen. Kurz darauf habe ich dort ein Praktikum angefangen, einfach so, obwohl ich mir vorher nie Gedanken gemacht hatte, ob das eine Berufsperspektive für mich sein könnte. Die Arbeit im Verlag gefiel mir dann aber sehr gut, ich habe gemerkt, dass das die Art von Arbeit ist, die ich mir gut vorstellen könnte, hauptberuflich zu machen. Also Texte bearbeiten, auswählen, auch alle weitere Verlagsarbeit, von Presse bis zum Vertrieb. Der Verleger, war auch mit meiner Arbeit als Praktikant zufrieden, sodass er mir schließlich eine Volontärsstelle angeboten hat. Die war zwar schlecht bezahlt, aber ich hatte zu der Zeit noch nebenher gejobbt, in der Gastronomie, also habe ich das weiterhin so gemacht. Reich werden kann man in der Verlagsbranche nicht, das war mir immer klar.
Und als nach einem Jahr das Volontariat zu Ende war, war der Verlag so gewachsen in der äußeren Wahrnehmung wie auch im Programm, dass genug Arbeit da war, dass ich einfach weiter gearbeitet habe. Mein Gehalt wurde sukzessive immer wieder ein bisschen aufgestockt; schließlich bekam ich nach einiger Zeit, in der ich auf Rechnung gearbeitet habe, sogar eine Festanstellung als Lektor. Insgesamt habe ich fast sieben Jahre bei dem Berliner Verlag gearbeitet, bis ich mich dann Ende 2013 mit meinem eigenen Verlag selbstständig gemacht habe.

Wie sind die Berufschancen mit deinem Studium?

Es ist sehr schwierig, man kann in der Verlagsbranche schlecht von allgemeinen Chancen sprechen. Es gibt leider nur sehr wenig Stellen und sehr viele Leute, die die dann gerne haben wollen. Ich selbst habe nie einen großen Plan verfolgt, sondern immer die nächstliegende Chance ergriffen. Will man allerdings größere Sicherheit und also bei einem größeren Verlag arbeiten, dann gibt es eine große Konkurrenz. Ich habe immer nebenher gejobbt, um wenigstens genug Geld zu haben, mal in den Urlaub zu fahren oder so. Das tue ich bis heute noch, ich lese neben meiner Verlagsarbeit noch für Zeitschriften Korrektur. Man muss eben bereit sein, sehr viel zu investieren, gerade auch zeitlich. Nach Feierabend muss man weiter lesen, Manuskripte, zusätzliche Bücher. Das geht allein schon wegen der notwendigen Konzentration gar nicht während der Bürozeiten.
Wie es mit den Chancen in anderen Bereichen als der Verlagsbranche aussieht, weiß ich gar nicht, da ich wie gesagt mich immer nur auf das für mich nächstliegende konzentriert habe, ohne mich nach Alternativen umzuschauen.

Was macht Dein Unternehmen und wie ist es dort zu arbeiten?

Ich habe mich nach einigen Jahren als Lektor selbstständig gemacht und im letzten Jahr meinen eigenen Verlag gegründet (Guggolz Verlag). Das ist ein Ein-Mann-Betrieb, ich arbeite also ganz allein in meinem kleinen Büro. Das ist das beste. Ich habe keinen Chef, keine Hierarchien, alles was ich entscheide und mache setzt sich unmittelbar um. Das ist aber natürlich auch gleichzeitig das Risiko und die Verantwortung, die dahinter stehen. Ich habe viele freie Mitarbeiter. Einen Gestalter, mit dem ich zusammenarbeite, der mir die Bücher gestaltet, dann viele Übersetzer, die die Bücher übersetzen, Verlagsvertreter, die die Bücher in die Buchhandlungen verkaufen. Das Produkt der Arbeit sind Bücher, ich verlege Neu- und Wiederentdeckungen aus Ost- und Nordeuropa. Das sind also Bücher, die es entweder schon einmal in alten Übersetzungen gab und die heute vergessen sind, oder Bücher, die noch nie ins Deutsche übersetzt wurden, die aber eigentlich Klassiker sind. Diese Bücher lasse ich neu übersetzen und bringe sie in möglichst schön gestalteten Ausgaben neu heraus.

Was machst du genau in deinem Job?

Alles andere mache ich von meinem Büro aus. Die ganze Arbeit an den Texten, also Lektorat, Korrektorat, Buchsatz, dann Pressearbeit, Vertriebsarbeit, Herstellung. Das ist eine ganze Menge, meine Freizeit ist mittlerweile sehr gering. Aber das macht nichts, weil mir die Arbeit so viel Spaß macht.
Ich gehe jeden Tag mindestens von 10 bis 18 Uhr ins Büro, das steht fest, meistens bin ich sowieso dann bis in die Abendstunden da, weil so viel zu tun ist. Außerdem muss man natürlich sehr sehr viel lesen, damit bin ich meistens abends beschäftigt, weil da keine Mails und Anrufe mehr stören und ich mich konzentrieren kann. Das ist sowieso das Schwierigste, sich bei all den vielen verschiedenen Aufgaben konzentrieren zu können, wenn es mal an Textarbeit geht. Aber dazu muss man sich dann halt zwingen.

Wie gut hat dich dein Studium vorbereitet?
Das Studium hat rückblickend wenig zu meinem jetzigen Job beigetragen. Ich habe viel gelesen im Studium, aber die Grundlagen für die heutige Arbeit habe ich beim Praktikum und im Volontariat gelernt. Learning by doing also. Um in einem Verlag zu arbeiten, muss man nicht zwangsläufig Germanistik studiert haben, aber es ist hilfreich, allein wegen der Grammatik und Rechtschreibung. Aber eigentlich macht man so was wie Textarbeit ja in jedem geisteswissenschaftlichen Studium. Ein Philosophiestudium zum Beispiel wäre eine ebenso gute Grundlage.

Was würdest du deinem jüngeren Ich raten?

Ich würde mir empfehlen, noch mehr zu lesen, weil einem das immer hilft. Und je breiter die Bildung ist, desto mehr kann man daraus schöpfen. Ansonsten war es sehr gut, die Promotion abzubrechen, das hätte mich nur belastet, und heute vermisse ich meinen fehlenden Doktortitel nicht. Ich hätte noch weitere Sprachen lernen sollen, das geht später nicht mehr so leicht wie während des Studiums. Und früh mehr Praktika ausprobieren, die man nicht nur des Praktikumszeugnis wegen macht, sondern weil einen das inhaltlich interessiert. Das würde ich mir von heute aus gesehen rückblickend raten.

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