Jacek Jacek, User Research Analyst, Spieleentwickler

User Research Analyst
bei Spieleentwickler

Jacek Jacek, User Research Analyst, Spieleentwickler

User Research Analyst, Spieleentwickler

Die Noten reichen nicht für ein Psychologiestudium in Deutschland? Jacek hat sich dadurch nicht von einem Psychologiestudium abhalten lassen und ist einfach nach Holland ausgewandert. Hier erzählt er wie es ist Psycholgie auf Bachelor und Master in Holland zu studieren und was er dann mit Psychologie gemacht hat. Als User Research Analyst beschäftigt er sich nun mit der Entwicklung von Computerspielen.

Deine Schulzeit

Was für ein Typ Schüler warst du?

Würde man Lehrer fragen, dann war ich ein fauler Schüler. Von den Noten her war es imer relativ durchschittlich, manchmal unter und manchmal auch überdurchschnittlich. Früh habe ich herausgefunden, dass die hard sciences (Mathe, Physik und co.) nicht meine Stärke ist und ich dafür aber in Wahlfächern wie Psychologie und Philosophie ordentlich absahnen konnte. Im Nachhinein bereeu ich nur für Tests gelernt zu haben anstatt mich kontinuierlich anzustrengen; die Lehrer haben es immer und immerwieder betont, aber als Schüler kommt das nicht an. Zudem überwiegen in der Schulzeit auch anderen Interessen als oft trockener Stoff. Vieles aus der Schulzeit hat aber doch zu meiner Allgemeinbldung beigetragen, jedoch wusste ich von Anfang an, dass für mein zukünftiges Studium fast alles was in der Schule gelehrt wird egal ist und ich von 0 anfangen werden müsste (egal was ich studieren würde).

Was hast du nach deinem Schulabschluss gemacht?

Relativ zügig nach dem Abitur hat mich der Staat gebeten Zivieldienst zu leisten (an alle mit dob>1990: Wikipedia:Zivildienst). Nach 9 Monaten als Fahrer beim DRK-Blutspendedienst, plus einem Ehrenmonat um bei gleicher Arbeit die 4-5 fache Bezahlung zu bekommen, war es dann auch Zeit mit dem Studieren anzufangen. Die Entscheidung fiel auf Psychologie.

Dein Psychologiestudium in Holland

Du hast in Holland an der Universität Twente Psychologie studiert, wie kam es dazu?

Da ich mehr angewandte und Medienpsychologie studieren wollte und auch weil mein NC nicht mit einer 1 anfing, entschied ich mich nach Holland auszuwandern. Bevor ich an der Uni Twente in Enschede (NL) allerdings studieren konnte, musste ich holländisch lernen und ein Examen dazu absolvieren. Sprachbegabt wie ich bin (bilingual aufgewschen), war der einmonatige Crashkurs kein Problem und ich zog auch in eine WG mit Holländern ein.
Psychologie hatte mich schon immer angezogen und ich las schon vor dem Studium viele Fachbücher, was meine Studienwahl bestätigt hat. Allerdings wollte ich kein Therapeut werden sondern mich mit weniger anstrengenden und mehr spaßigen Dingen auseinandersetzen als Menschen, wie zB Computerspielen. Der deutsche Staat war zudem so nett und hat mir Auslands-Bafoeg gewehrt. Das erste Jahr war das Amt dann auch sehr großzügig, danach hat es nichtmal mehr für die Miete gereicht...

Was genau macht man im Psychologiestudium in Enschede?

In Holland macht man im Studium zunächst einmal ein Vorstudium, was Propedeuse genannt wird. Das beinhaltet alle Erstjahrfächer (60EC), die relativ allgemein sind: Einführung in Persönlichkeitspsychologie, Einführung in Kognitionspsychologie, Einführung in Statistik, Einführung in kognitivie Ergonomie und andere Einführungen. Danach wird es etwas spannender und man darf auch selbst bestimmte Fächer wählen, die bei mir eher in den Bereich Ergonomie, Medien und Konsumentenverhalten waren. Methodik und Statistik ist immer mit dabei, da muss man einfach durch. Außerdem sind gerade diese Fächer superwichtig, vorallem wenn man eigenständig wissenschaftlich arbeiten will (sei es in der Industrie oder an der Uni). Einiger der Fächer hatten natürliche auch praktische Aspekte aber es war doch eher theoretisch. Auch muss man ein Nebenfach absolvieren, was in meinem Fall Medienkunst war. Generell war der Bachelor gut zu meistern, da mir etwas langweilig wurde, habe ich mir meinen Stundenplan selbst zusammengestellt und den Bachelor vor der Regelstudienzeit beendet.

Was war im Psychologie-Master anders als im Psychologie-Bachelor?

Der Master war deutlich anstrengender und zeitintensiver als der Bachelor (relativ zu den gleichen EC die man bekommt). Es war viel praktischer auch, z.B. musste man für einzelne Fächer ganze Experimente durchführen und paper darüber schreiben, die vom Aufwand her ähnlich einer Bachelorthesis waren. Im Master konnte ich mich dann nochmal etwas mehr spezialisieren was die Themen und Fächerwahl angeht und so konnte ich zum Experten im Bereich Computerspiele werden. Da ich die ersten Masterfächer schon während des Bachelors gemacht habe, war ich schon nach einem halben Jahr fertig (mein Master hatte nur 60EC) und habe dann anschliessend ein freiwilliges Praxissemester an einem Forschungsinstitut für Computerspiele an der HTW Berlin gemacht.

Entsprach dein Psychologiestudium deinen Erwartungen?

Meine Erwartungen haben sich in Grenzen gehalten und konnten damit weder bestätigt noch widerlegt werden.

Dein Job als User Research Analyst

Wie kamst du zu deinem Job als User Research Analyst?

Nach meinem Studium, wollte ich meiner Leidenschaft nachgehen und bei einem Spieleentwickler arbeiten. Auf Jobportalen hatte ich nichts gefunden, deswegen habe ich mich schlau gemacht ,welche lokale Firmen für mich interessant sind und bin auf ihre Webseiten gegangen. Ich entdeckte das Stellenangebot zum User Research Analyst und habe meine Bewerbung sofort abgeschickt. Am nächsten Tag kam bereits die Antwort, dass die Firma sehr interessiert sei. Danach folgte ein Telefon-Interview, sowie ein persoenliches Interview. Die Einstellung erfolgte dann auf Probezeit (1 Jahr mit 300Euro weniger Gehalt), die allerdings aufgrund guter Führung bereits nach einem halben Jahr beendet wurde. Ein weiteres halbes Jahr später erfolgte eine Beförderung vom Junior zum Associate. Einstiegsgehalt als Junior war 2700, nach Befoerderung 3000. Zusatzliche incentives waren gratis Bier einmal die Woche, gratis Obst im Winter, eine Massage pro Woche sowie Rabatt auf FItness und Yoga.

Wie sind die Berufschancen mit Psychologie?

Mein Studium hat auf die Jobbeschreibung sehr gut gepasst, wobei mehrere Studiengänge ein guter fit wären (z.B. Human Factors). Im Normalfall ist es sehr schwierig einen Job im User Research zu bekommen, vor allem ohne jegliche Berufserfahrung. Ich hatte das Glück, dass die User Experience Abteilung gerade neu gegruendet worden ist und sie Leute gesucht haben. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein ist wesentlich.

Was macht Dein Unternehmen und wie ist es dort zu arbeiten?

Das Unternehmen entwickelt und published digitale Spiele für die Platformen Browser und Mobile (Casual und AAA). DIe Kollegen waren alle total nett und hilfsbereit. Das technische Setup waren auch gut, jeder Mitarbeiter hatte einen High-end Laptop mit 2 Bildschirmen und alles was man braucht.Leider spielten im Unternehmen persönliche Beziehungen eine wichtigere Rolle als Kompetenz und persönliche Fähigkeiten. So war das Management wohl schon lange eng miteinander befreundet. Dies trug nicht gerade zu einer guten neutralen und objektiven Arbeitsatmosphäre bei.

Was machst du genau in deinem Job als User Research Analyst?

Der Tag begann mit einem Stand-up (siehe Scrum), was ein mini-meeting ist, bei dem das ganze Team zusammenkommt, um kurz zu besprechen was heute auf dem Plan steht. Die Aufgaben waren Planung, Rekrutierung, Durchführung, Analyse und Präsentation von Nutzerstudien, wie zB usability tests, online surveys, interviews, focus groups, A/B tests etc. Die stakeholder waren meistens Spieleteams oder andere Abteilungen (z.B. Marketing), für die die Studien ausgeführt worden sind. Deadlines waren meist knapp. Die arbeit war relativ selbständig, bei großen Projekten teilte ich mir eine Studie mit einem Kollegen.

Was findest du ist das Spannendste an deinem Job?

Es war interessant für verschiedene Spiele zu arbeiten und neue Methodiken durchzuführen. Da die Abteilung gerade in der Entwicklung war konnte ich auf die Einführung von internen Prozessen und Standards Einfluss nehmen.

War der Job auf deinen Studiengang/ deine Ausbildung zugeschnitten

Mein Studium hat auf die Jobbeschreibung sehr gut gepasst, wobei mehrere Studiengänge ein guter fit wären (z.B. Human Factors). Auch als Programmierer oder mit anderer Ausbildung könnte es klappen, denn gerade in der Spieleindustrie ist es nicht so wichtig was man gelernt hat sondern was man kann. Wenn man seine Fähigkeiten eindrucksvoll präsentieren kann (durch Tests oder ein Portfolio) hat man gute Chancen.

Was würdest du deinem jüngeren Ich raten?

Macht nur was euch Spass macht und lasst euch von niemanden erzahlen, dass eure Noten oder Qulifikationen nicht gut genug für euren Traumjob sind (was jetzt nicht heissen soll, dass ihr das Studium hinschmeissen oder für eure Examen weniger lernen solltet). Es gibt immer einen Weg und Zielstrebigkeit sowie Ehrgeiz werden belohnt!

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