Jule Röthig Jule Röthig, Gründerin, InDecorate, Berlin, Deutschland

Gründerin
bei InDecorate
Berlin, Deutschland

Jule Röthig Jule Röthig, Gründerin, InDecorate, Berlin, Deutschland

Gründerin, InDecorate

BWL studieren konnte Jule an der Universität St. Gallen. Mit diesem BWL-Studium gründete sie ihr Innendesign Startup InDecorate. In Ihrem Werdegang berichtet sie von Ihrem Weg durch mehrere Startups und warum sie sich entschieden hat BWL zu studieren. An Ihrem Innendesign Startup InDecorate kann man beispielhaft sehen was man später mit BWL macht.

Die Schulzeit

Was für ein Typ Schülerin warst du?

Ich würde mich aus heutiger Sicht als gute Schülerin bezeichnen. Meine Noten waren durchschnittlich bis gut (mit einigen wenigen Ausrutschern) und mein Abitur habe ich mit 2,0 abgeschlossen. Mir ist die Schule insgesamt eher leicht gefallen, ich musste mich selten wirklich anstrengen. Wenn mir etwas Spaß gemacht hat, war ich aber gerne fleißig. Meine Leistungskurse habe ich entsprechend meiner Interessen und Stärken gewählt, die aber zum Glück mit meinen voraussichtlichen Studienplänen gut überein gestimmt haben (Englisch, Mathe).

Was hast du nach deinem Schulabschluss gemacht?

Ich habe mein Abitur mit 17 gemacht und wollte mir diesen Altersvorteil noch ein wenig erhalten. Daher beschloss ich, direkt im Anschluss zu studieren. Die Entscheidung fiel mir allerdings nicht allzu schwer, da mir die damals typische Alternativen (freiwilliges soziales Jahr, Au-Pair im Ausland) nicht zusagten.

Die Studienzeit

Was hast du studiert und wie kam es zu deiner Studienwahl?

Ich habe klassisch BWL studiert, nachdem mir in einem wenig hilfreichen Gespräch mit einem Studienberater von Wirtschaftspsychologie abgeraten wurde. Ursprünglich wollte ich reine Psychologie studieren, aber davon bin ich aus „Vernunftsgründen“ abgekommen. Ich dachte schließlich, dass ich mit BWL eine gute Basis schaffe, die mir eine spätere Spezialisierung erlaubt. Also recherchierte ich die besten Unis in Deutschland für BWL, und über einen Freund hörte ich von der Universität in St. Gallen in der Schweiz. Meine favorisierte Uni war damals die LMU in München, dort wurde ich aber in der ersten Runde aufgrund meines NCs nicht zugelassen. Da die Uni St. Gallen schon im September los ging und ich den Aufnahmetest bestanden hatte, entschied ich mich schließlich für St. Gallen und habe es auch nie bereut. Das Studium konnte ich dank meiner Familie finanzieren, habe aber nebenbei auch immer einige Stunden die Woche gearbeitet. Mit meinem heutigen Job hat mein Studium immer wieder zu tun, insbesondere wenn es um Selbstorganisation, analytische Fähigkeiten und wirtschaftliches Grundwissen geht.

Was genau macht man im Studium?

Während meines 1. Semester wurde ich schnell auf den Boden der Tatsachen zurück geholt, da meine entspannte Einstellung gegenüber lernen und studieren aus der Schule sich als eindeutig zu entspannt herausstellte. Fächer waren zum Beispiel Einführung in BWL und VWL, Mathematik, Recht und so weiter. In St. Gallen hat man zudem auch fachfremde Kurse wählen können. So habe ich zum Beispiel auch einen Filmkurs oder Gender Studies besucht. Das war eine nette Abwechslung. Im 5. Semester bin ich in den sogenannten Freemover-Austausch gegangen, d.h. ich habe mir meinen Austausch an einer Nicht-Partner-Uni selbst organisiert und bin für 3 Monate nach London an die City University/Cass Business School gegangen. Das war eine tolle Zeit, auch wenn die Uni akademisch bei weitem nicht so anspruchsvoll (für Austauschstudenten) war, wie ich es aus St. Gallen kannte. In London wählte ich einen Kurs zum Thema Corporate Social Responsibility, da ich an diesem Thema schon länger Interesse hatte. So kam ich schließlich auch zu meinem Bachelor-Arbeitsthema, den Bereich meiner ersten Praktika und schließlich den Fokus meines Master-Studiengangs.

Was hast du zwischen Bachelor und Master gemacht?
Ich verlängerte mein Studium auf 8 Semester und während ich meine Bachelorarbeit schrieb, machte ich zusätzlich zwei Praktika im Bereich Corporate Responsibility. Anschließend startete ich meinen Masterstudiengang Global Business and Stakeholder Management (hat einen CSR-Fokus) in Rotterdam, Niederlande.

Was war im Master anders als im Bachelor?

Inhaltlich hat mir mein Master insgesamt gut gefallen. Es war ein nur 12-monatiges Programm, die Zeit ging sehr schnell um. Insbesondere das 1. Semester war wahnsinnig arbeitsintensiv, aber es hat Spaß gemacht. Letztlich hat der Master mich aber dazu bewegt, meine angepeilten Job-Perspektiven – Corporate Responsibility in Großunternehmen oder als Beratung – komplett über den Haufen zu werfen. Das erschien mir plötzlich alles viel zu „corporate“ und ich beschloss, meinen Fokus lieber auf ein Thema zu legen, dass tendenziell mehr Kreativität bietet. Dadurch landete ich bei Startups & Interior Design (Innendesign).

Mit welchen Erwartungen hast du damals dein Studium begonnen?

Ich hatte insofern große Erwartungen, dass ich gehofft hatte, das Studium helfe mir dabei, meine Interessen zu finden und damit passende Jobperspektiven. Das hat für mich persönlich aber nur bedingt geklappt. Ich wusste danach eher, was ich nicht wollte. Erst im Laufe meiner ersten Jobs habe ich gemerkt, was mir bei meiner Arbeit wichtig ist.

Die Universitäten haben meine Erwartungen in akademischer Hinsicht erfüllt, zum Teil sogar übertroffen. Was das Studentenleben angeht, hatten beide Städte durchaus etwas zu bieten, aber schon allein aus finanzieller Sicht sind es nicht die besten Studentenstädte.

Der Job

Was ist deine Jobbezeichnung?

Ich bin Gründerin von InDecorate, einer Plattform über die man Interior Designer (Innendesigner) auf Stundenbasis buchen kann. Außerdem arbeite ich nebenbei zurzeit als freie Beraterin in den Bereichen Logistik, Operations und Marketing.

Wie kamst du zu deinem jetzigen Job?

Nach meinem Master beschloss ich, meinem Interesse an der Startup-Szene, Interior Design und Berlin nachzugehen und bewarb mich auf ein Business Development-Praktikum bei einem Möbel-Shoppingclub in Berlin. Auf Projektbasis sollten konkrete Prozessoptimierungen und Einsparungen im Logistikbereich des Shoppingclubs erreicht werden. Sehr analytisches Vorgehen war gefragt und „Hands-on“-Mentalität bei der Umsetzung, Fachwissen erarbeitete man sich „on the job“. Nach drei Monaten Praktikum wurde mir ein Job angeboten und ich entschied mich vorerst zu bleiben, da es mir ausreichend Spaß machte und ich das Gefühl hatte, etwas lernen zu können. Nach einigen Monaten verschwand dieses Gefühl allerdings, außerdem änderte sich das Klima und so beschloss ich das Startup zu wechseln. Ich wurde auf eine Stelle in einem jungen, 10-köpfigen Team aufmerksam, dass einen hochwertigen Wein-Onlineshop betrieb und nach kurzer Verhandlung stand fest, dass ich dort anfangen würde. Ich bekam erheblich mehr Verantwortung und konnte neben der Logistik einen neuen Themenbereich, nämlich Marketing übernehmen. Leider konnte die Anschlussfinanzierung des Startups nicht gesichert werden, sodass es nach einigen Monaten, die ich dort war, Insolvenz anmelden musste. Ich beschloss, mir ein wenig Zeit zu nehmen und herauszufinden, wie ich mich beruflich weiterentwickeln wollte. Mir wurde klar, dass mich vor allem Spaß an der Sache, aber noch viel mehr selbstbestimmtes Arbeiten motiviert. Daher entschied ich, den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen. Seitdem arbeite ich mit so viel Freude, dass ich meine Entscheidung bisher noch nicht angezweifelt habe.

Wie sind die Berufschancen mit deinem Studium und wie schwierig ist es deinen momentanen Job zu bekommen?

Ein wirtschaftliches Studium oder Ausbildung und die Bereitschaft sich mit allerlei bürokratischen Dingen auseinander zu setzen, ist beim selbständigen Arbeiten und Gründen sicher hilfreich. Leidenschaft für das Thema ist ebenfalls zu empfehlen, gerade wenn man ohne Investoren gründet, da man mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einiges verzichten wird: sei es zu Beginn das Geld oder einfach die Zeit, weil man viel arbeiten muss/will.

Was macht Dein Unternehmen und wie ist es dort zu arbeiten?

Momentan bin ich alleinige Gründerin von InDecorate und mache quasi alles. Ich habe die Website selbst gebaut, die Interior Designer akquiriert, schreibe Blogeinträge, mache Social Media und Marketing und kümmere mich natürlich um alles Administrative (Gründung, Steuern, Rechtliches, usw.). Die Abwechslung der Tätigkeiten ist großartig, aber natürlich stößt man an seine Grenzen – man kann ja nicht alles. Daher suche ich nun nach und nach Personen, die Lust haben auf die eine oder andere Weise mitzuarbeiten.

Wie läuft ein normaler Arbeitstag bei dir ab?

Ich habe das Privileg, meine Arbeitszeiten selbst zu bestimmen. Der Einfachheit halber versuche ich mich aber an einen normalen Arbeitstag von 9-19 Uhr zu halten. Ich versuche von meiner langfristigen Planung konkrete Tätigkeiten abzuleiten und priorisiere diese rigoros. Insofern wechseln sich die Tätigkeiten momentan sehr ab. An einem Tag kann es sein, dass ich mich mit rechtlichen Dingen wie Verträgen beschäftige, Termine mit Interior Designern organisiere und abends noch einen facebook-Post einschiebe.

Was findest du ist das Spannendste an deinem Job?

Es ist sehr erfüllend für mich die Geschäftsidee von InDecorate auf meine eigene Art und Weise umsetzen zu können. Und es ist großartig in einer Branche zu arbeiten, die für mich ein großes Hobby ist (Interior Design).

War der Job auf deinen Studiengang zugeschnitten oder kann man auch etwas anderes machen, um in deinem Bereich tätig zu werden?

Im Grunde braucht man dafür keine spezielle Ausbildung, aber ein wirtschaftlicher Hintergrund macht sicher vieles einfacher.

Was findest du nicht so spannend an deinem Job?

Ohne Investoren ist das ganze zu Beginn ein finanzieller Eiertanz. Sicherheit adé – das kann schon mal an die Nerven gehen. Aber der Spaß an der Arbeit macht das schnell wieder vergessen.

Was würdest du deinem jüngeren Ich raten?

Mutiger zu sein und mehr auszuprobieren. Aber vor allem mehr auf das eigene Gefühl vertrauen und schon früher in sich hinein hören, was einen wirklich antreibt. Sicher habe ich in meinen ersten Jobs und Praktika wertvolles gelernt, aber ich hätte meine jetzige Motivation und Antrieb gern schon früher gespürt ;)

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