Volker Hirsch Volker Hirsch, ehem. Vorstand, Frankfurter Allianz Versicherungs-AG

ehem. Vorstand
bei Frankfurter Allianz Versicherungs-AG

Volker Hirsch Volker Hirsch, ehem. Vorstand, Frankfurter Allianz Versicherungs-AG

ehem. Vorstand, Frankfurter Allianz Versicherungs-AG

Wie wird man Vorstand eines großen Konzernes? Herr Hirsch begann seine Karriere nach einer prägenden Wehrdienstzeit mit einem Jurastudium in Frankfurt. Obwohl ihn zu Beginn seiner Studienzeit die Vorlesungen weniger interessierten als das Studentenleben der 68er Jahre, intensivierte er sein Studium und schloss mit einem guten Examen ab. Über seine Tätigkeit als Rechtsanwalt kam es dann zum ersten Kontakt mit der Allianz Versicherung. Wie es dann zur Vorstandstätigkeit kam, lest ihr hier.

Deine Schulzeit

Bild: Volker_Hirsch

Was für ein Typ Schüler/in warst du?

Meine Schulzeit war anfangs von der Nachkriegszeit und häufigem Ortswechsel geprägt.Die schulischen Leistungen mäßig. Meinen Vater habe ich mit 13 Jahren kennen gelernt, er kam 1956 aus russischer Kriegs- gefangenschaft. Durch Wechsel der Bundesländer und einer "Ehrenrunde" in der Mittelstufe des Gymnasiums war ich ein relativ "reifer" Abiturient. Allerdings gab es in der Oberstufe einen gewissen "Durchbruch" und ich hatte ein Abiturszeugnis, das besser als fast alle Jahreszeugnisse war. Ursachen dafür waren ein Schulfreund, mit dem ich mich zusammen besser als früher auf den Unterricht vorbereitete und ein Klassenlehrer, der viel Verständnis für mich hatte und mich förderte. Ich habe schulisch betrachtet also gerade noch "die Kurve gekriegt" und damit einen sehr wichtigen Grundstein für meine spätere berufliche Entwicklung legen können.
Gut für meine spätere Entwicklung nach der Schulzeit waren meine Freizeitbeschäftigungen in Sportvereinen und bei den Pfadfindern mit einigen Auslandsfahrten.

Was hast du nach deinem Schulabschluss gemacht?

Nach dem Abitur wurde ich zum 1.4.1965 zur Bundeswehr einberufen. Das waren damals 18 Monate. Obwohl ich von der Sache nur wenig überzeugt war, verlängerte ich den Dienst auf zwei Jahre und kam damit als Abiturient in die Kurzausbildung zum Leutnant der Reserve. Das gab zusätzliche Einnahmen und eine Abfindung, die ich - von zu Hause finanziell sehr knapp ausgestattet - gut gebrauchen konnte. Viele Situationen und Phasen des Wehrdienstes waren lästig bis sehr unangenehm, man musste da einiges einstecken. Es gab aber auch positive Vorkommnisse. Ich durchlief einige Lehrgänge, bei denen ich geistig und körperlich gefordert wurde. Im letzte Halbjahr musste ich selbst Unterricht halten und Übungen leiten. Das hat mir später viel genutzt (Umgang mit Menschen, Belastungen ertragen, Neues aneignen, Anforderungen gerecht werden usw.).

Deine Studienzeit

Bild: Jura studieren

Was hast du studiert und wie kam es zu deiner Studienwahl?

1967 begann ich an der Uni Frankfurt mein Jurastudium. Nach dem Abitur hatte ich noch (wie viele Freunde und Kollegen damals) daran gedacht, Soziologie und/oder Psychologie zu studieren. Von dieser Idee kam ich ab, als ich mir im Urlaub von der Bundeswehr einige Vorlesungen in Statistik und Nationalökonomie anhörte.

Wie lief dein Jurastudium ab?

Meine ersten drei Semester Jura sahen mich dann auch in wenigen Vorlesungen. Ich fand sie stinklangweilig und lebensfremd und wollte ehrlich gesagt auch erst mal das Studentenleben genießen. Es waren schließlich die berühmten 68er Jahre mit der Befreiung von herkömmlichen Ritualen und Verhaltensweisen ("Muff von 1000 Jahren unter den Talaren"). Die Befreiung von Einschränkungen im jugendlichen Sexualleben vollzog sich leider etwas schleppend, da ich aus Kostengründen noch in der kleinen Wohnung der Eltern in Uninähe lebte.
Die Angelegenheit kam dann mit meinem Engagement im Studentischen Reisedienst der Uni Ffm in Gang. Die Mitarbeit dort hatte größeres Gewicht als die Teilnahme an Demos und Sit-ins. Die Organisation von Reisen, deren Vermarktung an der Uni und die Reiseleitungen mit studentischen Gruppen (im Winter zum Skilaufen in die Dolomiten und im Sommer nach Sardinien) brachte nicht nur den Höhepunkt an studentischen Nebenverdiensten, sondern auch viele Erfahrungen bei der Organisation von Unternehmungen, Umgang mit Menschen und natürlich auch im "zwischenmenschlichen Bereich".
Nach dem 3. Semester packten mich und meine Freunde existentielle Ängste hinsichtlich der beruflichen Zukunft und wir reduzierten unser schönes Studentenleben zugunsten eines zielgerichteten Studiums. Wir besuchten den örtlich bekannten "Repetitor", der uns das nötige juristische Wissen für das erste Staatsexamen in knapper, präziser Form nahebrachte und besuchten weiterhin kaum Vorlesungen, arbeiteten aber die erforderlichen Klausuren und Scheine wie gefordert ab. Belohnt wurde das mit einem recht guten Examen, das sogar zu einer bezahlten Assistentenstelle mit Aussicht auf Promotion führte. Das waren wieder zwei schöne Jahre mit recht viel Freizeit, die aber noch nicht zur erstrebten Doktorwürde, sondern nur zu einer 2/3 Dissertation geführt hatten. Wieder kamen berufliche Existenzängste auf und ich begann die Referendarausbildung, um jetzt bald das zweite Staatsexamen abzulegen, das Voraussetzung für die Tätigkeit als Richter, Staatsanwalt, Rechtsanwalt etc. war. Die Promotion wollte ich in dieser Zeit fertigstellen. Es kam wieder einmal anders als gedacht.

Dein Job als Vorstand der Frankfurter Allianz Versicherungs AG

Bild: Volker_Hirsch_und_Kollegen

Wie kamst du zu deinem Job?

Während meiner dreijährigen Referendarszeit machte ich eine Ausbildungsstation in einer renommierten Frankfurter Anwaltskanzlei. Die Arbeit dort machte mir viel Spaß und wurde von meinen Chefs so geschätzt, dass ich in der Kanzlei bis zum 2. Staatsexamen gegen ordentliche Bezahlung arbeiten konnte und anschließend wie selbstverständlich als angestellter Rechtsanwalt in die Kanzlei übernommen wurde. Dabei blieb letztlich meine Promotion auf der Strecke, was für die Tätigkeit als RA aber unbedeutend war.
Einer der größten Mandanten der Kanzlei war die Allianzversicherung in Frankfurt. Trotz anfänglichen Mißtrauens gegenüber so einem jungen RA übernahm ich die alleinige Betreuung dieses Kunden. 1978 bewarb ich mich dort und wurde als Assistent des Vorstands eingestellt. Es folgten zwei Jahre, in denen ich durch fast alle Abteilungen des Hauses mit einfachsten Diensten "tingelte", bis ich dann endlich beim Vorstand als Assistent anfangen konnte. Diese Zeit war sehr hart und ich zweifelte mehrfach an meiner Entscheidung, hatte ich doch als RA mit eigenem Zimmer und eigener Sekretärin erfolgreich gearbeitet. Diese "Leidenszeit" zahlte sich aber schon bald aus. Ich übernahm nach der Assistentenzeit eine Schadenabteilung, in der etwa fünfzig Mitarbeiter mit juristischem Schwerpunkt tätig waren. Schon zweieinhalb Jahre später wurde mir der Vorstandsbereich meines früheren Chefs anvertraut. Nun war ich heilfroh, dass ich den ganzen Bereich mit all seinen Abteilungen kannte.

Bild: Volker Hirsch

Wie sind die Berufschancen mit deinem Studium

Meine berufliche Entwicklung klingt wie eine "Traumkarriere", sie war es letztlich auch. Wichtig ist dabei aber der Hinweis, dass es auf dieser Wegstrecke viele "Ecken und Kanten", Enttäuschungen und (vorübergehend) unerfüllte Erwartungen gab. Von solchen und ähnlichen Erfahrungen haben später fast alle meine Kollegen berichtet. In diesen Phasen muss man sich durchbeißen und auf keinen Fall vorschnell aufgeben. Oft sind es unerwartete Zufälle oder glückliche Konstellationen, die dann zum Durchbruch verhelfen oder auch einzelne Personen, die einen fördern und weiter bringen, wenn man seinen Job trotz vorübergehendem "Durchhängen" ordentlich erledigt.

Was machst du genau in deinem Job?

Die Schilderung einer Vorstandstätigkeit dürfte diesen Rahmen hier sprengen. Wichtig für meinen Job waren gute Fachkenntnisse, die ich aus meiner früheren Tätigkeit mitbrachte und in den ersten Jahren im Hause verbreitern konnte. Fast noch wichtiger waren meine Lebenserfahrung, meine Kenntnisse im Umgang mit Menschen, gute Kommunikationsfähigkeit (läuft heute unter dem Begriff "soziale Kompetenz").

Was macht Dein Unternehmen und wie ist es dort zu arbeiten?

Siehe oben! Die Frankfurter Allianz hatte in Frankfurt bis 2005 etwa 2000 Mitarbeiter. In den von mir geleiteten Bereichen waren zwischen 300 und 700 Mitarbeiter tätig.

Was würdest du deinem jüngeren Ich raten?

Ich glaube, ich habe meine Gedanken dazu bereits formuliert. Meinem "jüngeren Ich" würde ich raten, sich in "Durchhängephasen" noch weniger verrückt zu machen und darauf zu vertrauen, dass bei ordentlicher Arbeit irgendwann die Chance zur Weiterentwicklung kommt.
Meine berufliche Entwicklung wäre heute - das sind etwa 30 Jahre nach der Weichenstellung in meinem Werdegang - ohne Auslandsaufenthalt (bei der Allianz oder bei anderen Großunternehmen auch anderer Branchen) nicht mehr möglich. Deshalb sind heute und künftig gute Sprachkenntnisse und Berufserfahrung im Ausland extrem wichtig.

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