Ann-Christine Ann-Christine, Diplom-Finanzwirtin, Finanzamt

Diplom-Finanzwirtin
bei Finanzamt

Ann-Christine Ann-Christine, Diplom-Finanzwirtin, Finanzamt

Diplom-Finanzwirtin, Finanzamt

Ann-Christine hat ein duales Studium zur Diplom-Finanzwirtin an der Steuerakademie gemacht. Die Mischung aus Theorie und Praxis hat ihr dabei sehr zugesagt und sie konnte so schon vorab einige spannende Erfahrungen sammeln. An ihrem aktuellen Job in der Arbeitnehmerrechtsbehelfsstelle beim Finanzamt machen ihr vor allem die abwechslungsreichen Fälle Spaß.

Deine Schulzeit

Was für ein Typ Schülerin warst du?

Gute bis sehr gute Noten, zielstrebig in Fächern mit Interesse, etwas fauler bei anderen Fächern (3-er Bereich). Ich wusste schon früh, was ich gut kann und was nicht (z.B. in Kunst abstrakt zeichnen). Das heißt, dass ich meist sehr zielstrebig und selbstbewusst an z.B. Aufgaben heranging - aber auch um meine Stärken und Schwächen wusste, sodass Risiken vorab abgewägt wurden. Eine meiner Schwächen war der Perfektionismus. Eine meiner Stärken der Durchhaltewille - auch wenn mir die Aufgaben nicht einfach fielen oder mir gar nicht lagen. Der Wille ist der Weg zum Ziel ! Ich bin schon sehr früh sehr selbstständig gewesen und habe meine eigenen Entscheidungen getroffen.

Was hast du nach deinem Schulabschluss gemacht?

Ich konnte leider nicht ins Ausland, da ich dual (Diplom-Finanzwirtin [Steuerakademie]) studiert habe. Dafür war ich aber eine 1 Woche in der Toskana während der Abiturferien nach den Prüfungen. Ich fand das Gefühl allein und selbstständig im Ausland zu sein toll. Insbesondere mich selbst zu verwirklichen i.S.v. ich kann mir das ansehen, was ich will wann ich will.
Das duale Studium selbst hat mich derart beeinflusst, dass ich noch früher selbstständig und unabhängig von meinen Eltern werden konnte, da ich gleich eigenes Geld verdient habe. Außerdem war gleich der Beginn mit einer eigenen Wohnung verbunden - ich mochte das Gefühl im Anschluss nicht missen und bin danach auch zu Hause ausgezogen. Ich würde es wieder machen, vermutlich allerdings mit einem anderen Studienfach ( wenn es Chemie oder Wirtschaftsingeneurwesen dual gäbe).

Deine Studienzeit - Das duale Studium

Bild: Berechnung

Was hast du studiert und wie kam es zu deiner Studienwahl?

Ich habe ein duales Studium gemacht, d.h. gleichzeitig studiert und Praxiserfahrung gesammelt. Die Praxiserfahrung konnte ich im örtlichen Finanzamt sammeln. Mich hat damals die Möglichkeit fasziniert neben Theorie gleich die Praxis zu erfahren, da ich selbst recht praktisch veranlagt bin. Außerdem hat es mir die Möglichkeit gegeben zu studieren, obwohl meine Eltern Vorbehalte gegen das Studieren (Kosten, Dauer, Schaffst du das?) hatten. Der große Vorteil eines dualen Studiums ist nämlich, dass Studiengebühren entfallen (bzw. trägt der Ausbildungsbetrieb) und gleich Geld verdient wird.

Aber natürlich muss man den Diplom-Finanzwirt nicht dual studieren - der Studiengang wird z.B. auch an FH's oder Uni's angeboten.

Was genau macht man im Studium?

In der Praxisphase werden verschiedene theoretische Kenntnisse aus verschiedenen Fächern wie z.B. Verfahrensrecht (Abgabenordnung), Einkommensteuer oder Körperschaftsteuerrecht umgesetzt. Dies bedeutet z.B. Steuererklärungen bearbeiten, Betriebe prüfen oder Einsprüche (Widerspruch gegen die Steuerfestsetzung) bearbeiten. Während der Praxis lernt man alle Bereiche eines Finanzamtes kennen.

Als Diplom-Finanzwirt studiert man Steuer- und Wirtschaftsrecht (z.B. Einkommensteuer, Umsatzsteuer oder Handelsgesetzbuch) aber auch spezielle Gesetze zu Unternehmensformen wie z.B. dem GmbH-Gesetz. Daneben beinhaltet das Studium noch weitere Rechtsgebiete wie öffentliches Recht (Staatsrecht (Grundgesetz), Europarecht) und bürgerliches Recht (Privatrecht) aber auch Teile von Betriebswirtschaftslehre (BWL) und Volkswirtschaftslehre (VWL) sowie Internationales Recht.

Am anspruchsvollsten ist das Fach "Besteuerung der Gesellschaft",da es viele Fächer (Bilanz, Einkommensteuer, Umsatzsteuer etc.) vereint.

Bild: Ann-Christine_Meier

In der Praxisphase gab es einiges Spannendes - z.B. der Vollziehungsbeamte, der die einzelnen Steuerschuldner aufsucht und die Steuerschulden bezahlen lässt. Für mich war da eine "Geldübergabe" auf einem belebten Supermarktparkplatz interessant - keiner sollte es wissen oder sehen, da der Schuldner unerkannt bleiben wollte. Ihm war es peinlich, seine Familie sollte nichts von seinen Schulden wissen. Deshalb erfolgte die Geldübergabe wie im Film zu einer bestimmten Uhrzeit an einem bestimmten Ort...
Ein weiterer interessanter Fall begegnete mir auch im Rahmen meiner Ausbildung bei einer Betriebsprüfung - ein Steuerpflichtiger wurde zum Steuerhinterzieher bei einem Beruf und einem guten Verdienst, wo man ihm das eigentlich nicht zugetraut hätte...

Mit welchen Erwartungen hast du damals dein Studium begonnen?

Es war irgendwie anders als erwartet, sehr intensiv, da kaum Zeit für Freizeit zu Beginn blieb. Ich habe auch den Stressfaktor unterschätzt - es ist besser, wenn man etwas "blauäugiger" ran geht. Aber man gewöhnte sich dran und es war gut, dass man kleine Gruppen (Hörsaal mit max. 30 Personen) hat. Unter den Fächern kann man sich als Schüler recht wenig vorstellen, ergo geht man da relativ entspannt ran. Einige Begriffe wie "Mehrwertsteuer" oder "Solidaritätszuschlag" und vielleicht "Mineralölsteuer" bei Benzin kannte man unter Umständen schon. Was das für Begriffe aber genau waren und wie die funktionierten, konnte ich erst teilweise durch das Studium verstehen.

Im Nachhinein: Welche Eigenschaften sollte man mitbringen?

Durchhaltevermögen - es kann stressig und aufwendig werden
logisches Denken und Vorlieben für z.B. Puzzle bzw. abstraktes Denken - Steuergesetze sind nicht immer logisch
gute Kommunikationsfähigkeit, da z.B. auch Bürgerkontakt dazu gehört (Telefon, schriftlich oder auch persönlich)

Dein Job als Diplom-Finanzwirtin heute

Bild: Ann-Christine_Meier

Wie kamst du zu deinem jetzigen Job?

Ich bin nach bestandener Laufbahnprüfung beim Finanzamt übernommen worden. Ich konnte damals (August 2013) einen Posten in der Arbeitnehmerrechtsbehelfsstelle besetzen. Für mich war der Posten in der Praxis sehr interessant und abwechslungsreich. Außerdem konnte ich das Wissen aus dem Studium gut umsetzten. Ein weiterer Pluspunkt an dieser Tätigkeit ist, dass selbst größtenteils eigenverantwortlich handeln kann, d.h. viele Entscheidungen selbst fällen darf. Außerdem bin ich recht unabhängig und kann mir z.B. die Fälle selbst einteilen, die ich als nächstes bearbeiten möchte.
Ich habe das duale Studium gleich nach dem Abi begonnen - für mich lag es in dem Bereich, was ich machen wollte. Ich habe verschiedene, vielfältige Interessen gehabt und damals auf dem Standpunkt gestanden ich möchte im späteren Leben etwas mit Politik/Wirtschaft und/oder Chemie zu tun haben. Insoweit konnte ich den Teil mit "Politik/Wirtschaft" irgendwie umsetzten.
Was mich damals auch zum dualem Studium im öffentlichen Dienst bewegt hat, sind die flexiblen Arbeitszeiten und die gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Nebenbei hatte ich das Glück in der Nähe meines Wohnortes bleiben zu können. Außerdem ist der finanzielle Anreiz und das Einstiegsgehalt danach auch ein Pluspunkt. Ich verdiene meiner Meinung nach für einen Berufseinsteiger schon ganz gut.

Wie sind die Berufschancen mit deinem Studium?

Gute Berufschancen, da viel Personalverlust (altersbedingt) bevorsteht. Der Personalverlust wurde zu lange nicht ordentlich nachbesetzt bzw. durch Azubis gedeckt.

Was macht Dein Unternehmen und wie ist es dort zu arbeiten?

mittel ( ca. 100 Beschäftigte), gutes Arbeitsumfeld, es ist noch hierarchisch geprägt, aber es läuft gut ;D. Das Finanzamt bearbeitet Steuererklärungen, Lohnsteueranträge, Umsatzsteuer- und Lohnsteuervoranmeldungen und gibt verschiedene Auskünfte zu z.B. elektronischen Verfahren. Es überwacht aber auch Zahlungen und Erstattungen.

Bild: Steuerformular

Was machst du genau in deinem Job?

Da ich Rechtsbehelfe (also Widersprüche gegen die Steuerfestsetzung) bearbeite, bin ich relativ unabhängig. Zur Zeit bearbeite ich diese auch allein. Zu den Arbeiten gehören einfachere Tätigkeiten wie das Ein- und Austragen der Einsprüche aus einer elektronischen Liste aber auch anspruchsvollere Aufgaben wie z.B. die Überprüfung der Festsetzung und ggf. Entscheidung über den Einspruch, die danach bloß noch per Klage vor Gericht anfechtbar ist. Bei der Arbeit kommt es drauf an, dass Fachwissen so präzise und verständlich wie möglich (auch für den Otto-Normal-Bürger) anzuwenden und um z.B. Entscheidungen zu formulieren. Die möglichen Entscheidungen können zu einer Abhilfe (der Bürger / das Unternehmen hat Recht) , Rücknahme (der Bürger / das Unternehmen zieht den Rechtsbehelf zurück) oder formalen Entscheidung (nur noch per Klage anfechtbar) des Einspruchs führen.

Die Arbeitszeiten sind flexibel. Ich arbeite i.d.R. von ca. 7-7:30 bis 16-17 Uhr.

Was findest du ist das Spannendste an deinem Job?

Die abwechslungsreichen Fälle, jeder Rechtsbehelf ist anders und die Praxis ist anders als die Theorie. Was ich auch interessant finde ist, wie teilweise die Gerichte unterschiedlich entscheiden oder was z.B. Fachliteratur zur Gesetzesauslegung aussagt, da die Gesetze nur allgemein gehalten sind. D.h. jeder Fall muss dahingehend überprüft werden, ob und wie das Gesetz auf diesen Einzelfall angewendet werden kann.

War der Job auf deinen Studiengang zugeschnitten?

Der Studiengang führt zur (fast) universellen Verwendung in den unterschiedlichen Arbeitsbereichen

Was würdest du deinem jüngeren Ich raten?

Ich hätte vorab gerne Auslandserfahrung gesammelt. Im duales Studium oder später ist dies nicht so einfach möglich.
Ich würde meinem jüngeren Ich außerdem raten: Mehr Mut dich zu trauen und deinen eigenen Weg zu gehen!

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