Die Schulzeit

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Was für ein Typ Schüler warst du?

Eher mäßig. Ich habe mich ziemlich gelangweilt. In meinem Zeugnis stand der Standardsatz: „Silke ist häufig abgelenkt“. Was ich bis heute nicht verstehe: warum werden 4 Unterrichtsstunden für ein Thema angesetzt, das in 10 Minuten erklärt ist?

Was hast du nach deinem Abitur gemacht?

Ich habe mich an der Uni Hamburg für BWL eingeschrieben und bin dann auch gleich gestartet. Klar, es ist schön, was man heute so macht, erst mal ins Ausland, FSJ etc. pp. Hätte ich auch gerne gemacht. Aber meine Bemühungen, nach Neuseeland (mein Traumland) zu gehen und dort Geld zu verdienen, haben leider nicht funktioniert. Vielleicht lag es daran, dass ich in schlechtem Schulenglisch die Bewerbungen geschrieben habe. Oder einfach daran, dass so etwas wie Auslandsaufenthalte zu der Zeit noch gar nicht so richtig „in“ waren – anders als heute mit den ganzen Initiativen, die sich auf Auslandsstudium oder „Work & Travel“ spezialisiert haben.

Die Studienzeit - Was hast du studiert und wie kam es zu deiner Studienwahl?

Ich habe BWL studiert, ganz klassisch, an der Uni in Hamburg. Der damalige Abschluss hieß „Diplom-Kaufmann“, vergleichbar mit dem heutigen „Master“. Ich habe das Studium aufgenommen weil ich a) nicht wusste, was ich überhaupt machen will, b) unbedingt studieren wollte, c) in Hamburg studieren musste (wegen der Finanzen) und mein Traum an der Hochschule für Grafikdesign bereits in der Bewerbungsphase bitter geplatzt war. Also beschloss ich, mich aus der kaufmännischen Sicht an das Marketing „ranzurobben“.

Ob ich es wieder machen würde? Ja und Nein. Ich bin sicherlich eher ein kreativ-strategisch denkender Mensch. Mit Mathe habe ich nicht sooo viel am Hut. Zu meiner Persönlichkeit passte das Studium nicht. Zu meiner jetzigen Lebensweise aber schon. Ich bin selbst Firmeninhaberin und ohne BWL wäre das wirklich schwierig. Und ich wäre wahrscheinlich auch kein guter Künstler geworden. Dafür mag ich, ganz ehrlich, Konsum in Form von Reisen oder netten Dingen zu gern, als dass ich zum Wohle meiner künstlerischen Freiheit gerne darauf verzichtet hätte. Und meine Kinder will ich auch gut versorgen. Heute stehen meine Kinder selbst vor der Entscheidung, was sie nach der Schule machen sollen. Ich empfehle : lerne und mach,´ was Deine Leidenschaft ist. Hast Du keine bestimmte Leidenschaft, dann wähle ein Generalistenstudium (BWL, Jura, Medizin, was auch immer) und stelle Dich breit auf. Die Zukunft wird Dir zeigen, was Dein Spezialgebiet sein wird. Bei mir ist es der Bereich Marketing und Personal.

Was macht man im Studium?

In BWL versteckt sich viel Mathe in Fächern Statistik, Preisberechnungen, Stochastik, Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Kostenrechnung, Buchhaltung etc. pp. Ich habe mir das Ganze etwas versüßt mit Fächern wie Personalmanagement und Marketing, Recht und Psychologie.

Im Ausland war ich nicht. Wovon? Mit umgerechnet 4 Euro Stundenlohn beim nächtlichen Regaleauffüllen im Supermarkt? Diese studienbegleitenden Jobs sind übrigens dennoch sehr wertvoll. Man braucht nicht unbedingt ins Ausland, wenn man Menschen aus anderen Nationen und anderen Gedanken und Lebensläufen kennen lernen möchte. Sie leben nämlich direkt nebenan. Man lernt sie kennen, wenn man mal am Fließband sitzt. Oder Eis verkauft. Oder auf der Messe jobbt. Für mich gibt es einen wichtigen Satz, dem ich sehr viel Wahrheit zuspreche: Wer führen will, muss folgen können. Mit anderen Worten: wer sich selbst nicht zu schade ist, verschiedene Tätigkeiten zu verrichten und erlebt hat wie es ist, Vorschriften und auch Kritik zu bekommen, ist für spätere Führungstätigkeiten schon ganz gut vorbereitet.

Mit welchen Erwartungen hast du damals dein Studium begonnen?

Ich hatte keine Erwartungen, schlimmer noch, gar keine Ahnung. In der Schule wurde ja nichts, aber auch gar nichts zum Thema Wirtschaft vermittelt. Begriffe wie „Erlöse, Erträge, Gewinne, Kosten, Preisdifferenzierung und Produktdiversifikation schwirrten umher– häh?“ Am Anfang saß ich in den Vorlesungen und dachte, ich sei im falschen Film. Ich habe dadurch bestimmt 2 Jahre gebraucht, zu kapieren, worum es eigentlich geht. Daher empfehle ich jedem vorher: informiert Euch, geht hin, vor Ort, sprecht mit den Leuten, mit Ehemaligen, mit Professoren, setzt Euch in eine Vorlesung rein, schaut ins Internet. Sicherlich mit eine Motivation, warum wir mit unserer Firma die Nächte der Bildung ins Leben gerufen haben – wenn es auch nur einem Menschen diese Erfahrung erspart, hat es sich gelohnt.

Der Job - Was ist deine Jobbezeichnung?

Ups, schwierig, ich habe viele Berufe. Als Bezeichnung würde ich sagen: Personal- und Organisationsentwickler. Daraus haben sich viele meiner anderen Berufe entwickelt: Trainer und Coach, Gründungsberaterin, Autorin für Fachpublikationen im Bereich Personalmanagement, Firmeninhaberin (da ist man vom Buchhalter über Key Accounter bis zum Geschäftsführer ja sowieso alles gleichzeitig), Lehrbeauftragte an Universitäten, Dozentin, und geschäftsführende Gesellschafterin einer Marketingagentur und Eventmanagerin.

Wie kamst du zu deinem jetzigen Job?

Nach dem Studium wollte ich Geld für Neuseeland verdienen (s.o.). Dann hat mich die Firma aber übernommen als PR-Assistentin, und da ich ja in den Marketingbereich wollte (s.o.) habe ich das Angebot auch gleich angenommen. Es ergab sich die Gelegenheit, PR-Fachleute auszubilden, so rutschte ich in den Bildungsmarkt. Ich habe mich recht jung selbständig gemacht und war dann Trainerin und Dozentin in der Erwachsenenbildung. Darauf folgte die Anstellung als Stabsstelle zum Kaufmännischen Direktor des Universitäts-Klinikums Hamburg-Eppendorf. Ich hatte hier die Aufgabe, die strategische und operative Personal- und Organisationsentwicklung aufzubauen. Eine umfassende, spannende und immer neue Tätigkeit, der ich auch 15 Jahre meines Lebens treu blieb. Anschließend machte ich mich selbständig – zunächst mit einer Firma für Training, Coaching, Lehre und dann zusätzlich mit einer Werbe- und Marketingagentur, die sich auf den Bildungsbereich spezialisiert hat.

Was macht Dein Unternehmen und wie ist es dort zu arbeiten?

Ich habe 2 Firmen gegründet. Und ich finde es toll, dort zu arbeiten, wär´ja auch schlimm, wenn nicht. Ich kann selbständig entscheiden und muss mich nicht über 100 Hierarchien abstimmen. Ich kann meine Kreativität einbringen, ich kann ständig Neues entwickeln und umsetzen – keiner hindert mich daran. Ich habe so unglaublich viel gelernt, u.a. auch das „Verkaufen“, wovor mich zunächst graute. Als ich aber sah, dass Verkaufen kein Aufdrängen, sondern das Anbieten eines guten Produktes ist, merkte ich, wie toll es ist, wenn man a) eine Idee hat, b) diese entwickelt, c) andere von der Idee profitieren und ich d) auch noch etwas damit verdienen kann.

Ich hoffe, meine Mitarbeiter empfinden es ähnlich. Wir haben sehr flexible Arbeitszeiten und –orte. Wir sind alle sehr verschieden und ergänzen uns hervorragend. Kein Tag ist wie der Andere.

Was machst du genau in deinem Job?

a.) Wie läuft ein normale Arbeitstag für dich ab?

Ich tue eigentlich Alles. Führen, designen, Seminare vorbereiten und umsetzen, Vorträge und Vorlesungen halten, Events organisieren, Presseartikel schreiben, Menschen zusammenbringen, Ideen entwickeln und wieder verwerfen oder umsetzen, Zahlen bewegen, Kunden gewinnen, lachen, freuen und auch mal enttäuscht werden.

b.) Was findest du ist das Spannendste an deinem Job?

  1. Ich weiß nie, wie der nächste Tag wird. Jeder Tag ist anders.
  2. Mit dem, was ich weiß, kann ich andere Menschen (wenn Sie wollen) in ihrem Leben weiterbringen. Wenn zum Beispiel jemand durch mein Coaching seine Firma besser aufstellt. Oder ein Ziel für seinen beruflichen Weg findet. Oder neues Wissen mit nach Hause nimmt.
  3. Mit neuen Ideen Unruhe schaffen. Ich mag es, aufzubauen, Neues zu schaffen,– Menschen und Ideen und Firmen. Ich mag es, wenn sich durch meine Seminare in den Köpfen etwas bewegt. Wenn sich durch eine Geschäftsidee etwas Gutes entwickelt.

c.) War der Job auf deinen Studiengang/ zugeschnitten oder kann man auch etwas anderes machen, um in deinem Bereich tätig zu werden?

Wenn man den Abschluss hat, den ich habe, kann man ja viel damit anfangen. Zugeschnitten ist gar nichts. Das muss man selbst in die Hand nehmen. Schauen, wo es Chancen gibt, Fehler nicht wiederholen. Ausprobieren und schauen, ob es einem gefällt. Was das Studium gebracht hat? Bei der Antwort muss man differenzieren. Das, was ich aus dem Studium mitgenommen habe: strategisch-komplexes Denken und Arbeiten, analytisch zu sein, wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen: ja. Die Inhalte selbst: waren weniger praxisrelevant.

Was würdest du deinem jüngeren Ich raten?

Silke, vertraue mehr auf Dich selbst. Sieh´ Deine Potenziale und hadere nicht mit dem, worin Du nicht so gut bist. Bleibe immer authentisch. Und fahr´endlich nach Neuseeland.