Rosemarie Benke-Bursian Rosemarie Benke-Bursian, Freiberufliche Autorin und (Wissenschafts)Journalistin

Freiberufliche Autorin und (Wissenschafts)Journalistin

Rosemarie Benke-Bursian Rosemarie Benke-Bursian, Freiberufliche Autorin und (Wissenschafts)Journalistin

Freiberufliche Autorin und (Wissenschafts)Journalistin

Was muss man studieren um Wissenschaftsjournalistin zu werden? Rosemarie wollte schon als 10-Jährige Biologie studieren und hat sich davon auch durch den damals hohen NC nicht abbringen lassen. Nach Studium und Promotion erkannte sie jedoch, dass ihr die Forschung nicht das bot, was sie gerne wollte. Wie sie den Schwenk zum Journalismus hinbekommen hat und was man genau im Biologiestudium macht, lest ihr hier.

Deine Schulzeit

Was für ein Typ Schülerin warst du?

Diese Frage kann ich gar nicht einheitlich beantworten, vielmehr kann man mich zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlichen Schultypen zuordnen.
Die Grundschule fiel mir leicht, ich habe immer gerne und viel gelesen, war neugierig und was ich mal verstanden hatte, konnte ich auch gut wieder abrufen.
Was ich nie mochte: Reines Pauken. Für die typischen Lernfächer wie Geschichte, Erdkunde und Co. eine schlechte Voraussetzung. Doch wenn mich ein Thema interessierte, konnte ich mich auch in diese Fächer reinknien und Ehrgeiz entwickeln. So hielt ich mal einen Vortrag zu Alexander den Großen, der meinen Lehrer so begeisterte, dass ich fast die ganze Stunde damit bestritt.Sprachen machten mir zwar grundsätzlich Spaß, doch zum Vokabel-Lernen hatte ich meist weniger Lust.

Und so kam es, dass ich in meiner Schulzeit zu manchen Zeiten in manchen Fächern zu den besten Schülerinnen gehörte, zu anderen Zeiten zu den mittelmäßigen oder schlechten, zumal ich als Teenager dann oft andere Interessen als die Schule hatte. Diverse Umzüge über Bundeslandgrenzen hinweg machten mir mein Schulleben auch nicht einfacher.

Naturwissenschaften waren allerdings zu jeder Zeit meine Lieblingsfächer. Dazu kamen Sport und Mathematik. Und schon als 10jährige hatte ich den Plan Naturwissenschaften bzw. Biologie zu studieren.

Was hast du nach deinem Schulabschluss gemacht?
Nach der Schule hat es mich direkt auf die Hochschule gedrängt. Ich wusste ja, was ich studieren wollte. Allerdings musste ich wegen des damaligen Numerus Clausus in Biologie zwei Jahre auf meine Studienplatz warten. Zunächst habe ich diese Zeit mit einem Chemiestudium überbrückt, doch als klar wurde, dass dies nicht als Wartezeit gelten würde, habe ich ein Jahr lang in einem Fotolabor assistiert.
Die Zeit im Fotolabor war eine ausgesprochen spannende Zeit, denn weil von vorneherein klar war, dass ich für ein ganzes Jahr kam, wurde ich in viele Arbeitstechniken eingewiesen, welche die anderen Praktikanten, die nur Wochen bis ein paar Monate blieben, nicht kennen lernen konnten. Nach kurzer Zeit wurde ich bereits in das Fach-Fotolabor für Fotografen-Fotos versetzt, in dem die Fotos noch fast per "Handarbeit" hergestellt wurden, um aus jedem Foto das Optimum herauszuholen - das heißt die Spezial-Entwicklungsmaschinen wurden individuell von Hand bezüglich Belichtung und Farbeinstellung korrigiert.
Davon profitierte ich später noch im Studium, wo ich dann so manches Foto in der Dunkelkammer komplett selbst herstellen konnte.

Du hast Biologie studiert, wie kam es dazu?

Bild: Dr. Benke-Bursian

Was hast du studiert und wie kam es zu deiner Studienwahl?

Für das Biologiestudium hatte ich mich - wie erwähnt - schon als 10jährige entschieden und kam damit auch nie wirklich ins Wanken. Was sich änderte, war die jeweilige Ausrichtung.
Als Kind sah ich mich als Tierforscherin fremde Länder bereisen und exotische Tiere beobachten, deren Leben ich dann realistisch darstellen wollte: in Wort, Bild und vielleicht sogar Film.
Dabei hatte ich einen besonderen Faible für Tiere, die andere weniger mochten: Wölfe, Schlangen und Spinnen.

Noch während meiner Gymnasialzeit packten mich aber auch andere Themen, je nachdem, worüber ich gerade etwas Spannendes las / lernte: Evolution, Gehirnforschung, Zellbiologie, Immunologie und Genetik. Ich war fasziniert vom chemischen und physikalischen Unterbau biologischer Lebensvorgänge und begann mich mehr und mehr auch für die "Störfälle" zu interessieren, ohne dass ich nun aber Medizin studieren wollte, denn mich interessierte nicht die Therapie, sondern, was, wie und warum da anders bzw. falsch lief.
Zu Beginn meines Studiums war mein Ziel, Genetik als Schwerpunkt zu studieren und in die Krebsforschung zu gehen.
Nicht zuletzt deshalb wählte ich als Studienort Heidelberg aus. Denn dort wurde Genetik groß geschrieben, gab es mit EMBL und Molekularbiologischen Institut genau die Ausrichtungen, die mir vorschwebten. Und dort steht das Deutsche Krebsforschungszentrum in unmittelbarer Nachbarschaft der naturwissenschaftlichen Institute. Dazu kam, dass ich bereits einige Studenten dort kannte und die Stadt mir total gut gefiel.
Einen besseren Studienort konnte ich mir gar nicht wünschen und ich war sehr glücklich, dass das im Wesentlichen so geklappt hat. Lediglich ein Semester war ich in Tübingen.

Was genau macht man im Studium?

Bei meinen Interessen kam nur der Diplomstudiengang in Frage, auch wenn mich manche zum Lehramt "überreden" wollten, denn für Diplom-Biologen sahen die Berufs-Aussichten schlecht aus.

Das Diplomstudium bestand aus einem Grund- und einem Hauptstudium. Die Fächerkombination im Grundstudium war relativ starr festgelegt: Als Schwerpunkte standen die klassischen Biologiefächer - Zoologie und Botanik - in form von Vorlesungen, Praktika Exkursionen und Seminaren auf dem Programm. Ein paar Freiheiten gab es bei der Wahl der Seminare und Exkursionen und natürlich stand es einem offen mehr als das Pflichtprogramm zu belegen.
Im Diplomstudiengang hatte ich zudem Mathematik für Naturwissenschaftler und zwei naturwissenschaftliche Nebenfächer, in denen ich ebenfalls Scheine in Seminaren und Praktika erwerben musste: Chemie und ein Wahlfach, wobei ich mich für Physik entschied. Damit gehörte auch Biochemie, physikalische Chemie und physikalisches Rechnen zu meinem Programm. Die Scheine erwarb man über bestandene Klausuren, dem Lösen von (Rechen)Aufgaben, über Referate und praktischem bzw. experimentellem Arbeiten.
Mach dem Erwerb der Pflichtscheine konnte man sich zum Vordiplom anmelden, mit dem Vordiplom zu den Kursen des Hauptstudienganges und mit den Scheinen daraus zur Diplomprüfung. Im Hauptstudium musste man Schwerpunkte legen, am besten die, die man im Diplom als Prüfungsfächer auswählen wollte. Bei mir waren das Genetik und Mikrobiologie als Hauptfächer und Biochemie und Chemie als Nebenfächer.

Schwer bzw. anspruchsvoll waren die vielen "Hausaufgaben", die man nach der Uni noch zu erledigen hatte. Hier das Protokoll zum Praktikum anfertigen, das termingerecht abgegeben werden musste, um den Schein zu erlangen, dort jede Menge Aufgaben berechnen: Für Mathematik, für physikalisches Rechnen u.a.m. Die Aufgaben mussten in den Übungsseminaren von den Studenten vorgerechnet und erklärt werden. Jeder kam mindestens einmal dran. Wer sich drückte erhielt den Schein nicht. Für das Physikpraktikum musste man jeden Versuch gut vorbereiten, denn man konnte jederzeit vor der Durchführung und während des Versuchs, umfassend zum theoretischen Hintergrund befragt werden. Wer nicht vorbereitet war, durfte den Versuche nicht bzw. nicht zu Ende durchführen, musste sich um einen Ersatztermin bemühen, denn den Schein erhielt man erst, wenn alles Aufgaben vollständig durchgeführt waren. Vollständig hieß auch, dass man die Messdaten nach Ende eines Versuchs - der ungefähr 2 Stunden dauerte - auswertete. Und das hieß ebenfalls Rechnen, wobei allein die Fehlerrechnung oftmals den größten Umfang hatte und über 2-3 Seiten gehen konnte.
Dazu kamen die Referate und das Nacharbeiten von Vorlesungen etc. So hatte man immer viel zu tun und wenig Freizeit.

Bild: Biology

Ein Auslandssemester habe ich nicht beantragt, ich wollte nicht noch mehr Zeit verlieren, und es war schon so schwer, in der Regelstudienzeit fertig zu werden. Ich hätte noch mal ein ganzes Jahr verloren, da das Studium in Studienjahre aufgeteilt war, d.h. der Stoff des 1. und 3. Semesters wurde nur im Winter angeboten, der vom 2. und 4. nur im Sommer.
Schon mein Semester in Tübingen zwang mich, die 4 Semester in Heidelberg in 3 zu schaffen, da Tübingen einen komplett anderen Aufbau hatte. So musste ich in Heidelberg im 3. Semester das 1. nachholen, also zwei Semester parallel abwickeln. Das war die härteste Zeit für mich überhaupt. Das schaffte ich nur, weil ich hartnäckig um Plätze in Seminaren kämpfte, um Anrechnung einiger Seminare aus Tübingen und dadurch, dass ich einen Praktikumstag auf den Samstag legen konnte.

Das Studium führte insgesamt gut in die Praxis ein, denn durch die Exkursionen, den Praktika, den Referaten und Spezialkursen, ist man immer sehr nah an der aktuellen Forschung und lernt eine Vielzahl an Techniken, die man später benötigt.
Außerdem habe ich - wie viele - ab dem 4. Semester eine Hiwi-Stelle angenommen, um Geld zu verdienen, was bedeutete, dass man Praktika begleitete oder bei Forschungsaufträgen assistierte.

Das Hauptstudium verlief schon wesentlich entspannter, da machte ich auch viele zusätzliche Scheine, rein aus Interesse. Die viele Rechnerei in Physik, Mathe und Co. waren mit dem bestandenen Vordiplom auch erledigt. Physik begegnete mir ab da nur noch in Zusammenhang mit konkreten Fragen aus der Biologie.
Spannend war für mich im Grunde neben dem Stress jedes Fach, denn ich war immer noch wirklich neugierig auf die Naturwissenschaften und das, was ich da lernte.

Besonders aufregend bis verrückt war ein Tauchlehrgang als Vorbereitung für eine Tauchexkursion (an der ich später dann doch nicht teilnehmen konnte). Unser Tauchlehrer nahm uns dabei besonders hart ran, überraschte uns immer wieder mit plötzlichen "Überfällen" unter Wasser. Sei es, dass er von der Seite kam und einem die Brille von der Nase riss oder dass man zwischen seinen Beinen durchtauchen musste und er die mal schnell so zusammendrückte, dass man feststeckte. So wollte er uns auf mögliche Stresssituationen unter Wasser vorbereiten, denn er hatte bereits einige Unfälle miterlebt.
Mir hat das den Spaß am Tauchen nicht ausgetrieben, ich habe das später weiter als Rettungstaucher bei der DLRG ausgeübt.

Auch wenn ich eigentlich kaum Zeit hatte, war die Studienzeit eine sehr schöne Zeit, in der ich doch immer wieder was mit Freunden unternahm, neben dem Tauchen, ein bisschen Tennis lernte, zum Skifahren ging und trotz klammer Kasse viel Spaß hatte.

Mit welchen Erwartungen hast du damals dein Studium begonnen? Haben sich diese bewahrheitet?

Als ich mit dem Biologiestudium begann, war ich ganz gut vorbereitet, denn ich hatte über andere Studenten und meine zwei Semester Chemie bereits einen ganz guten Einblick in das Studentenleben bekommen.
Vor allem war mir klar, wie zeitintensiv ein naturwissenschaftliches Studium war und das war gut so, denn genau darauf waren viele meiner Kommilitonen nicht vorbereitet.
Worauf ich allerdings nicht vorbereitet war, dass die meisten Veranstaltungen total überfüllt waren. Nicht auf Vorlesungen, bei denen ich vor der Tür stand, weil drinnen kein Platz mehr war, nicht auf Seminare und Kurse, zu denen nur ca. ein Drittel der Interessenten einen Zugang erhielten und nicht darauf, dass man selbst um Praktika-Plätze kämpfen musste, deren Teilnahme andererseits Pflicht war. So konnte man einen noch so einen klugen Stundenplan erdacht haben, man musste am Ende dann oftmals doch nehmen, was man bekommen konnte. Und man musste viel Kurse und Praktika in den Semesterferien durchführen, weil dazu während des Semesters keine Zeit war. Meine ersten richtigen Semesterferien, in denen ich auch verreiste, konnte ich erst nach dem Vordiplom nehmen.
Dabei hatte ich sogar noch Glück, denn meine Ausrichtung auf Biochemie, Zellbiologie und Genetik war unter den Biologen weniger gefragt, die Konkurrenz um Plätze oft weniger hoch. Andererseits brachte mir das das dicke Fell, die Hartnäckigkeit und Überzeugungskraft ein, die mir später im Berufsleben dann so manchen Erfolg sicherten.

Du hast im Anschluss noch promoviert?

Was hast du nach deinem Diplom gemacht?

Nach dem Diplom habe ich promoviert und zwar direkt im Anschluss an meine Diplomarbeit. Schon meine Diplomarbeit habe ich am Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ) durchgeführt und für die Promotion wechselte ich lediglich die Abteilung: von der Zellbiologie in die Immunologie. Dabei habe ich mich jeweils auf einen Forschungsauftrag beworben, der eine als halbe HiWi-Stelle (wissenschaftliche Hilfskraft) vergütet wurde.

Wie genau lief deine Promotion ab??

Mein Promotionsstudium verlief komplett anders als das Diplomstudium: Keine Vorlesungen, Seminare oder Praktika an der Uni mehr, dafür ein eigenständiges Forschungsprojekt, dass ich selbstbestimmt durchführen musste. Ich war in den Forschungsbetrieb der immunologischen Abteilung eingebunden, hatte dafür einen eigenen Schreibtisch im Institut. Laborplatz und die anderen Geräte, wie Mikroskope, Zentrifugen, Abzüge u.v.a musste ich aber schon mit anderen teilen. Das hieß, zur Versuchsplanung gehörte neben dem genauen Ablauf auch die Absprache über Laborplatz und Geräte, damit die dann auch frei waren.
Da ich mit lebenden Zellen arbeitete, musste ich auch noch deren Züchtung auf abstimmen. So konnte es passieren, dass ich abends und am Wochenende arbeiten musste, einen Versuch neu ansetzen, weil die Zellen nicht so waren wie sie sollten, dass ich mal Leerlauf hatte oder aber einige Versuche gleichzeitig.

Ich lernte neue Techniken und Methoden an anderen Instituten, musste dafür auch mal ein paar Tage verreisen und nahm an Kongressen in Hamburg, Berlin und Budapest teil.
Einige meiner elektronenmikroskopischen Fotos wurden in Fachzeitschriften veröffentlicht, eines schaffte es sogar auf die Titelseite und einige wurden zu einer Fortbildungsmappe für Schulen verwendet.
Dass meine Fotos so angesehen waren, hatte auch mit meiner Zwischenstation im Fotolabor zu tun, in dem unter anderem auch mein „Fotoblick“ geschult worden war.

Teile meiner Forschungsergebnisse wurden bereits während meiner Promotion veröffentlicht. Das hatte den Vorteil, dass ich bei meiner Promotionsarbeit auf eine selbst finanzierte Veröffentlichung verzichten konnte und nur noch Pflichtexemplare der Promotionsarbeit drucken lassen musste.
Mein Promotionsstudium war also die Arbeit einer Wissenschaftlerin nicht die eines Studenten an der Uni.

Dein Job heute als Freiberufliche Autorin und (Wissenschafts)Journalistin

Bild: Dr. Benke-Bursian

Wie kamst du zu deinem jetzigen Job/Wie ist dein Werdegang?

Auf den ersten Blick hat mein heutiger Job nicht viel mit meinem Studium zu tun. Doch ohne mein Studium wäre ich nicht da, wo ich jetzt stehe.

Geplant hatte ich diesen Werdegang nicht, vielmehr bin ich mehr oder weniger da hinein gestolpert. Als mir klar wurde, dass die Forschung mir nicht das bietet, was ich gerne wollte: Die Möglichkeit mich langfristig an einem Thema festzubeißen, denn für ca. 80 Prozent der Biologen gab es nur Zeitstellen, die einen permanenten Wechsel von Arbeitsplätzen inklusive Umzug und Neuorientierung bedeuteten.
Zum ersten Mal in meinem Leben suchte ich ernsthaft nach einer Alternative.
Durch Zufall fand ich zur Überbrückung bis zur Poromotionsprüfung einen Job in einem Marktforschungsinstitut. So baute ich mir eine gedankliche die erste Brücke in die Industrie. War es Zufall oder Glück? Jedenfalls fand ich eine Firma, die im Bereich Marketing einen Naturwissenschaftler suchte, um das Marketing wissenschaftlich zu unterstützen. Das konnte ich mir gut vorstellen und so begann meine zweite Karriere in der Industrie als wissenschaftlicher Produkt- und Projektmanager für pharmazeutische Produkte, Schwerpunkt Naturheilmittel. Meine rasante Zweitausbildung erfolgte über "Learning bei Doing" unterstützt von zahlreichen Fortbildungskursen: Produktmanagement, Rhetorik, Präsentationstechniken, Pharmamarkt, Arzneimittelrecht, Moderationstraining, Zielplanung, Kommunikationstraining, Palliation, Schmerztherapie, Naturheilkunde u.a.m.
Ich arbeitete Studien aus, fuhr zu Ärztekongressen, betrieb Marktforschung, arbeitete mit der Zulassung zusammen, erstellte Konzepte für Neuzulassungen, war in Fortbildung tätig, schrieb Fachbroschüren, Artikel für Zeitschriften und Pressemitteilungen. Denn auch Schreiben war schon immer Meins gewesen.

Der nächste Schnitt kam gut fünf Jahre später mit der Geburt meines Sohnes. Da meine Arbeit bedeutete, dass ich oft spät nach Hause kam, tagelang unterwegs war und auch zu Hause noch arbeitete, nahm ich nach dem Mutterschutz drei Jahre Erziehungsurlaub.In dieser Zeit intensivierte ich das Schreiben, denn schon als Kind hatte ich gerne Geschichten geschrieben, eine Leidenschaft, die mich nie ganz losgelassen hat. Sogar während meiner Promotion hatte ich in freien Stunden an einer Art Fantasyroman geschrieben. Ein Jahr nach der Geburt meines Sohnes erhielt ich die Option von zu Hause aus für eine medizinische Fachzeitschrift zu schreiben. Aber nur weil ich promovierte Biologin war, die neben vier Jahren Erfahrung in der Krebsforschung und medizinischen Kenntnissen über die Pharmaindustrie bereits guten Kontakt zum betreffenden Verlag hatte - unter anderem meiner Artikel, die ich schon geschrieben hatte.

So begann meine dritte „Karriere“ als freiberufliche Autorin.
Es folgten Aufträge für Fachbroschüren, Katalogtexte, Patienteninformationen, Fortbildungskonzepte u.a.m aus der Industrie und von der Uni. Ich wurde in die Kartei einer Agentur aufgenommen, die Sachbücher für diverse Verlage erstellt, hielt für eine andere Organisation Vorträge zur Patientenaufklärung. und bestückte als Medizinjournalistin eine Datenbank für Ärzte mit den Ergebnissen über neueste Studien aus der Krebsforschung, die ich selbstständig recherchierte.
Daneben schrieb ich an kleinen Geschichten, die ich an Zeitschriften, Anthologien und zu Wettbewerben schickte. Mein erster veröffentlichter Minikrimi und ein Sonderpreis für eine Kindergeschichte spornten mich an, auch diesen Bereich beruflich weiter auszubauen.

Mein Studium, meine Fachkenntnisse aus Natur, Medizin aber auch die aus dem Marketingbereich sind dabei die notwendigen Stützen, die es mir möglich machen, mich so breit aufzustellen, dass ich vom Schreiben und den Projekten drumherum leben kann.

Wie sind die Berufschancen mit deinem Studium/deiner Ausbildung und wie schwierig ist es deinen momentanen Job zu bekommen?

In meinem oben geschilderten Werdegang habe ich schon viel dazu gesagt. Auch über die Berufschancen als Biologin, selbst mit Promotion. Wer sich auf Zeitstellen einlassen kann, hat sicherlich auch gute Chancen in der Forschung bzw. an der Uni einen Platz zu bekommen, wobei man bei mir immer auch sehr auf die Noten geschielt hat. Ich weiß, dass ich mindestens ein Angebot nur erhalten habe, weil ich meine Prüfungen so gut abgeschlossen habe. Und auch beim DKFZ haben sie sich die Studenten aussuchen können, was wiederum ein besseres Sprungbrett für eine Post-Doc Stelle war, als wenn man von der Uni kam.
Es kam aber immer auch darauf an, in welchen Bereichen man sich spezialisiert hatte, dass dürfte heute kaum anders sein.
Möglichkeiten bieten neben der Industrie, so wie ich es gewählt habe, aber auch diverse andere Institute und Organisationen. Biologen können im Umweltschutz, in der Planung von Grünanlagen und botanischen Gärten ebenso unterkommen, wie in Museen, im Zoo, in der Politik, bei der Kriminaltechnik und als Patentanwalt.
Auch ein Quereinstieg in den Computerbereich ist möglich und vermutlich gibt es noch mehr Möglichkeiten.
An und für sich sind die MINT-Fächer alle wieder gefragt, so dass es nicht so sehr die Frage ist ob, sondern eher wo man unterkommen kann.
Die eigenen Neigungen sind sicher gute Wegweiser, denn das sind die Gebiete, in denen man üblicherweise die besten Erfolge erzielt.
Mein Werdegang zeigt jedoch, dass man durchaus nicht gradlinig gehen muss und sein persönliches Ziel gerne mal auf Umwegen erreicht, denn ich habe mit dem, was ich heute mache, tatsächlich mein persönliches Ziel erreicht, kann all das, was mir Freude macht auf geniale Weise miteinander verbinden.

Meine heutige Position ist die der freiberuflichen Autorin und Journalistin.
Dazu muss man auf jeden Fall viel Freude am Schreiben mitbringen, denn wer sich als freiberuflicher Autor etablieren möchte, geht meist einen steinigen Weg, der noch dazu eher schlecht bezahlt ist. Dazu kommt ein gewisses Talent und die Bereitschaft sein Handwerk beständig weiterzuentwickeln.
Auch als freiberuflicher Journalist wird man nicht mit Aufträgen überschüttet, die meisten Journalisten gehen den klassischen Weg und haben eine feste Anstellung.
Allein vom Schreiben können nur ca. 5 Prozent aller Autoren leben. Es braucht also zumindest zu Beginn weitere Tätigkeiten, welche das Auskommen sichern, oder ein dickes finanzielles Polster oder einen Partner, der das Familieneinkommen sichert, es sei denn man schreibt gleich einen Bestseller.

Mein Werdegang als Biologin mit Kenntnissen in Medizin und Marketing haben es für mich leichter gemacht, denn dadurch stehen mir Wege offen, die andere nicht haben.
Durch meinen Werdegang habe ich die Möglichkeit auch wissenschaftlich / fachlich zu schreiben. Als Journalistin kann ich mit kleineren Aufträge zeitliche Lücken füllen. Meine Erfahrungen im Marketingbereich helfen mir, mich zu positionieren und Geld zu sparen, weil ich manches selbst erledigen kann. Das heißt ich kann mich insgesamt breiter aufstellen, muss nicht von meinen Geschichten leben, kann sie aber natürlich in meine Gesamttätigkeit als Autorin und Journalistin mit einbinden und nutzen, um mir weitere Tätigkeitsfelder zu eröffnen, wie z.B. für Lesungen und den Aufbau meiner Schreibwerkstätten.

Die größte Hürde, diesen Weg zu gehen, war für der Sprung in die finanzielle Unsicherheit. Dazu braucht es Mut und am besten ein paar Reserven - man sollte wenigstens ein halbes Jahr überbrücken können.
Zum Glück hatte ich in der Zeit der Industrie so gut verdient, dass ein Grundstein für ein finanzielle Polster bereits gelegt war.
Ich habe mir ein Jahr gegeben, es zumindest zu versuchen. Alternativ hätte ich mich wieder auf einen Job in der Industrie beworben, auch als Pharmareferent.
In dem Jahr habe ich mir das finanzielle Polster ausgebaut und mir drei Standbeine gesucht.

Bild: Dr. Benke-Bursian

Was machst du genau in deinem Job?

Als Freiberuflerin bin ich allein für mich verantwortlich. Mein Unternehmen bin ich selbst und meine Arbeit bestimme ich selbst.
Daher ist das, was mein Unternehmen macht, gleichzeitig das, was auch ich in meinem Job mache. Somit erübrigt es sich, die Fragen getrennt zu beantworten.

Für viele Leute, die den Weg in die Freiberuflichkeit wagen, ist genau diese Freizügigkeit und alleinige Verantwortung, eine der größten Herausforderungen, denn sie erfordert viel Disziplin. Damit man sich jeden Tag an die Arbeit macht, selbst wenn gerade kein Auftrag da ist.
Für mich ist aber genau das, neben der Arbeit selbst, eines der Besten Komponenten der Freiberuflichkeit. Ich bin sozusagen ein Freigeist, habe schon immer am liebsten selbst über mich entschieden. Was ich mache, wann ich es mache und wie ich es mache. So kann ich meine Arbeit größtenteils meinem ureigenen Zeitrhythmus unterordnen, was sie sehr effektiv macht. Denn ich achte auf Pausen und Auszeit, kann dafür am Wochenende arbeiten und spät in der Nacht.
Und ich kann meine Zeit so einzuteilen, dass auch andere mir wichtige Dinge darin Platz finden. Ich lebe sehr nach dem Motto: Ich habe die Zeit, die ich mir für die Dinge nehme und das richtet sich danach, wie wichtig sie mir sind.

Das Tolle an meinem Job ist weiterhin, dass ich lauter Tätigkeiten ausübe, die mir Spaß machen. Ich schreibe gerne, ich lese gerne, ich halte gerne Vorträge und sogar das Marketing macht mir Spaß. Und ich habe die Biologie nie aus dem Blick verloren, meine Ausbildung ist nach wie vor eine wichtige Stütze und Basis, um mir meinen Lebensunterhalt zu sichern.

Ich habe mir mittlerweile ein breites Tätigkeitsfeld erarbeitet.
Neben dem Schreiben von Geschichten, Sachtexten und journalistischen Artikeln, halte ich Vorträge, gebe Lesungen, biete Schreibwerkstätten und Coaching an, redigiere Sachbücher, überlege mir neue Projekte, wie mein Wandern und Schreiben und investiere immer mehr Zeit in die Vermarktung von meinen Angeboten.
Ein Großteil meiner Arbeitszeit entfällt inzwischen aufs Netzwerken und Kontakt halten, in Akquise und Marketing, in Fort- und Weiterbildung über Lesen, Teilnahme an Seminaren usw. und in das Betreiben meiner Website.
Außerdem schreibe ich viele meiner Geschichten nach wie vor ohne Auftrag. Dann braucht man ein dickes Fell, um sich der Verlagssuche zu stellen.
Einem Autor von heute steht zwar auch der Selfpublishing Markt zur Verfügung, doch viel Geld verdienen die meisten damit nicht.
An Aufträge bekomme ich dadurch, dass ich zunehmend präsent bin und daher von anderen kontaktiert werde. Doch nach wie vor bewerbe ich mich auch auf Angebote oder aber ich verfasse einen Text - Geschichte, Artikel - und biete den an oder auch erst mal nur ein Exposé oder sogar nur eine Idee.
Darüber hinaus bin ich mittlerweile in unterschiedlichen Verbänden (ich bin z.B. Beiratsmitglied der Deutschen Umweltstiftung) , Vereinen (ich bin Mitglied bei den Mörderischen Schwestern, einer Vereinigung deutschsprachiger Krimiautorinnen) und Organisationen (z.B. dem örtlichen Kulturstammtisch "KulturArt am See") engagiert, was mir weiteren Input und Optionen eröffnet.

Was findest du ist das Spannendste an deinem Job?

Es gibt einiges was ich ich spannend finde, ohne dass ich einen Punkt besonders hervorheben würde.
Spannend sind viele Aufträge, da ich mit meinen Recherchen immer wieder Neuland betrete. Recherchieren ist Forschung: das Forschen nach Fakten und Informationen. Womit ich dem, was ich einmal gerne tun wollte wieder ein bisschen näher gekommen bin. Und es macht mir Spaß, Zusammenhänge herzustellen, neue Erkenntnisse zu gewinnen und ständig etwas dazu zu lernen, nicht nur auf meinem Gebieten der Naturwissenschaft.

Spannend ist meine Arbeit aber auch dadurch, dass ich mir immer wieder neue Ziele setzen muss, dass sie die Möglichkeit bietet, kleinen und großen Träumen nachzuhängen und an ihrer Verwirklichung zu arbeiten.
Dass sich immer wieder neue Kontakte, neue Ideen, Projekte und Möglichkeiten entwickeln.
Das Spannendste sind dabei womöglich die Überraschungen, die der Job bietet, auch mal überraschende Erfolge und die permanente Entfaltungsmöglichkeit. Dadurch blicke ich permanent nach vorne, bin neugierig auf die Zukunft und freue mich auf das Morgen.

War der Job auf deinen Studiengang zugeschnitten oder kann man auch etwas anderes machen, um in deinem Bereich tätig zu werden?

So wie ich meine Freiberuflichkeit ausübe, ist er auf meine Ausbildung zugeschnitten, aber das kann jemand anderes mit einem anderen Werdegang natürlich ebenso für sich zurechtschneiden, muss es sogar.
Das ist das Schöne an diesem Job, man schneidet ihn sich passend zu.
Autor und / oder Journalist kann man mit den unterschiedlichsten Ausbildungen werden, das sind beides keine geschützten Berufe. Im Grunde braucht man überhaupt keine Ausbildung dazu.

Dazu würde ich allerdings nicht raten, denn jede Art von Ausbildung hilft, Fachwissen und Lebenserfahrung in die Texte mit einfließen zu lassen. Außerdem kann man sich dadurch schrittweise in die Freiberuflichkeit wagen. Kann seinen Lebensunterhalt so lange über seinen Ausbildungsberuf absichern, bis man sicher steht.

Was würdest du deinem jüngeren Ich raten?

Vielleicht ein Auslandssemester oder eine komplette Auszeit nehmen, dafür auf das Chemiestudium verzichten. Obwohl ich meine späteren Semesterferien und auch die zeit davor und danach immer wieder dafür genutzt habe, andere Länder und Neues kennen zu lernen, also nicht wirklich was vermisse.

Auch sonst würde ich alles wieder genauso machen, wie ich es gemacht habe, inklusive aller Brüche und Umwege, denn genau das fühlt sich heute rund an. Und davon wollte ich nichts missen.

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