Was macht man im Theater- und Medienwissenschaftenstudium?

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Hi Benjamin,

Nach langem Googeln stieß ich auf den Studiengang Theater- und Medienwissenschaften, kann mir aber nur unter den jeweils einzelnen Begriffen etwas vorstellen. Wie sieht denn die Vereinbarkeit beider aus? Was lernt man denn so im Groben in diesem Studium und weißt du, welche Berufe man später damit ausüben kann bzw. in welchen Bereichen man arbeiten könnte? Für die Beantwortung bedanke ich mich schon einmal im vorraus. Viele Grüße, Janna.

1 Antwort

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Benjamin

Antwort von Benjamin 11.06.2014 21:29

Also, es ist so:

Theater- und Medienwissenschaft werden erstmal getrennt unterrichtet. Es gibt in den ersten beiden Semestern ein Basismodul Einführung (u.a. Methoden, Grundlagen...), ein Basismodul Theater (Kurse: Analyse, Theorie, Historiographie) und ein Basismodul Medien (Analyse, Theorie/Historiographie und ein thematisches Seminar, das frei wählbar ist, z.B.: "Filmische Räume", "Celebrity-Kultur" oder "Sowjetisches Montagekino").

Das ist alles reine Theorie, also du wirst da nicht auf der Bühne stehen oder Filme drehen dürfen. Aber in Theater-Analyse geht man zum Beispiel schon dreimal zusammen ins Theater, diskutiert, und schreibt am Ende eine frei wählbare Aufführungsanalyse.
Theater-Theorie dagegen ist schon fast wie Philosophie. Du diskutierst jeweils anderthalb Stunden ausschließlich über einzelne Begriffe.

Alle Seminare sind mit Reader, d.h. du liest jeweils pro Seminar pro Woche einen anspruchsvollen wissenschaftlichen Text, der dann Grundlage der Stunde ist. Das ist teilweise anstrengend, aber absolut notwendig. Und keine Angst: Der Arbeitsaufwand für den Studiengang ist keinesfalls überwältigend, solange man ein Händchen für kritisches Lesen, strukturiertes Argumentieren und analytisches Denken und Merken hat.

In den späteren Semestern kommen dann auch ein paar Praxis-Kurse dazu. Erst wird man eingeführt in Grundlagen der Film- und Theatertechnik, damit man selbständig arbeiten kann; dann wählt man Themenseminare und bleibt entweder drei Semester lang dabei, oder man macht jedes Semester ein neues Seminar. Hierbei entscheidet man sich fast zwangsläufig dafür, ob man mehr mit Medien oder mehr mit Theater macht.

Die Berufe lassen sich kaum durch den Bachelor festlegen, im Master spezialisieren sich die meisten Leute; überhaupt wirst du dich als Geisteswissenschaftler eher den Umständen anpassen müssen als im Voraus planen zu können. Viele Leute werden auch Quereinsteiger und landen dann wo ganz anderes, ohne es zu bereuen, ihr Fach studiert zu haben. Denkbar sind als Beruf erstmal alles, was nur im entferntesten mit Theater und Medien zu tun hat. Theater, Fernsehsender, ganz egal. Aber dahin zu kommen, dafür musst du selber sorgen. Zum Beispiel durch sammeln eigener Erfahrungen in Form von Praktika oder selbständigen Projekten. Auch der Master tut sein übriges: Ob du zum Beispiel einen Master in Richtung Dramaturgie (theater-spezifischer künstlerischer Beruf) oder Kulturmanagement (viele Inhalte aus BWL und Recht) machst, ist ein großer Unterschied. Und alles läuft über persönliche Beziehungen, niemand wirft dir einen Job hinterher. Leider.

Ich würde den Studiengang absolut weiterempfehlen, ich bin sehr zufrieden. Aber man muss wissen, was man aus dem Studiengang mitnehmen will, und ein ernsthaftes Interesse (und Vorkenntnisse!) an dem Thema haben. Halbherzig oder aus vagem Interesse wird das eher nicht klappen. :)

Liebe Grüße und hoffentlich konnte ich dir helfen
Benni

Neu ergänzt am 11.06.2014 um 21:29 Uhr