Mögliche Kombinationen bzw. Wechselmöglichkeiten Soziologie / Psychologie

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Hi Maximilian,

Hallo zusammen! Ich stehe für mich zwischen einem Soziologie und einem Psychologiestudium. Ich tendiere im Moment zum Soziologiestudium und habe mehrere Fragen zum Thema. Zuallererst habe ich widersprüchliches gehört ob eine Kombination Sinn macht, da sich die Disziplinen ja Fragen teilen würden mit unterschiedlichen Antworten. Da wäre Insiderwissen sehr spannend, wie da die Fächer harmonieren. Dann hab ich die Frage: was für Kombinationen wären möglich. Ich habe gelesen, dass man bspw. in Bamberg auf Diplom Soziologie studieren und Psychologie ins Nebenfach packen kann. (Ich glaube es ging auch an der TU Darmstadt und in Frankfurt) Ich weiß das ich hier mit einer Menge Halbwissen ankomme, wäre lieb mir eine kleine Hilfestellung zu bieten. Danke schonmal, Paul

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Antwort von Maximilian 07.10.2015 09:40

Hallo Paul,

zunächst muss ich sagen, dass ich nur für Frankfurt sprechen kann und die Situationen an anderen Universitäten nicht beurteilen kann. Meines Wissens nach ist es in Frankfurt nicht möglich Soziologie und Psychologie gemeinsam zu studieren. Soziologie wird mit einem Nebenfach studiert (bsp: Politikwissenschaft, Philosophie, BWL etc.). Um den Bachelorabschluss zu erhalten musst du insgesamt 180CP (=Creditpoints) aufweisen. Für jeden Veranstaltung die du besuchst erhälst du CP. Du musst insgesamt 120CP im Haupfach und 60CP im Nebenfach sammeln. Psychologie ist meines Wissens ein sogenannter Monobachelor, d.h. Das Fach wird ohne Nebenfach studiert und auf das Hauptfach Psychologie entfallen allein die 180CP ( das sind zumindest die Infos die ich von einem Kommilitonen mal erhalten habe).

Über die Vernüpfung der beiden Fächer kann ich nicht viel sagen. In der Soziologie, die in Frankfurt sehr breit aufgestellt ist, geht es um sämtliche die Gesellschaft berührende Positionen und Therorien. Es finden sich deutliche Parallelen zur Philosophie und zur Politikwissenschaft. Man lernt Theorien und Denkrichtungen kennen, das geht von Wirtschaftstheorien in der Wirtschaftssoziologie über Arbeitsmarkttheorien und philosophischen Fragestellungen über das Individuum und seine Stellung in der Gesellschaft. (Wenn du möchtest kann ich dir da auch noch einiges mehr an Informationen über die Inhalte des Soziologiestudiums geben)

Zum Thema Diplomstudiengang Soziologie in Bamberg: Auch wenn ich die Universität Bamberg und ihre Regularien nicht kenne, bin ich mir sehr sicher, dass du dort keinen Diplomstudiengang Soziologie mehr finden wirst. Sämtliche Diplomstudiengänge laufen zur Zeit aus bzw. sind im Rahmen der Bolognareform durch Bachelor/Masterstudiengänge ersetzt worden.

Ich hoffe ich konnte dir ein bisschen helfen und wenn weiter Unklarheiten bestehen oder du etwas ausführlicher erläutert haben willst, scheu dich nicht weiterzufragen. Ich versuche gern so viel wie möglich zu beantworten und zur Klärung beizutragen.

Viele Grüsse

Max

Neu ergänzt am 07.10.2015 um 09:40 Uhr

Nachfrage von Paul 07.10.2015 17:19

Alles klar!

Folgende Fragen hab ich noch:

  1. Man soll sich ja zum Einschreiben eine Uni mit Ideenrichtung aussuchen die einen begeistert. Habe ich dahingehend allerdings noch keine Ahnung kann ich einfach zum Master die Uni wechseln die mich dann am meisten anspricht, egal wo ich vorher studiert habe?
  2. Gibt es Listen o.Ä. wo ich Unis mit dem Angebot der Nebenfächer zu Soziologie (in meinem Fall halt bspw Psychologie) finden kann?
  3. Wenn doch noch jemand eine Ahnung hat wie die Verknüpfung, Parallelen und Sinnhaftigkeit einer Kombination von Soziologie und Psychologie hat, fänd ich da Erfahrungen spannend!

Bzgl. des Diplomstudiengangs, ist das lediglich die Info von der Website der Uni, wie aktuell das ganze ist würde ich da mal telefonisch anfragen. Du hast aber natürlich eigentlich recht die Dipl. laufen ja aus...

Über weitere Informationen über die Inhalte würde ich mich sehr freuen.

Viele Grüße,

Paul

Neu ergänzt am 07.10.2015 um 17:19 Uhr

Antwort von Maximilian 08.10.2015 09:45

Hallo Paul,

1. Wenn du beispielsweise in Frankfurt deinen Bachelor in Soziologie gemacht hast, kannst du dich damit an jeder anderen Universität für den Master bewerben. Wenn dir die Kritische Theorie, von der die Soziologie in Frankfurt sehr geprägt ist zusagt, könntest du natürlich den Master auch in Frankfurt machen.

2. http://www.uni-frankfurt.de/36079338/nav-grundstaendig?utf8=✓&stg_type=1&abschl=1&hfnf=0&lang=&commit=Suchen

hier findest du eine Liste mit allen B.A. Studiengängen in Frankfurt und den Erläuterungen, wie sie studiert werden. Wenn du jeweils auf "Anzeigen" klickst, bekommst du weitere Informationen über die Fächer. In Soziologie ist es so, dass du jedes Fach als Nebenfach wählen kannst, dass mit 60CP als Nebenfach studiert werden kann.

3. Eine Verknüpfung der Soziologie und der Psychologie besteht beispielsweise durch die Sozialpsychologie. Hier steht auch eher das Individuum, das Subjekt) im Zentrum, erst dann kommen die schlüsse auf die Gesellschaft. Grundsätzlich ist hier nochmal zu sagen, dass die Soziologie zu den Gesellschafts- bzw. Sozialwissenschaften gehört. Die Psychologie nicht. Wie gesagt in Frankfurt ist das Studium beider Fächer gleichzeitig nicht möglich.

Ich hoffe ich konnte dir etwas weiterhelfen und wie gesagt für jede weitere Frage stehe ich gern zur Verfügung.

viele Grüße

Max

Neu ergänzt am 08.10.2015 um 09:45 Uhr

Antwort von Benjamin 07.10.2015 19:40

Hallo Paul,

Soziologie und Psychologie haben zwar die gleiche Logik (Analyse von Menschen), doch völlig andere Untersuchungsgegenstände. Während sich die Psychologie mit Individuen beschäftigt und Antworten auf folgende Fragen sucht: Warum handelt dieser Mensch gerade so wie er es eben tut? Woher kommt dieses Verhalten und wie entwickelt sich ein gesunder Mensch (Entwicklungspsychologie)? Was motiviert Menschen und wie entscheiden sie (Sozialpsychologie)? Welches Verhalten ist schädlich, kann als Krankheit eingestuft werden und wie kann man das therapieren (Gesundheitspsychologie/Klinische Psychologie/Diagnostik)? Wie kann ich das Verhalten des Individuums so verändern, dass es für die Organisation nützlich ist (Arbeits- und Organisationspsychologie)?

Die Soziologie beschäftigt sich mit dem Systemfaktoren außenrum: Wie funktionieren Gruppendynamiken? Das umfasst Aspekte der Macht, Gewalt und Religionen und thematisiert ihre Funktionen und Erscheinungsformen. Die grundlegende Frage der Soziologie ist immer: Wie funktioniert Gesellschaft? Was passiert, wenn Menschen aufeinandertreffen? Es werden Normen entwickelt, was gemacht werden darf und was nicht (bspw. darf man in der christl. Gesellschaft nicht seine Cousine heiraten), es werden Machtstrukturen entwickelt und es werden Grenzen gesetzt (wer gehört dazu / wer nicht mehr). Heutzutage werden diese "Regeln des allg. Lebens" als normal hingenommen. Sind sie jedoch nicht. Es gibt bspw. keinen sinnhaften Grund, warum es Frauen UND Männertoiletten gibt in öffentlichen Räumen.

Die Soziologie schaut auf solche Dinge und versucht sie zu erklären. Die obigen Beispiele lassen sich alle aus der Kultursoziologie ableiten (einer meiner persönl. Hintergründe). Des Weiteren gibt es noch weitere spannende Felder: Wie und warum migrieren Menschen und wie lässt sich Integration bewältigen (Migrationssoziologie)? Welchen Einfluss haben Medien wie Internet, Smartphone, etc. auf die Menschen (Mediensoziologie)? Wie beeinflussen strukturelle Faktoren wie Bildungsinstitutionen unser Leben? Und vor allem: Welche Ableitungen können daraus für die Politik generiert werden (Bildungs- und Lebenslaufsoziologie)? Wie wirkt sich Stress auf den Menschen aus (-> das ist wirklich sehr nahe an der Psychologie dran), welche strukturellen faktoren einer Organisation begünstigen ein "stressreiches" Erleben (typisch soziologische Fragestellung) (Arbeitssoziologie).

Du siehst, Psychologie und Soziologie scheinen verwand, schauen aber auf andere Dinge. Psychologie mehr auf das Individuum, Soziologie mehr auf die Umgebung des Individuums und das Zusammenspiel zwischen den Menschen.

Meines Wissens kann man Psychologie und Soziologie nur in den seltensten Fällen fachlich miteinander kombinieren. Das liegt daran, dass das Fach Psychologie für viele sehr attraktiv zu seien scheint, sodass man (falls man Psycho im Nebenfach wählt), große Schwierigkeiten hat, in Seminare reinzukommen (die Hauptfächler werden bevorzugt). In manchen Fällen kann es thematisch jedoch sinnvoll sein. Bsp: Arbeitssoziologie + Arbeits- und Organisationspsychologie oder Sozialpsychologie.

Ein Psycho Studium ist auch anders konzipiert. Während man dort vermehrt Vorlesungen hat (passend für die Masse), sprich nur zuhört und am Ende eine Klausur schreibt, geht es im Soziologie Studium viel, viel mehr um die Kunst des Debattierens. Hier hat man viele kleinere Seminare (15-35 Leute), in denen Dinge/Texte/Aussagen/Theorien oft sehr kritisch hinterfragt werden. Die kritisches Analysemethode und der Aufbau einer sinnvollen Argumentationskette sind sicherlich DIE Hauptkompetenzen eines Soziologie-Absolventen. Sofern ich Einblick in die Psychologie habe, sind die Hauptkompetenzen eher auf Tiefenanalyse und Methodenkompetenz (wie erstelle ich Fragebögen, wie messe ich X und Y, etc.) gelegt.

Ein weiterer Hinweis: Soweit ich weiß kann man in Bamberg NICHT mehr auf Diplom studieren, sondern nur noch Bachelor/Master.

Ich hoffe ich konnnte dir ein wenig weiterhelfen. Bei weiteren Fragen stehe ich gerne hier zur Verfügung :-)

Neu ergänzt am 07.10.2015 um 19:40 Uhr

Antwort von Fachschaft Gesellschaftswissenschaften 08.10.2015 10:24

Hallo Paul,

dass sich die beiden Disziplinen denselben Fragen mit unterschiedlicher Antwort widmeten, würde ich so nicht sehen. Wie auch die Rechtswissenschaft sich bspw. mit Krimonologie, die sehr viele soziologische Komponenten miteinschließt, beschäftigt, würde ich eher behaupten, dass die Disziplinebn teilweise dieselbe Materie, aber unterschiedlichen Fragestellungen dazu, behandeln, was in meinem Verständnis von Wissenschaft sehr viel Sinn ergibt. An welchen Universitäten das wie möglich ist, weiß ich leider auch nicht - allerdings gibt es in Frankfurt auf jeden Fall den Masterstudiengang Sozialpsychologie - ein Fach, das im Psychologiestudium mit gleichem Namen vorkommt und als teilweise Zusammenführung der beiden Disziplinen angesehen werden kann - allerdings ist es meines Wissens nach am psychologischen Lehrstuhl angesiedelt und somit unter den dortigen Prämissen und "Denkweisen". Psychologie ist weiterhin eher naturwissenschaftlich (Auswendiglernen von Fakten) angesiedelt, während die Soziologie, zumindest wie ich sie bisher erlebt und studiert habe, weitere Diskussionsspielräume und verschiedene Theorien zum scheinbar selben Thema bereithält, was mir in meiner Denkweise mehr entsprach. Wie bei allen Fächerkombinationen, egal, ob sie geplant angenoten werden oder man sie sich als Student selbst zusammenschustert, trifft man aber auf das Probelm, dass Interdisziplinarität überall groß geschrieben, aber selten gut umgesetzt wird - eher studiert man dann doch zwei Fächer ohne Schnittstellen - DIe muss man dann selbst herstellen und in der Literatur stöbern, wer das außer einem selbst auch schon gemacht hat. Ich hoffe, das hilft Dir irgendwie weiter. Viel Erfolg, aber vor allem Spaß an Deinem Studium! Grüße, M

Neu ergänzt am 08.10.2015 um 10:24 Uhr