Wie ist das Chemie oder Biochemiestudium an der RUB so?

Profil von Carina

Hi Carina,

Ich überlege Chemie (oder eher Biochemie) an der RUB zu studieren. Könntest du mir deine Eindrücke des Studiums schildern? Wie ist so die Zufriedenheit der Studenten etc.
Wird man gut betreut?Ist der Studiengang sehr schwer?
Vielen Dank und freundliche Grüße, Joshua

1 Antwort

Profil von Carina
Carina

Antwort von Carina 11.06.2014 21:29

Hey,
also in den ersten Semestern unterscheiden sich Chemie und Biochemie kaum. Im ersten haben die Biochemiker nur Bio zusätzlich, im zweiten haben sie Bio und die Chemiker dann Anorganische Chemie. Ab dem dritten Semester geht die Schere dann weiter auseinander.

Generell kann man sagen, dass man das Studium ohne großes Vorwissen locker angehen kann. Im ersten Semester fängst du mit Mathe, allgemeiner Chemie und Physik an. In den Fächern fängt man nochmal ganz von vorne an, also in Mathe wird der Stoff von der 7 Klasse an durchgenommen. Sehr hilfreich sind die Vorkurse. Es wird ein Vorkurs in Mathe für Naturwissenschaftler und einer für Chemie speziell für Chemiker angeboten. Vom Unterrichtsstoff her bewegt sich Mathe dabei in den ersten beiden Semestern und Chemie geht tatsächlich querbet durchs Bachelorstudium. Aber wenn man sich nicht entmutigen lässt, lernt man dort sehr schnell Kommilitonen kennen und verliert die Hemmschwelle wildfremde Menschen anzusprechen. Und eins kann ich dir sagen, als Einzelkämpfer fällt das Studium sehr viel schwerer, als in einer Gruppe.

Zufrieden sind denke ich die meisten meiner Kommilitonen, wir sind ca. 250 Chemiker und 60 Biochemiker. Es ist also recht schwer, für alle zu sprechen. Man lernt in Übungen, Vorlesungen und Praktika durchweg neue Leute kennen, also sollte man sich vom Gedanken der "Klassengemeindschaft" recht schnell verabschieden. Auch eine Art Betreuung gibt es nicht mehr. Bei Rückfragen stehen die Professoren jederzeit zur Verfügung. Es werden zu allen Fächern Übungen angeboten, also Gruppen von ca. 40 Personen, die zusammen Übungsaufgaben lösen oder Lerntipps bekommen. Der Fachschaftsrat bietet ein Einführungstutorium an, zu dem jeder Studierender zu Semesterbeginn eingeteilt wird. Das hilft einem auf jeden Fall gut weiter. Die Fakultät selbst bietet eine Studienberatung und einen sogenannten Help Desk für Studienanfänger an. Dort bekommt man so ziemlich alles, was mit der Organisation des Studiums zu tun hat erklärt. Allerdings beruht das alles auf Selbstständigkeit: Du musst selber erkennen, wenn du Lücken im Stoff hast, musst du selbstständig daran arbeiten. Auch zur Beratung schleift dich keiner.

Darin besteht auch die Schwierigkeit des Studiums: Die Stoffdichte während der Vorlesungen ist sehr viel höher als in der Schule. Du schaffst z.B. die gesamte Vektorrechnung der Oberstufe in 45 Minuten. Am Ende jedes Semesters schreibst du Klausuren, über den gesamten Stoff des Semesters. Das heißt, dass du sehr viele Informationen nach Wichtigkeit selektieren und auch noch im Kopf behalten musst.
Aber lass dich nicht entmutigen. Im ersten Semester fängt man langsam an. Man lernt richtig mitzuschreiben und die Tutoren gehen mit dir verschiedene Lernmethoden durch. Ich kann dir nur sagen, dass es überall so ist, ob nun in Bochum oder woanders.

Ich hoffe, der Text erschlägt dich nicht und hilft dir weiter. Falls du noch mehr Fragen hast, frag nur.
Liebe Grüße, Christine

Neu ergänzt am 11.06.2014 um 21:29 Uhr