Physikstudium: Kleine Uni vs. große Uni

  • 25.12.2015 13:23
  • Feli
  • Frage zum Studienfach
  • Physik
Profil von Feli

Hi Bernhard,

Ich bin mir mit meinem Studiengang zwar ziemlich sicher, aber die Standortproblematik ist bei Physik doch gegeben. Ein Entscheidungskriterium ist bei mir die Wahl zwischen einer kleineren Uni, bei der um die 50 bis 100 Studenten im Hörsaal sitzen, und einer Größeren, wie zum Beispiel Heidelberg oder die LMU. Hat jemand Erfahrungen zu den Vor- und Nachteilen der jeweiligen Unitypen? (Sitzplatzproblematik, Konkurrenzdruck, Verbindungen ins Ausland/ zu Instituten, etc) Im Moment geht es mir hauptsächlich um den Bachelor, da ich im Grunde zum Master ja auch noch wechseln kann. Falls jemand Erfahrungen mit Problemen beim Wechseln hat, wäre ich auch sehr dankbar dafür. Vielen Dank schon mal für eure Antworten!

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Antwort von Bernhard 25.12.2015 15:50

Hallo Feli,

da hast du den richtigen erwischt. Ich habe meinen Bachelor in Bochum (einer eher kleinen Uni) abgeschlossen und bin jetzt für den Master nach Heidelberg gewechselt. Kleine Unis haben im Bachelor definitiv ihre Vorteile, da der Kontakt zu den Dozente viel näher ist und Übungen auch deshalb mal gerne wie eine Plauderrunde stattfinden. Natürlich haben die großen Unis mehr Kontakte und Anbindungen (auch ins Ausland). Das ist jedoch im Bachelor viel weniger interssant als du vielleicht denkst. Meine Motivation zu wechseln war letztendlich, dass Bochum einige Vertiefungen in der theoretischen Physik leider nicht bieten konnte. Ich gehe davon aus, dass du noch nicht so genau weißt wie du dich spezialisieren willst und daher sind eigentlich alle Unis für den Bachelor gleichermaßen geeignet. (Wenn du denkst du weißt das schon kann ich dir nur sagen: Nein, tust du nicht ^^). Sitzplätze gibt es in kleineren Unis sicherlich immer, den Konkurrenzdruck macht man sich eher selbst, unabhängig von der Uni. Wie du schon richtig bemerkt hast kannst du nach dem Bachelor nochmals wechseln, was bei mir sehr gut geklappt hat. Ich hoffe ich konnte weiterhelfen, ansonsten melde dich einfach nochmal.

Gruß Bernhard

Neu ergänzt am 25.12.2015 um 15:50 Uhr

Nachfrage von Feli 25.12.2015 16:02

Hallo Bernhard,

vielen Dank für deine schnelle und hilfreiche Antwort!

Ich habe schon von anderen Studenten/Ehemaligen ähnliche Antworten bekommen, aber eben auch von anderen gehört, die zum Beispiel ihr gesamtes Studium in Heidelberg abgeschlossen haben. Da ich immer wieder andere Empfehlungen erhalten habe, bin ich inzwischen ein wenig verwirrt gewesen. Deine Antwort hat meine eigentliche Vermutung noch einmal bestätigt, nämlich, dass ich eher nach einer kleineren Uni Ausschau halten sollte (aus den, von dir genannten Gründen).

Da ich noch keine Ahnung habe, was genau ich später machen möchte (auch wenn mich einige Bereiche natürlich schon mehr als andere interessieren), habe ich eben auch das Problem, dass ich keine Ahnung habe, zu welcher Uni ich gehen soll. Was waren denn Gründe, die dich dazu bewegt haben, den Bachelor in Bochum zu machen? Selbst wenn ich mich auf kleinere Unis begrenze, habe ich leider immer noch eine riesige Auswahl (da ein NC o.ä. ja auch kein Problem darstellt). Nach welchen Kriterien hast du dich entschieden, oder war Bochum lediglich deine Heimatstadt?

Vielen Dank schonmal für die erneuten Antworten,

Feli

Neu ergänzt am 25.12.2015 um 16:02 Uhr

Antwort von Bernhard 25.12.2015 16:14

Hallo Feli,

ich hatte mehrere Gründe für Bochum. Zum einen war es nah genug um an den Wochenden nach Hause zu fahren. Zum anderen habe ich schnell eine Wohnung gefunden und die Mensa taugt wirklich was (ein Aspekt den man nicht unterschätzen sollte ;-)). Nicht zuletzt hatte Bochum einen hohen Platz im CHE-Ranking erreicht, was sich auch in den sehr freundschaftlichen Kommilitonen und Professoren bestätigt hat. Es standen buchstäblich stets alle Türen offen. Die Stadt selbst ist in Ordnung, da ich aber kein Partytier bin, kann ich dazu nicht viel mehr sagen, vielleicht ist das für dich ja ein Aspekt.

Gruß Bernhard

Neu ergänzt am 25.12.2015 um 16:14 Uhr

Antwort von Daniel 26.12.2015 10:57

Hallo Feli,

hier meine Erfahrungen zur großen Uni LMU: Mit mir angefangen hatten irgendwas zwischen 200 und 300 Studenten. Der große Physikhörsaal war damit zwar durchaus ausgelastet, aber im Gegensatz zu anderen Studiengängen musste zu keinem Zeitpunkt jemand in den Gängen sitzen. Nach einigen Wochen nimmt die Anzahl der Vorlesungsbesucher erfahrungsgemäß noch weiter ab, so dass aus meiner Sicht an der LMU keine Sitzplatzproblematik besteht :)

Konkurrenzdruck habe ich persönlich nie verspürt und von der Uni aus wird der auch nicht wirklich gefördert. Noten werden am Ende des Semesters in Listen veröffentlicht und das war's. Das Empfinden mag aber von Person zu Person unterschiedlich sein und eventuell auch von deinen Freunden an der Uni abhängen. Mit der großen Auswahl an Kommilitonen (s.o.) wirst du aber sicher solche finden, die da die gleiche Einstellung haben wie du. Allgemein ist die große Zahl der Studenten natürlich ein Vorteil um Gleichgesinnte zu finden. Du wirst aber am Ende des Semesters kaum alle deine Mitstudenten mit Namen kennen. Wenn dir eine familiäre Atmosphäre wichtig ist, dann wäre also vll eine kleinere Uni besser.

Zu deiner Frage bzgl Beziehungen ins Ausland: Ich denke im Bachelor ist die einzige relevante Frage die der Erasmus-Partnerunis, und da kann die LMU schon einiges bieten ( http://www.physik.lmu.de/studium/international/ ). Da sollte auf jeden Fall was für dich dabei sein und ich persönlich kann dir nur wärmstens empfehlen das Angebot auch zu nutzen (unabhängig davon ob du an die LMU gehen wirst oder an eine andere Uni).

Du hattest noch den Master angesprochen. Wie fast überall ist es (zumindest aktuell) an der LMU kaum ein Problem nach dem Bachelor noch einen Master dranzuhängen. Als Bachelorabsolvent der LMU hast du den Studienplatz so gut wie sicher.

Das waren meine Eindrücke von der LMU. Ich hoffe ich konnte dir helfen, und falls du noch weitere Fragen hast würde ich mich freuen diese auch zu beantworten.

Viele Grüße,

Daniel

Neu ergänzt am 26.12.2015 um 10:57 Uhr

Antwort von Lena 09.01.2016 19:02

Hey Feli,

ich antworte dir mal basierend auf meinen eigenen Erfahrungen und denen von Kommilitonen und Kollegen, die ihre Bachelor in Aachen, Hannover, Heidelberg, München, ... gemacht haben. Ich selbst habe meinen Bachelor in Münster abgeschlossen, und wir waren zum Ende des Bachelors hin etwa 90 Studenten. Mir hat die Atmopshäre dort gut gefallen, man konnte den Profs während den Vorlesungen viele Fragen stellen und sie haben sich in den Sprechstunden viel Zeit dafür genommen, einen bezüglich Karriere zu beraten oder auch (wenn nötig) Referenzschreiben zu verfassen. Konkurrenzdruck gab es keinen, auch weil jede Forschungsgruppe gerne Studenten aufgenommen hat, sei es für die Bachelorarbeit oder aber nur für ein Praktikum. In meinem Master in Cambridge sah das schon anders aus, da gab es einiges an Platzmangel und Konkurrenzdruck - das mag aber auch an der Uni generell und nicht unbedingt an seiner Größe liegen.

Überhaupt denke ich eher, dass Unterschiede zwischen verschiedenen Bachelorprogrammen nicht unbedingt aufgrund der Größe einer Uni sondern eher aufgrund ihres Renommées existieren. Die Studenten in Aachen, Heidelberg oder München sind im Durchschnitt motivierter und ehrgeiziger - folglich gibt es mehr Konkurrenzdruck, aber auch bessere Verbindungen zu hochrangigen Instituten und Unis im Ausland. Meiner Meinung nach ist das aber im Bachelor noch nicht wirklich wichtig, sondern erst im Master. Im Bachelor geht hauptsächlich darum, Grundlagen zu lernen, und das kann man an jeder deutschen Uni ähnlich gut.

Der größte Unterschied zwischen den Unis ist, dass an den prestigereichen Unis (München, Heidelberg, Aachen,...) das Bachelorprogramm meist sehr viel härter und anspruchsvoller ist als bei den weniger bekannten Unis (Münster, Hannover, ...). Wenn dir Druck und Herausforderungen gefallen, wäre eine derartige Uni sicherlich gut für dich, auf der anderen Seite können die Bachelorprogramme an diesen Unis auch zermürbend sein. Für mich selbst war im Bachelor ein lockeres Programm besser geeignet, weil ich genügend eigene Motivation hatte, mich in weitere Themen einzulesen und zusätzlich Praktika in den Instituten zu machen. Ich hatte also sehr viel mehr Freiheiten, was bei einem härteren Programm nicht möglich gewesen wäre. Und für den Master konnte ich schließlich problemlos an eine größere und bekanntere Uni mit besseren Forschungsmöglichkeiten wechseln.

Von Problemen mit Sitzplätzen und Uniwechseln nach dem Bachelor habe ich noch nie was gehört, da sieht die Situation für Physikstudenten in Deutschland gut aus. ;)

Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen. Falls du noch weitere Fragen hast, kannst du dich gerne nochmal bei mir melden!

Neu ergänzt am 09.01.2016 um 19:02 Uhr

Antwort von Larissa 11.01.2016 14:41

Hi Feli,

ich selbst habe bis jetzt nur an der TUM, also einer relativ großen Uni studiert.

Bis jetzt kann ich da auch nur Vorteile finden: Du hast ein sehr breites Spektrum an Angeboten und Instituten gleich in der Nähe, wo du auch schon Bereiche kennenlernen kannst, in denen du später vielleicht Arbeiten willst. Und die ganzen Auslandsprojekte gibt es natürlich auch.

Sitzplatzprobleme gibt es bei uns soweit auch nicht: Die Räume sind eigentlich immer auf die Anzahl der Studenten angepasst. Und auch von Konkurrenzdruck habe ich bis jetzt noch nichts mitbekommen, da es eigentlich eher auf die individuellen Leistungen ankommt und keine beschränkte Nachfrage besteht.

Ich hoffe das hat ein wenig geholfen,

Larissa

Neu ergänzt am 11.01.2016 um 14:41 Uhr