Wie anstrengend ist Übersetzung?

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Hi Armin,

Ich mache nächstes Jahr mein Abitur und würde gerne Übersetzungswissenschaften studieren. Würdest du dies empfehlen, oder ist das Studium Mental zu anstrengend? (halte was Sprachen angeht relativ viel aus)
Kannst du mir vielleicht allgemein was zu dem Studium erzählen?
Danke schonmal im Voraus,
Milly

1 Antwort

Profil von Armin
Armin

Antwort von Armin 11.06.2014 21:29

Hallo Milly,
super, dass du dich für Übersetzungswissenschaft interessierst! Ich hoffe, ich kann dir weiterhelfen - auch wenn das Ganze ja ziemlich subjektiv ist... Da das Studium genau das Richtige für mich ist, würde ich es auf jeden Fall weiterempfehlen. Welche Sprachen hast du denn im Auge? Ich habe die Kombination Englisch (B-Sprache) und Spanisch (C-Sprache). Darum kann ich auch leider nicht viel über die anderen Abteilungen am Institut berichten...
Noch eine Info, die dir vielleicht weiterhilft: Ich wollte nach meinem Abi unbedingt "was mit Sprachen" machen. Lehramt konnte ich mir für mich nicht vorstellen, einfach nur Anglistik und Romanistik auf Bachelor war mir etwas zu ungewiss, was das spätere Berufsbild angeht (und auf so viel Literatur hatte ich keine Lust). Deshalb entschied ich mich für Übersetzen.
Erst einmal zum Institut ansich:
Zwar munkelt man, dass wohl einiges auf dem Wege der Besserung ist, aber im Allgemeinen geht am Institut es ein wenig chaotisch zu (Verwaltung etc.) Gerade am Anfang muss man sich da erst einmal "durchwurschteln" :) Allerdings sind dafür die (meisten) Dozenten super, von denen die Mehrheit als Übersetzer bzw. Dolmetscher arbeiten und sich daher dank ihrer langjährigen Berufserfahrung bestens auskennen.
Dann zu den Anforderungen bzw. den Kursen:
Vorlesungen mit Hunderten Studenten gibt es so gut wie nicht, meist sitzt du in Übungen mit ca. 30 Studenten - was auch sehr sinnvoll ist. Selbstverständlich übersetzt man recht viel, in den ersten Semestern noch einfachere, allgemeinsprachliche Texte, später Fachtexte. Normalerweise übersetzt jeder den Text für sich und im Kurs wird er besprochen. Neben den reinen Übersetzungsübungen gibt es noch Sprach- und Übersetzungswissenschaftsveranstaltungen, in denen dir sozusagen die „Theorie“ des Übersetzens beigebracht wird. Zu Beginn des Studiums gibt es noch Übungen, die dazu dienen, die Sprachkompetenzen zu erweitern (anhand von Präsentationen, ähnlich wie in der Schule). Übrigens herrscht in fast allen Veranstaltungen Anwesenheitspflicht ;)
Was die Sprachkenntnisse angeht, ist das so eine Sache. In deiner B-Sprache solltest du auf jeden Fall sattelfest sein, da das deine „aktive“ Sprache wird. Die Anforderungen für die C-Sprache sind nicht so hoch, da reicht erst einmal ein „passives“ Verständnis – du solltest also AUS der Fremdsprache in deine Muttersprache übersetzen können. Natürlich ist es super, wenn du all deine Sprachen perfekt sprichst (auch deine Muttersprache sollte einwandfrei sein – laut unseren Dozenten vergessen viele wohl diesen Aspekt). Aber du hast auch noch während des Studiums Zeit, um deine Sprachen zu verbessern. Ich war beispielsweise nach dem Abi für ein halbes Jahr in Australien, anschließend drei Monate in Luxemburg, habe ein Semester (Erasmus) in Spanien studiert, war in den Semesterferien Aupair in Spanien und werde die kommenden Semesterferien in England verbringen. Im Prinzip nutzen alle die Semesterferien, um viel Auslandserfahrung und Sprachpraxis zu sammeln – was auf jeden Fall sehr ratsam ist (wenn man nicht gerade das Glück hatte, zweisprachig aufgewachsen zu sein ?). Es werden (wenn das noch so ist) auch Intensivsprachkurse am Institut angeboten und das Zentrale Sprachlabor der Uni kann man auch nutzen, wenn man seine Sprachen verbessern möchte.
Neben all den Sprach- und Übersetzungsveranstaltungen gibt es noch die Kurse zum Thema „Übergreifende Kompetenzen“, in denen dir sehr viel beigebracht wird, das du später in der Berufspraxis brauchen wirst (zum Beispiel wie man mithilfe verschiedener Programme übersetzt). Hier gibt es noch eine Vorlesung („Ringvorlesung“), in der ganz unterschiedliche Personen, die im Bereich Übersetzen und Dolmetschen arbeiten, den Studenten einen Einblick in ihren Berufsalltag vermitteln.
Du hast übrigens schon im Bachelor im Rahmen von drei Übungen die Möglichkeit, das Dolmetschen auszuprobieren (was ja sonst erst im Master möglich ist).
Außerdem wählst du ein „Nebenfach“ (Jura, Medizin oder Wirtschaft), in dem du drei oder vier Kurse besuchen musst (beispielsweise „Einführung in das spanische Recht“) – einfach um ein gewisses Fachwissen zu erlangen.
Im Studium musst du zwei Praktika machen: eines in einem Übersetzungsbüro, Sprachendienst etc. (egal wo, mindestens eine Woche lang) und eines im Land deiner B-Sprache (mindestens sechs Wochen lang). Aber was das angeht, hat sich die Prüfungsordnung geändert und ich bin da nicht auf dem aktuellen Stand…
Was die Anstrengung angeht:
Meiner Erfahrung nach ist das Studium wirklich machbar. Natürlich wird es ab und zu stressig, aber das ist ja ganz normal. Ich habe festgestellt, dass ich im Vergleich zu Studenten anderer Fächer selten richtig „büffeln“ muss. Die meisten Klausuren sind sehr praktisch angelegt, also entsprechen dem späteren Berufsleben, und sind keine Wissensklausuren. Ich würde sagen, dass man eher kontinuierlich etwas für die Uni zu tun hat (also jede Woche übersetzt) und nicht wie manch anderer Tag und Nacht am Schreibtisch sitzt ? – aber das ist bestimmt eine sehr subjektive Sache.
Zu Heidelberg:
Meiner Meinung nach DIE perfekte Stadt für’s Studium. Nicht zu klein, nicht zu groß, zu jeder Jahreszeit wunderschön. Einziger Haken: Wie in jeder Studentenstadt ist bezahlbarer Wohnraum recht knapp.
Hier die Webseite des Seminars: http://www.uni-heidelberg.de/fakultaeten/neuphil/iask/sued/index.html (Du kannst dich auch problemlos an die jeweilige Fachstudienberatung oder an die Fachschaft wenden. Bloß keine Scheu – sie helfen wirklich gerne!)
Im Mai finden die Übersetzertage am Institut statt. Wäre das vielleicht was für dich?
Soweit ich weiß, gibt es auch immer im Sommer Veranstaltungen am Institut für Studieninteressierte.
Ich hoffe, ich konnte dir helfen! Wenn du weitere Fragen hast, melde dich einfach.

Liebe Grüße
Bea

Neu ergänzt am 11.06.2014 um 21:29 Uhr