Wie ist es in Halberstadt zu studieren?

Profil von Carina

Hi Viviane,

Da ich die Möglichkeit habe in Halberstadt zu Studieren würde ich mich über Informationen darüber freuen. Wie ist die Lage mit Rechten in der Stadt? Ist es nach wie vor so schlimm wie die Nachrichten darüber geschrieben haben? Trifft man auf diese oder geht jeder seinen eigenen Weg? Und wie ist das Studieren ansonsten dort? Wie sind die Professoren usw.?
Würd mich über alle möglichen Informationen sehr freuen :)

1 Antwort

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Viviane

Antwort von Viviane 11.06.2014 21:29

Hey! Also, ich habe dir ja schon bei studis-online teilweise geantwortet (für alle diejenige, die gerne mehr wissen möchten, siehe: http://www.studis-online.de/Fragen-Brett/read.php?10,1769170,1775687#msg-1775687)

Halberstadt
Das Studieren ansonsten ist sehr angenehm. Halberstadt hat ca. 40.000 Einwohner, ein paar nette Bars, jedoch keinen wirklichen Club in dem man feiern gehen kann. Einkaufen kann man sehr bequem in vielen Supermärkten und es gibt meiner Meinung nach auch genug Shops in der City zum shoppen. Die Mieten sind günstig. Es gibt ein privat geführtes Studentenwohnheim und viele Wohnungsangebote der zwei örtlichen Wohnungsbaugesellschaften. Die Stadt ist liegt in einer flachen Ebene, so dass ich mit dem Rad die 2km zur HS fahre. Jedoch gibt es auch Bus- und S-Bahnverbindungen, die man mit dem Semesterticket benutzten kann. Leider ist zu sagen, dass die letzte S-Bahn in meine Stadtteilrichtung um 19 Uhr fährt und auch Busverbindungen sind ab 19 Uhr rar. Bei Abendveranstaltungen (die Uni kann bis 20 Uhr gehen) geht man also zu Fuß nach Hause oder fährt mit dem Rad.

Die Hochschule in Halberstadt
Die Hochschule ist sehr gut ausgestattet, Whiteboards in allen Räumen, sowie Beamer und Laptops. Es gibt genügend Computerräume in denen man gut arbeiten kann, diese sind von 9 Uhr (?) bis 21 Uhr geöffnet. Es gibt zwei große Vorlesungssäle mit je 90 Plätzen und einen großen Saal mit ca. 60 Plätzen, dort haben besonders die größeren Jahrgänge viele Vorlesungen. Ansonsten gibt es viele „Seminarräume“ mit jeweils ca. 20 bis 40 Sitzplätzen. Es gibt einen Gruppenarbeitsraum und eine neu eingerichtete Chillzone mit vielen Sofas. In Wernigerode studieren vllt. 2000 Studenten, in HBS nur 1000 (wovon 300 im Ausland oder Praktikum sind). Jedoch ist der HBS-Standort moderner (eröffnet 2004). Alles in allem ist die Ausstattung in Halberstadt top, es gibt keine beschmierten Wände oder Sitzplätze, selbst die Toilettentüren sind nicht beschmutzt, da war ich von meiner Schule ganz andere Sachen gewöhnt!
Bibliothek
Die Bibliothek hat eine gute Arbeitsatmosphäre - hier herrscht (die) Ruhe! Jedoch ist die Bibliothek etwas klein, was natürlich auch mit der Standortgröße zusammenhängt. Selbst in der Prüfungsphase findet man aber dort einen freien Platz an einem Tisch, jedoch gibt es nur ca. 6 Computer, so dass man seinen eigenen Laptop mitbringen sollte. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 9 Uhr bis 19 Uhr, am Samstag von 9 Uhr bis 14 Uhr. Am Anfang des Semesters bekommst du deinen Studentenausweis (den du am ersten Tag aktivieren wirst), der gleichzeitig Semesterticket, Bibliothekskarte und Mensageldkarte ist. Die Bibliothek hat viele Bücher mehrfach dort, so dass es NICHT nötig ist, am Anfang Bücher zu kaufen!!! Nur in VWL ist dies zu empfehlen (sowie halt die Rechtsvorschriften Sammlung VSV), ansonsten warte die ersten Hochschulwochen ab, bevor du unnötig Geld für Bücher ausgibst
Mensa
Die Mensa ist leider zu klein für die Studenten, die alle in der Mittagspause dort essen möchten. Die allgemeine Mittagspause geht von 13.00 bis 13.30 Uhr, dass strömen Menschenmassen in die Mensa und es bildet sich eine lange Schlange. Das Personal ist freundlich, die Essen durchschnittlich. Leider fehlt eine Salatbar. Die Preise sind angemessen.
Studium und Fächer – Öffentliche Verwaltung und Verwaltungsökonmomie
Ich selbst studiere Verwaltungsökonomie, jedoch sind beide Studiengänge in den ersten vier Semester gleich. Man hat Rechts-, Sozial- und Wirtschaftsfächer. Ich habe 2011 mit dem studieren angefangen, kann also nur zu meiner Studiengangsordnung etwas sagen. Der Studiengang wurde 2013 neu akkreditiert, so dass sich leichte Änderungen ergeben haben!
Einblick in das 1. Semester:
Englisch: Wenn man Englisch bis zur Oberstufe hatte, kommt einem der Kurs vor wie die 10. Klasse. B1-Niveau.
Verwaltungswissenschaften: Auch ein einfaches Modul ?
Grundlagen des Rechts (Allg. VwRecht und Verfassungsrecht): Empfand ich als Rechtslaie als eins der schwierigsten Module. Hierfür muss man ohne Rechtskenntnisse richtig viel lernen – Lerngruppen mit Leuten, die eine Ausbildung in der Vw absolviert haben können helfen!
Grundlagen der Wirtschaftswissenschaften: Lernen, lernen, lernen! Keine Angst vor Mathe haben. Spaß an der Materie (anwendungsbezogene Mathematik! ?) und Lerngruppen erhöhen die Chancen die Klausur zu bestehen. Allg. kann ich sagen, dass ich Mathematik in der Oberstufe schlimm fand, jedoch im Studium ist sie sehr anwendungsbezogen und ich kam/komme sehr gut klar damit. Man rechnet keine Integrale aus und fragt sich dann, warum man das im späteren Leben einmal braucht ;)
Europa: Mit Lernen und Interesse an Europa sehr gut zu meistern!
Kommunale Verwaltung und Wirtschaft: Dieses Modul beinhaltet Kommunalrecht. Fand ich als Rechtslaie einfacher zu verstehen, jedoch war die Klausur auch nicht ohne. Das Fach ist vom Dozenten abhängig (wie schwierig die Klausur und wie hoch die Durchfallquote ausfällt).

Dozenten
Überwiegend nett ? Stellt euch eure Schullehrer vor. Genau so sind die Dozenten – es gibt den Strengen, den Kumpeltyp, das Arschloch, die „Mutti“, die Zerstreute etc. etc. etc.
Leider sind einige Vorlesungen sehr dozentenabhängig und da die Hochschule eine FH ist, kann man sich den Dozenten nicht wirklich aussuchen. Der ist im Stundenplan vorgegeben. Jedoch gibt es auch Möglichkeiten dies zu ändern ;) Gibt derselbe Dozent dieselbe Vorlesung „VWL“ Mo, Di und Mi um 14 Uhr, immer in einem großen Vorlesungssaal für die Studiengänge ÖV, VÖ, Europäisches Verwaltungsmanagement und E-Government, so kann man sich aussuchen, in welche Veranstaltung man geht.
1. Fällt es nämlich nicht auf, da der Raum genug Platz bietet für alle Stundeten
2. Bleibt man ja beim selben Dozenten.

Es gibt noch weitere Möglichkeiten den Stundenplan zu verändern.
Bsp: Soziologie. Dozent 1 ist langweilig und hat Mo um 14 Uhr seine Veranstaltung und ist eingetragener Prüfer. Dozent 2 ist bekannt für seine gute Vortragsart und hat in einem GROßen VORLESUNGSSAAL seine Veranstaltung am Do um 9 Uhr. Beide Dozenten stellen am Ende EIN und DIESELBE KLAUSUR. Somit besucht man bei Dozent 2 die Vorlesung (da ja Platz ist! Und wenn man nett nachfragt wird man kaum/nicht abgewiesen (werden)) und schreibt bei Dozent 1 die Prüfung.

Es gibt noch andere Möglichkeiten, die werden dir von uns Studenten „unter der Hand“ am Orientierungstag erläutert. Fakt ist: Die Hochschule hat immer Recht ;) Wenn sie also meint, dass du bei Dozent X die Prüfung schreiben musst, dass ist das so! Es gibt einen „netten“ Aushang am schwarzen Brett, darauf steht: „Dozent = Prüfer!“, d.h. wenn er im Stundenplan eingetragen ist, dass musst du bei diesem Dozenten die Prüfung schreiben. (Ausnahmen bestätigen die Regel, wie im Bsp. Soziologie, der Dozent 2 angeboten hat, dass man bei ihm auch die Prüfung schreiben kann, obwohl man bei Dozent 1 normalerweise Vorlesung und Prüfung hätte. Mit der Regel „Dozent= Prüfer“ soll verhindert werden, dass ein beliebter Dozent 100 Prüfungsanmeldungen hat und ein unbeliebter nur 10 ;)

So, nun habe ich fast nen Roman geschrieben, ich hoffe, ich konnte dir einen Einblick geben!
Zum Schluss noch ein paar Sachen, mit denen du dich in der Hochschule abfinden musst:
- Kaum Wahlfreiheiten!
- Ob Vorlesung, Übung oder Seminar also Untertitel unter einem Fach steht: Ignoriere es. Ich weiß bis heute nicht, wo der Unterschied ist, hätten es mir meine Freunde, die an einer Universität studieren, nicht erklärt. Ein Dozent steht vorne und erzählt was. That’s it.
- Auf dem Gang wie an großen Unis wirst du wohn nie sitzen müssen. Leider gibt es zu wenig „große“ Räume, sondern nur viele Seminarräume mit ca. 30 Sitzplätzen. Die Verwaltung sieht: Okay, wir stecken die 29 Leute, die ÖV studieren in den Raum, dort haben sie dann Öffentliche Finanzwirtschaft (ÖFW). Das passt. - Denkste! Denn ÖFW hat ne hohe Durchfallquote und einige Studenten schreiben das Fach nicht im 3. Semester, so wie es der Regel-Studienplan vorsieht. So kommt es, dass auf einmal 45 Leute sich in dem Raum wiederfinden und der Dozent alle Studenten ausschließt, die nicht „in den Raum gehören“ und auf seine Veranstaltung am Freitag verweist, die im großen Vorlesungssaal stattfindet.
Alles in allem wären also ein paar größere Räume in der Hochschule wünschenswert, sowie mehr Wahlfreiheit!

Feel free to ask!
Liebe Grüße!
---Alle Angaben (besonders die mit Zahlen) wie immer ohne Gewähr!---

Neu ergänzt am 11.06.2014 um 21:29 Uhr