Was bietet die Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg für Jurastudenten an?

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Hi Juli,

Ich habe mich nach meinem Abitur entschieden, Jura zu studieren und mich inzwischen auch schon an einigen Unis beworben. Mein Favorit ist derzeit Die Universität in Freiburg.
Was sind denn eure Erfahrungen mit der Uni? Betreuung, Auslandssemester/-Praktika, Professoren...usw?

Danke schonmal und liebe Grüße Laura

1 Antwort

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Juli

Antwort von Juli 27.06.2014 21:08

Hi Laura,

schön, dass du dich für die Uni Freiburg interessierst! Ich kann dir sagen, dass du mit deiner Wahl nichts falsch machen kannst, Freiburg ist wirklich klasse - in jeder Hinsicht. Kennst du die Stadt, die Räumlichkeiten der Universität und die Region etwas? Wo kommst du denn her? Dann würde ich mich zu diesen Punkten auch äußern...

Die juristische Fakultät der Uni Freiburg ist verhältnismäßig klein, der Austausch zwischen den Mitgliedern intensiv, es kennt fast jeder jeden. Die Professoren sind in ihren einzelnen Bereichen nicht nur sehr renommiert, sondern auch jederzeit ansprechbar und an den Studierenden interessiert. Die Studierenden werden ernst genommen und wertgeschätzt, was ich persönlich sehr wichtig finde und gleichzeitig weiß, dass das nicht überall so der Fall zu sein scheint. Das Klima unter den Studierenden ist auch sehr positiv: Kompetitiv, ja, aber mehr im Sinne von "sich gegenseitig antreiben". Es herrscht ein ziemlich großer Zusammenhalt - man hilft und unterstützt sich gegenseitig. Die jährlichen Examensergebnisse fallen weit überdurchschnittlich aus, in Baden-Württemberg ist die Freiburger Fakultät an der Spitze.

Einen Erasmus Aufenthalt nehmen hier sehr viele wahr, es gibt vielfältige Partnerschaften mit europäischen Universitäten, darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit (nicht über Erasmus, sondern über den DAAD direkt), an eine Partnerfakultät nach China zu gehen. Ich persönlich war ein jahr in Frankreich, Orléans. Jedes Sommersemester werden Veranstaltungen im amerikanischen und englischen Recht angeboten. Das ist das sogenannte Gastprofessoren-Programm. Die Fakultät kooperiert da insbesondere mit Harvard, Michigan und Cambridge. Es gibt viele zusätzliche Angebote wie z.B. die "Französische Rechtsschule" oder die "Zusatzausbildung im internationalen, europäischen und ausländischen Recht", die ich bspw. absolviere. Im Rahmen dieser Zusatzausbildung, bei der man am Ende ein Zertifikat und ein Zeugnis der Uni erhält, hatte ich heute z.B. noch eine Vorlesung im contract law bei Neil Andrews vom Clare College der Uni Cambridge. Die Uni Freiburg ist zudem die bislang einzige Universität, an der Harvard eine Außenstelle außerhalb der USA eingerichtet hat (http://www.badische-zeitung.de/freiburg/harvard-richtet-eine-kleine-aussenstelle-in-der-universitaet-freiburg-ein--48403778.html).

Praktika werden laut der Studienordnung des Landes insgesamt 3 Monate lang absolviert. Davon muss eins in der Rechtspflege (also Anwaltschaft, Unternehmen oder Justiz) und das andere in der Verwaltung durchgeführt werden. Man kann die drei Monate auch in 3 x 4 Wochen aufteilen, also drei Praktika absolvieren. Wo man das tun will, ist jedem Studierenden selbst überlassen - Möglichkeiten gibt es en masse... Seitens der Fakultät kann man aber auch in dieser Beziehung Beratung und Unterstützung erhalten, es gibt sogar Bewerbungstrainings.

Die Studierendenschaft ist auch sonst sehr aktiv. Wir haben viele hochkarätige Orchester, auch eines der juristischen Fakultät. Es gibt eine eigene Tennisplatzanlage der Uni und viele verschiedene studentische Gruppen. Ich bspw. wirke bei unserer Zeitschrift, Freilaw, mit. Das ist eine rechtswissenschaftliche Zeitschrift von Studierenden für Studierende. Es ist keine Schülerzeitung auf Uniebene, sondern die Studierenden können dort bereits während ihres Studiums wissenschaftliche Artikel veröffentlichen (http://www.freilaw.de/). Ganz wichtig ist auch, dass wir mit dem "Ex-o-Rep" ein herausragendes Uni-Repetitorium haben. Viele nutzen dies und es ist eine wirkliche Alternative zu den kommerziellen Anbietern Alpmann und Schmidt oder Hemmer. Die Unibibliothek wird gerade neu gebaut, wird zum Herbst fertig sein und schaut bisher gar nicht schlecht aus (http://www.tv-suedbaden.de/storage/thumbs/r:1391506190/38198.jpg). Die Fakultät ist zudem auch in diversen internationalen Wettbewerben seit jeher sehr erfolgreich.

Ich bin jemand, der sich viel mit Studienbedingungen und Orten auseinandersetzt und muss sagen, dass ich mir in Deutschland keinen schöneren und besseren Ort vorstellen kann, Jura zu studieren. Vielleicht stellt man sich auch die Frage, ob die Bucerius Law School etwas für einen wäre, weil dort ja ein alternativer, in der Form einzigartiger Weg, zum Examen angeboten wird. Ein Schulkollege von mir, mit dem ich zusammen Abitur gemacht habe, studiert an der BLS. Wir hatten uns damals zusammen bei "Startschuss Abi" die Präsentation der Law School angesehen. Er war von dem Konzept sehr angetan, mich hat es nicht angesprochen. Der Unterschied ist, dass das Studium an der Law School von A bis Z durchstrukturiert ist und man so nur sehr wenig Freiraum hat, "eigene Wege" zu gehen. Ich persönlich empfinde es als Privileg, mit dem Jurastudium an einer staatlichen Universität noch ein Studium im "klassischen" Sinne, d.h. ohne verschulte Strukturen, wie sie es ja inzwischen auch in allen Bachelor und Master Studiengängen gibt, absolvieren zu können.

Hoffe, ich konnte dir schon mal einen ganz interessanten Überblick verschaffen.

Liebe Grüße aus Freiburg, Julia

Neu ergänzt am 27.06.2014 um 21:08 Uhr