Details zum Studiengang Kulturwissenschaften

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Hi Nikola,

ich interessiere mich für den Studiengang Kulturwissenschaften allerdings sind die Infos auf den Webseiten der Unis für meinen Geschmack nicht sehr aussagekräftig. Ich möchte in erster Linie mehr über die Studieninhalte im Detail erfahren sowie über die Vorraussetzungen/Interessen die man mitbringen sollte. Über deine persönlichen Erfahrungen (Vorteile, Nachteile, würdest du dieses Studium empfehlen und warum, etc) würde ich mich sehr freuen.

Vielen Dank

Rayla

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Antwort von Nikola 14.08.2014 19:39

Hallo Rayla,

grundsätzlich hängt die Ausrichtung des Studiengangs von der Uni ab, an der Du studieren möchtest. Die Inhalte beziehen sich im Groben auf den Begriff der Kultur in seinen verschiedenen Facetten und verschiedene Kulturtheorien und die Geschichte der Kultur. So lernt man den doch recht weit gefassten Begriff zu definieren und anzuwenden. Die Theorien beziehen sich dann auf eine kritische Betrachtung der so genannten Kulturindustrie (Manipulation der Menschen durch Massenmedien) oder die britischen Cultural Studies oder Encoding-Decoding, was sich mit der Kommunikation befasst.

An der Leuphana Universität Lüneburg, an der ich studiere, gehört das zu den Grundthemen, den so genannten Paradigmen. Dazu können wir verschiedene Perpektiven, also Vertiefungen wählen. Da haben wir z.B. Baukultur, Literatur, Kulturtheorie, Kulturorganisation und -kommunikation, Medienkultur und Kommunikation etc. Innerhalb der Vertiefung kann man verschiedene Module wählen. In der Vertiefung Medienkultur und Kommunikation können das z.B. Mediengeschichte, Medienkommunikation und Gesellschaft, Medienrezeption oder Theorien und Praxis sein. In der Vertiefung Kulturkommunikation und -organisation geht's dann darum, wie man Kulturveranstaltungen organisiert und dazu auch wieder reichlich Theorien oder wie man Kulturmarken wie z.B. bestimmte Festivals findet und vermarkten kann. Dazu kann man an der Leuphana noch Tourismus und Geschichte als Wahlfächer dazu wählen. Bei Kulturraumentwicklung analysiert man z.b. wie sich der Raum Norddeutschland unter kulturellen Aspekten entwickelt hat. Zu den anderen Vertiefungen kann ich Dir leider nicht viel sagen, weil ich mit denen nichts soweit zu tun hatte.

Wie gesagt, die Organisation und die genauen Inhalte hängen von der Ausrichtung der jeweiligen Uni ab. Tübingen z.B. hat sich auf die Alltagskultur spezialisiert.

Um es grob zusammenzufassen: Kulturwissenschaften beschäftigen sich mit der Geschichte der Kultur, verschiedenen Theorien und Begriffsdefinitionen. Außderdem je nach Ausrichtung mit Themen, die sich im weitesten Sinne mit Kultur befassen: Medien, Gesellschaft, Gender Forschung, Architektur, Religionen,....

Interesse solltest Du an der Kultur selbst haben und an dem, was man unter "Kultur" so verstehen könnte. Dadurch dass Kultur eigentlich alles ist, womit wir in Verbindung kommen, hat man schnell einen Bezug zum Thema. Du solltest keine Angst haben, Texte zu lesen und Du solltest offen für unterschiedliche Perspektiven sein. Du solltest Spaß daran haben, im kulturellen Bereich zu arbeiten: das kann ein Museum, oder Festival, oder komplettes Veranstaltungsmanagement sein. Oder möglicherweise sogar Filmarbeit oder Literatur. Mit einem Bachelor in Kulturwissenschaften bist Du sehr breit aufgestellt und je nach Seminaren/Vorlesungen und auch je nach Auslegung der Themen kannst Du fast überall arbeiten.

Da bin ich auch schon bei den Vorteilen. Dadurch, dass es so breit gefächert ist, ist man nicht richtig auf einen Job oder eine Branche festgelegt. Allerdings weiß man von vielem dann eben doch auch nur ein bisschen. Da sollte man sich durch Praktika ein bisschen Erfahrung aus der Praxis aneignen, um seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen und sein Profil ein wenig zu gestalten. Im Master kann man sich ja dann noch weiter spezialisieren. Ich bin auf jeden Fall zufrieden mit meiner Wahl und habe gemerkt, dass es genau das Richtige für mich war. Einfach weil ich viel zu viele verschiedene Interessen habe, und so zwar einen ersten Bildungsabschluss erhalte, aber noch nicht in eine Schiene gesteckt werden muss. Es ist also ein perfekter Studiengang für alle diejenigen, die in irgendeiner Weise im kulturellen Bereich tätig sein möchten, aber noch nicht genau festgelegt sind. Oder aber für diejenigen, die durch das Studium die entsprechenden Kompetenzen erwerben möchten, um hinterher in einem ganz bestimmten Bereich tätig sein zu können.

Ich hoffe, ich konnte Dir helfen. Wenn Du noch mehr Fragen hast, melde Dich gerne, ansonsten wünsche ich Dir viel Erfolg bei der Entscheidungsfindung und letztlich beim Studium selbst.

Liebe Grüße

Nikola

Neu ergänzt am 14.08.2014 um 19:39 Uhr

Antwort von Tanja 14.08.2014 20:47

Hallo Rayla,

was ich bisher so mitbekommen habe, ist das Studium der Kulturwissenschaften an den verschiedenen Unis ganz unterschiedlich aufgebaut. Ich studiere KuWi an der FernUni Hagen und kann Dir daher nur berichten, wie an meiner Uni das Studium abläuft. Bei uns sind im KuWi-Studium 3 Fächer als Schwerpunkte beteiligt, nämlich Geschichte, Philosophie und Literaturwissenschaft. Man wählt einen Schwerpunkt, z.B. Geschichte und studiert in diesem Fach alle 6 angebotenen Module. Hier wiederum ist Geschichte als Gesamtfach zu studieren, also nicht nur Alte Geschichte oder Neuere Geschichte. In einem weiteren Fach (Nebenfach) wählt man 3 Module, z.B. in Literaturwissenschaft, wobei auch im Nebenfach das Einführungsmodul Pflicht ist, die beiden anderen Module frei aus dem Fach wählbar sind. Da man für einen Bachelor 11 Module abschließen muss, sucht man sich neben dem Haupt- und Nebenfach noch zwei weitere Module aus, z.B. aus dem dritten angebotenen Fach (hier z.B. Philosophie) oder aus dem Wahlbereich. Wahlmodule wären z.B. aus der Soziologie oder Internationale Studien.

Bei einem KuWi-Studium mit Schwerpunkten, bzw. Wahl von Haupt- und Nebenfach, muss man sich natürlich für die jeweiligen Fächer interessieren. An der Uni Hagen sind gute Englischkenntnisse außerdem nicht verkehrt, da einige Texte nur in Englisch sind. Wählt man Geschichte als Schwerpunkt, sind Lateinkenntnisse an manchen Unis Voraussetzung. An der FernUni Hagen werden Lateinkenntnisse nicht vorausgesetzt, würden aber beim Schwerpunkt Geschichte nicht schaden. Bisher bin ich aber auch ohne Lateinkenntnisse gut zurecht gekommen.

An manchen Unis ist Kulturwissenschaften ein Gesamtfach ohne Schwerpunktbildung oder es gibt nur geringe Wahlmöglichkeiten. Deshalb solltest Du Dir vorab auf jeden Fall die Studienordungen der Unis genau durchlesen. Interessieren Dich die Fächer, die am Studiengang Kulturwissenschaften beteiligt sind? Kannst Du Deine Wunschfächer miteinander kombinieren oder gibt es hier Beschränkungen?

Das KuWi-Studium an der FernUni Hagen kann ich sehr empfehlen, weil man zwischen mehreren Fächern wählen kann und durch die Zusammenstellung der Module sehr vielseitig und abwechslungsreich sein kann. Es gibt noch einen alten, auslaufenden KuWi-Studiengang an meiner Uni ohne Schwerpunkt, den hätte ich ehrlich gesagt nicht studieren wollen, weil es fast nur Pflichtmodule gab. Ich habe den Schwerpunkt Geschichte und das Nebenfach Literaturwissenschaft gewählt und würde später gerne mal im Bereich Museum oder in der Erwachsenenbildung arbeiten. Ich bin der Meinung mein KuWi-Studium bereitet mich hier sehr gut auf diese Tätigkeiten vor. Allerdings erwäge ich nach dem Bachelor noch einen Master anzuhängen.

Hast Du denn schon bestimmte Unis in der näheren Auswahl? Wenn ja, könnte ich mir mal die Studienordnungen durchlesen und Dir dann vielleicht noch näheres sagen.

LG

Tanja

Neu ergänzt am 14.08.2014 um 20:47 Uhr

Antwort von Katrin 08.09.2014 00:50

Hi Rayla!

Generell kann ich sagen, dass das Studium viele verschiedene Möglichkeiten lässt, wie du wahrscheinlich schon gesehen hast, besteht der Studiengang aus 3 Fachbereichen, das heisst die Bandbreite an Seminaren ist ziemlich hoch, und 40 von deinen 180 ECTS wirst du ja auch in externen Modulen machen, das heisst da kannst du auch nochmal in andere Fachbereiche reinschauen, das fand ich sehr gut, nur kommt man sich dabei auch hin und wieder etwas verloren vor, weil du eben kein festes Profil vorgegeben kriegst, sondern dir entweder selber einen Schwerpunkt suchst (zum Beispiel Schwerpunkt Asiatische Religionen und Nebenfach Japanisch/Chinesisch) oder die studierst wild durcheinander, das hab ich gemacht, lol, Kunstgeschichte, Arabisch, Radio- und Fernsehkultur, was du eben willst. Im Bachelor finde ich das auch nicht so problematisch, nicht so festgefahren zu sein, muss aber jeder selber wissen, allerdings am besten früh Gedanken machen.

Als kleinen Einblick hier ein paar Seminare, die man zu meiner Zeit belegen konnte:

Streiten und Streitkultur aus kulturwissenschaftlicher Sicht

Museumspädagogik und Ausstellungsplanung

Die Sprache und Kultur der Guaraní in Paraguay

Leben und Alltag in Kriegsgebieten

Mediation im interkulturellen Bereich

Rites of Passage in verschiedenen Kulturen

Kulturgeschichte der Geburt

Zur Kulturgeschichte des Bieres

Radio- und Fernsehworkshop

Du siehst, es kann in alle Richtungen gehen ;) Als Vorraussetzung würde ich sagen, du solltest dem Lesen nicht abgeneigt sein, es wird einem in jedem Seminar meist Literatur zur Vorbereitung vorgelegt, viel davon auf Englisch, im Fachbereich Kultur- und Sozialanthropologie auch immer mal wieder Spanisch (Schwerpunkt Lateinamerika). Die Prüfungsleistungen sind fast immer Präsentationen und Hausarbeiten, du wirst wahrscheinlich so gut wie keine Klausuren schreiben, auch darauf sollte man sich einstellen. Du solltest einen gewissen Hang zur Forschung haben, Feldforschung ist Pflichtbestandtteil des Studiums, in der Regel qualitativ, Interviews oder (teilnehmende) Beobachtung wird viel gemacht, manche Kommilitonen haben auch Filme gedreht und Radiofeature estellt, die Möglichkeiten sind vielfältig. Mit Statistik und quantitativer Forschung hatte ich allerdings nie was zu tun, wer das will, harte Fakten und was greifbareres, der sollte eher Soziologie studieren.

Die Fachbereiche sind klein und persönlich, oft redet man sich nach 1,2 Semestern mit Vornamen an wenn man mit Dozenten redet, du wirst hier keine anonyme Nummer sein, das ist angenehm, und du wirwst auch meistens jemanden finden der dir hilft, wenn du mal irgendwo hängen bleibst.

Ich bin froh, dass ich hier studiert habe, ich hab viel mitgenommen und gerne in Marburg gewohnt. So, das kam jetzt alles spontan aus meinem Kopf raus, wenn mir nochwas einfällt, oder du noch Fragen hast, melde dich!

Neu ergänzt am 08.09.2014 um 00:50 Uhr