Anforderungen und generelles Studienleben

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Hi Torben,

ich würde dich sehr gerne mit einer kleinen Frage belästigen. Und zwar denke ich im Moment über ein Wechsel meines Studiums (Psychologie 3. Semester in Konstanz) nach. Mir ist dieser bisher gelinde gesagt zu "anspruchslos" und zu lernorientiert. Heißt ich war schon immer eher der Versteher als der Lerner und stelle einfach fest, dass weder der Inhalt mir zusagt noch das Studium. Ich komm von einer Spezialschule mit math.-nat Ausrichtung und dachte danach, im Informatischen eher unteres Mittelfeld zu sein, was ich glaube durch mein dortiges Umfeld deutlich höher anzusiedeln ist. Nun überlege ich wenn ich mich exe, was ich alternativ studieren könnte. Meine stärken würde ich im logisch-informatischem und sprachlich-künstlerischem ansiedeln und da kam mir der Gedanke der Medieninformatik.
Nun habe ich da ein paar Fragen und hoffe sie könnten mir beantwortet werden:
1.Wie hoch ist die Präsenszeit innerhalb der Woche an der Uni/wie hoch der Arbeitsaufwand (grob und für die minimalisten unter den Menschen, ich bin unnatürlich faul und lebe das im Regelfall aus, heißt ein kleiner Arschtritt dann und wann tut sicher gut)
2. Ist es einfach "schlechtere" Informatik oder hat man das Gefühl eines sinnvollen Studienganges?
3.Es wird viel von Projekten oÄ geschrieben, was ich schon begrüßen würde, allerdings sieht die Realität dann häufig doch anders aus...wie verhält sich das?
4. Würdest du persönlich zu einem Wechsel raten/was kennst du für Studiengänge, die in eine ähnliche Richtung gehen?

Mir würde jede noch so kleine Antwort helfen, heißt selbst wenn du nur eine Antwort oder eine kleine Bemerkung hast, her damit! Ich hoffe du kennst das Problem der Studiengangentscheidung und kannst mir ein klein wenig helfen.

MFG und besten Dank im Vorraus
Der Basti

3 Antworten

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Antwort von Torben 29.12.2014 17:45

Hi Sebastian,

ich kann dir die Fragen zum Studiengang Medieninformatik an der Uni Duisburg-Essen folgendermaßen beantworten:

1. Die Präsenzzeit an der Uni hängt in diesem Studiengang zu 90% von dir ab. Es gibt nur sehr wenige Anwesenheitspflichten, einige Vorlesungen gibt es auch als online-Stream. Wenn du alles nach Plan besuchst bist du geschätzt bei etwa 25Std/Woche meist lässt sich das auf die Tage Mo-Do verteilen. Freitag nur einzelne Veranstaltungen. Wenn du es in der Regelstudienzeit durchziehen möchtest solltest du schon mit einer 40 Std. Woche rechnen, sonst wirds halt was länger dauern.

2. Der Studiengang versucht immer die Anwendungsbereiche mit einzubeziehen. Die Themenfelder sind aber weit gestreut von theoretischer Informatik über Psychologie und CPU-Programmierung bis zu Verschlüsselungsalgorithmen.. was du am Ende daraus mitnimmst bleibt dir überlassen. Vielleicht noch als Hinweis: Im Bereich Informatik kommt man ohne autodidakitsche Fähigkeiten nicht weiter. Es ist also in jedem Fall wichtig, dass du Spaß daran hast. "Schlechtere Informatik" würde ich es in keinem Fall nennen.

3. Es gibt ein Praxisprojekt, bei dem du in einer Gruppe ein Thema aus einem Themenpool bearbeitest. Und natürlich die Bachelorarbeit, die auch als praktisches Projekt angelegt ist. Außerdem gibt es in vielen Veranstaltungen die Möglichkeit nebenher Projekte durchzuführen. Bei mir waren es 2 verpflichtende "Praktika" und 1 verpflichtendes Übungsprojekt, alle drei Gruppenarbeiten, dazu 1 großes, freiwiliges Projekt im Rahmen einer Übung und sonst kleinere freiwiliige Projekte in den Übungen.

4. Wenn du einen Hang zur Technik hast kann ich dir den Studiengang nur empfehlen, du solltest dir in jedem Fall zutrauen zu programmieren. Es fängt aber alles bei 0 an, also niedrige Einstiegshürde, später wird es dann anspruchsvoller. Und die mathematischen Veranstaltungen sind in jedem Fall anspruchsvoll genug, kann ich verprechen.

Als Alternative kannst du dir an der Uni Duisburg-Essen auch den Komedia-Studiengang anschauen. Das ist in etwa die Light-Version von Medieninformatik, also weniger Technik, mehr Psychologie. Aber einige Veranstaltungen überschneiden sich.

Viele Grüße

Torben

Neu ergänzt am 29.12.2014 um 17:45 Uhr

Nachfrage von Sebastian 29.12.2014 17:53

Habe mich leider verdrückt und wollte mich eigtl. noch umschweifender bedanken bei dir.
Hoffe das ist jetzt nicht komplett falsch was ich mache aber nochmal: Danke für die Antwort!
Programmieren kann ich schon in diversen Sprachen und mathematisch bin ich sicher auch einiges über dem normalem Studienanfängerniveau. Aber alles in allem klingt das bisher sehr nach meinen Vorstellungen. Autodidaktik kommt ja vorallem mit dem Interesse und das war im technischem/informatischem Bereich immer vorhanden.
Besonders interessieren würde mich der "mediale" Aspekt, da ich eine grobe Vorstellung habe wie das erlernen von Inhalten in der Informatik abläuft aber vom Mediakram halt nur autodidaktisch bisher gearbeitet habe. Welche Programme zB werden verwendet in dem Bereich? Ich glaube das wäre meine letzte Frage an dich, dann lass ich dich in Ruhe und es bleibt mir nur übrig dir zu danken und mich weiter zu informieren!
Gruß
DerBasti

Neu ergänzt am 29.12.2014 um 17:53 Uhr

Antwort von Torben 29.12.2014 18:17

Im Schwerpunkt Medieninformatik stehen die einige Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung, es lässt sich also nicht pauschal beantworten. Zu einzelnen Veranstaltungen kann ich dir ein paar Infos bezüglich der Sprachen geben:

Bildverarbeitung: Programmierung in C#
Multimedia: hängt meines Wissens vom Projekt ab, z.B. Android-Programmierung
Usability: JQuery UI Übungsaufgaben
Web-Technologien: Node.js und Javascript Übungsaufgaben
Praxisprojekt: Projektabhängig z.B. Moodle (PHP), SQLSpaces, Android-Programmierung (Java), kann aber auch Entwicklung einer Grafik-API oder was völlig anderes sein.
Datenbanken: DB2 (IBM)
Softwaretechnik: Java und eclipse
AI: Java und eclipse Übungsaufgaben
Programmierparadigmen: Haskell, Ruby, Prolog Übungsaufgaben

Einführung in die Programmierung mit Java. C++ nur Schwerpunkt Ingenieurinformatik.

Allgemein ist das natürlich abhängig von den Vorlieben des jeweiligen Lehrstuhls und kann sich jederzeit ändern. Meist ist auch nur die Verwendung einer bestimmten Programmiersprache vorgegben, mit welchem Tool du das umsetzt ist erstmal zweirangig. In den Vorlesungen geht es auch mehr um die Konzepte. Im Praxisprojekt und in der Abschlussarbeit kannst du dich dann konkreter mit speziellen Anwendungen auseinandersetzen.

Viele Grüße
Torben

Neu ergänzt am 29.12.2014 um 18:17 Uhr

Antwort von Miriam 02.01.2015 19:39

Hi Basti,

bitte entschuldige, dass die Antwort so lange auf sich warten ließ, aber ich war über Silvester in Österreich unterwegs :)

Also erstmal stellst du mir eine Frage zu Medieninfo an der HTW Dresden, ich bin aber an der LMU in München, nur, dass das nochmal klar ist.

Erstmal kurz zu deinen 4 konkreten Punkten:

1.: Wir haben kaum Pflichtveranstaltungen, in den ersten beiden Semestern garkeine. D.h. theoretisch musst du garnicht zur Uni. Wenn du alles nach dem entsprechenden Vorschlägen machst, kommt man so auf 20 bis 25 Wochenstunden."Arschtritte" bekommt man garnicht, da musst du dich wirklich 100% selber kümmern. Bei mir verhielt sich das ähnlich mit der Faulheit, deshalb hab ich im ersten Semester nur eine Klausur à 6 ECTS geschrieben und hänge jetzt etwas hinten nach.

Man kann übrigens auf bis zu 9 Semester verlängern, d.h. wenn mans nicht in 6 schafft, ists kein Problem.

2.: Ob es "schlechtere" Informatik ist, wird unter uns auch viel diskutiert. Was man von außen betrachtet nicht sieht ist, dass die 80% Informatik wirklich 80% reinste Informatik sind, wir sitzen da in den selben Vorlesungen wie die Hauptfachinformatiker. Wir Medieninfos sind zu dem Schluss gekommen, dass wir einfach Informatik mit ein paar kleinen medienbezogenen Veranstaltungen und cooleren Nebenfächern haben. Während die Informatiker z.b. BWL oder Physik wählen und sich dann mit den entsprechenden Vorlesungen rumschlagen müssen, haben wir in den Anwendungsfächern zum Teil speziell für uns ausgerichtete Veranstaltungen, die wirklich auf uns zugeschnitten sind. Das finde ich doch um Längen besser. Der Name "Medieninformatik" ist aber aus meiner Sicht nicht ganz so akkurat gewählt. Aber das ist ja nur ne Nebensächlichkeit :)

3.: Zu den Projekten kann ich nicht ganz so viel sagen, weil ich erst im 3. Semester bin. Die ersten 1,5 Jahre sind das Grundstudium, in dem man hauptsächlich in diese Informatiker-Denkweise reinkommen muss und ein paar Basics lernt. Was ich als Projekte bezeichnen würde waren bisher im 2. Semester "Medientechnik", wo wir in kleinen Gruppen Fotos gemacht und bearbeitet; Videos gedreht und bearbeitet und Audios aufgenommen und verarbeitet haben und jetzt im 3. Semester ein riesiges (12 ECTS) Praktikum, in dem man zum ersten mal so richtig praktisch programmiert. Ich bin da in der Softwareentwicklung gelandet und wir haben Die Siedler von Catan programmiert :)

In Zukunft kommen dann die Wahlpflichtsachen, wo man nach seinen eigenen Interessen Praktika wählen kann (in die man aber auch erstmal reinkommen muss). Die sind auch meist recht praktisch und teilweise ziemlich cool, was ich so mitbekommen hab.

4.: Ich bin bestimmt nicht in der Position dir zu einem Wechsel zu raten oder nicht. Das ist eine Sache, wo wir alle ganz allein durch müssen :D Aber ich kann dir meine Erfahrung dazu schildern. Ich hab MI damals gewählt, weil ich nach etwas gesucht habe, mit dem ich mich später sowohl rational-analytisch als auch kreativ-gestalterisch ausleben kann.

Im Laufe der Zeit musste ich aber feststellen, dass der Designanteil ziemlich zu kurz kommt und es wirklich 80% Informatik ist. Also ultratheoretisch (bis zum ersten Semester), also z.b. wie ist ein Computer im kleinsten Detail aufgebaut oder wie arbeiten Betriebssysteme. Damit hab ich ziemlich gekämpft, weil mich sowas nicht wirklich interessiert. Deshalb hab ich auch überlegt nach Ingolstadt zu wechseln und dort User Experience Design an der FH zu machen. Das scheint mir auch immer noch eine coole, praktisch orientiertere Alternative. Hab ich dann doch dagegen entschieden, weil ich schon so viel Zeit reingesteckt hab und das Praktikum aus dem aktuellen Semester mich überzeugt hat, dass es doch was für mich ist)

Vielleicht noch ein paar Sachen, die mir einfallen:

  • Du sagst, du studierst Psychologie, das würde vermutlich bedeuten, dass du dir - falls du so wie ich das Anwendungsfach Mensch-Maschine-Interkation (Mischung aus Design, Statistik, Psychologie) wählst - dir die Grundbegriffe der Psychologie 1+2 à je 3 ECTS anrechnen lassen könntest. Mehr aber vermutlich nicht - bisschen mager für 3 Semester Zeitaufwand aus meiner Sicht.
  • Es heißt überall, für den Studiengang benötige man keine Vorkenntnisse. Das stimmt aus meiner Sicht nicht ganz. Ich würde sagen, für die Regelstudienzeit braucht man definitiv Vorkenntnisse. Vorausgesetzt du willst was lernen. Wenn du dich immer nur ne Woche lang auf die Klausuren vorbereitest, schaffst dus bestimmt auch in 6 Semestern, aber dann kannst du halt danach nicht viel :D
  • von allen Anwendungsfächern (BWL, KW, Gestaltung oder MMI) kann ich dir nur MMI ernsthaft empfehlen. Liegt aber vlt auch dran, dass ichs selbst gewählt hab, also berücksichtige das ;) Die anderen sind glaub ich eher semi-spannend und auch arbeitsaufwendiger. Aber das ist bestimmt ne Geschmacksfrage :)

Mehr fällt mir erstmal nicht ein. Falls du noch weitere Fragen hast oder irgendwo mehr Details willst, sag einfach Bescheid :)

LG, Miriam

Neu ergänzt am 02.01.2015 um 19:39 Uhr

Nachfrage von Sebastian 02.01.2015 19:56

Hallo Miriam,
erst einmal besten Dank für deine Antwort es hat mich sehr gfreut und mir geholfen!
Ich denke wir sind aus ähnlichen Gründen auf Medieninformatik gekommen da auch bei mir einerseits eine rational-technische Seite ist, die mich interessiert es weiteren aber uach die künstlerisch-sprachliche. Insofern war es mal gut zu erfahren, was du so davon denkst.
Ich wünsche dir ein frohes neues und bedanke mich noch einmal für deine Antwort!

Neu ergänzt am 02.01.2015 um 19:56 Uhr

Antwort von Miriam 20.05.2016 13:44

Gerne, danke dir :)
Neu ergänzt am 20.05.2016 um 13:44 Uhr

Antwort von Fachschaft Technik 04.01.2015 19:04

Hi Basti,
Ich versuche deine Fragen mal möglichst gut zu beantworten. Falls noch weitere entstehen, etc. komm doch mal in der Fachschaft vorbei (C3-155) oder schreib an fachschaft[Klammeraffenzeichen]techfak.uni-bielefeld.de

Wenn du eher Konzepte, statt Details lernst, dann bist du in der Informatik bzw. in den Naturwissenschaften gut aufgehoben. Natürlich kommt man auch da nicht ohne Lernen aus, aber du musst nicht ständig Faktenwissen in deinen Kopf transferieren. Da ich Kognitive Informatik studiere, kann ich dir bei Medienwissenschaften natürlich keinen detaillierten Informationen geben, aber viele Module überschneiden sich in den ersten Semestern.

Zu deinen Fragen:

1. Anwesend sein musst du eigentlich nur in den Mathetutorien. Bei Vorlesungen musst du immer selbst entscheiden, ob du hingehst, aber das wird ja in der Psychologie genauso sein. Viel Zeit verwendet man in den ersten Semestern für Matheübungszettel (hier musst du 50% der Punkte für die Zulassung zur Klausur erreichen). Wenn du aber in der Oberstufe einen Leistungskurs hattest und / oder generell gut in Mathe warst, solltest du weniger Zeit für die Übungszettel brauchen. Zwischen 4 und 8 Stunden können da aber pro Woche gerne mal drauf gehen. Bei den Zetteln wird aber davon ausgegangen, dass du sie nicht alleine bearbeitest, sondern zu zweit.
Generell gilt, dass du Übungszettel bearbeiten musst und dort eine gewisse Zahl punkte erreichen musst, um an der Klausur teilzunhmen oder das Modul zu bestehen.

2. Man hört natürlich immer wieder „Pixelschupser“, aber die Frage ist natürlich, was du (mit bzw. nach deinem Studium) machen willst. Wenn du deine kreative Ader ausleben willst, bist du dort sicher besser aufgehoben. Als KOI oder NWI wirst du viel mehr mit Implementation von Code, Mathe, Theorie, etc. zu tun haben, sprich es ist „crunchy“.

3. Ein Projekt ist natürlich Grundlagen der Projektentwicklung, wo man im ersten Modulteil ein fiktives Projekt im Alleingang oder Teilkooperation entwickelt und im zweiten Modulteil in einer großen Gruppe ein Projekt für eine Firma, da mit der Technischen Fakultät kooperiert, entwickeln muss. Aber soweit ich weiß gibt es auch bei Paul John in Medientechnik Projekte, aber da musst du einen Medieninformatiker fragen.

4. Wenn dich der anfangs genannte Punkt ständig beschäftigt, dann würde ich sagen, dass du den Studiengang wechseln solltest. Du stellst dir dann ja die Frage, „Werde ich mit dieser Art von bzw. diesem Studium später das machen, was ich vorhabe?“. Die Entscheidung ist natürlich ein größerer Schritt. Du kannst natürlich auch zur Studienberatung der Uni gehen oder du unterhälst dich noch mit ein paar Leuten, die bereits im Bereich Informatik studieren bzw. studiert haben. Alternativen sind natürlich Kognitive Informaitk (KOI), Naturwissenschaftliche Informatik (NWI) und Bioinformatik und Genomforschung (BIG), wobei die Namen schon deutlich machen, dass die Schwerpunkte anders liegen, aber der Kern natürlich Informatik ist. Um schnell einen Überblick über die entsprechenden Module zu haben, die in den Fächern von dir erledigt werden müssen, gibt es Modulpläne, die du unter www.techfak.uni-bielefeld.de finden kannst (im Moment ist der Server leider offline, musst du also die Tage nochmals versuchen). Alternativ kannst du über https://ekvv.uni-bielefeld.de/sinfo/publ/Home.jsp auf den jeweiligen Studiengang gehen und dort auf „Modulliste“ gehen. Das ist zwar nicht so übersichtlich wie die kompakte Grafik, da auch alle Veranstaltungen auftauchen von denen man für ein Modul eine Auswahl trifft, aber es sollte dir trotzdem weiterhelfen.

Viele Grüße
Tobias

Neu ergänzt am 04.01.2015 um 19:04 Uhr