Woher wusstest du, dass das Medizinstudium der richtige Studiengang ist?

Profil von Corinna

Hi Fachschaft Medizin Heidelberg,

kurz und knapp eine Frage:

Woher wusstest du, dass die Medizin der richtige Studiengang für dich ist?

Lang und ausführlich der Hintergrung:

Nach meinem Abitur 2013 mit einem Schnitt von 2,2 habe ich zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Krankenhaus gemacht. Die Arbeit auf der neurochirurgischen Station war unglaublich spannend! Ich habe bei diversen Operationen und Untersuchungen zu sehen dürfen und die Erfahrungen haben mich definitiv in meinem Berufswunsch bestärkt. Um Wartesemester zu sammeln startete ich erstmal eine Ausbildung - im wirtschaftlichen Bereich, da ich auch mal etwas anderes kennen lernen wollte. Man kann ja nie wissen, ob etwas perfekt ist wenn man nichts anderes ausprobiert hat,oder? Am Studiengang der Medizin hänge ich immer noch. Einzig dieses Studium ermöglicht mir unglaublich viel zu lernen; zu lernen wie der Mensch funktioniert. Mein Traum war es immer, in einem Krankenhaus zu arbeiten. Die Arbeit ist unglaublich abwechslungsreich, ich habe eine !sinnvolle! Arbeit und kann diese auch auf der ganzen Welt verrichten. Doch ich werde mir in diesem Berufswunsch immer unsicherer. Zumal ich für mein Studium wahrscheinlich ins Ausland gehen müsste, was doch ein sehr großer Schritt ist. Einerseits interessiert mich, wie ein Tumor entsteht. Aus welchen Molekülen/Atommen die Zelle besteht, finde ich jedoch ziemlich uninteressant. Mich interessiert der Mensch als ganzes, als Person; jedoch nicht alleine sein Verdauungstrakt/Herz/Lunge/etc. Zudem finde ich Fächer wie Geschichte, Sozialkunde und Psychologie auch wahnsinnig spannend. Generell jegliches Allgemeinwissen. Im Medizinstudium jedoch werde ich wahrscheinlich nichts davon lernen können?

Ich muss sagen, ich bin mittlerweile am verzweifeln. Selbst knapp 2 Jahre nach dem Abitur habe ich noch keinen Plan. Mein einziges Glück ist, dass ich mein Abitur mit 16 Jahren geschrieben und mir dadurch die paar Jährchen Überlegungszeit "gönnen" kannn :)

Über deine Antwort freue ich michr sehr. Es tut mir unglaublich Leid, wie ausführlich diese Frage geworden ist, jedoch ist es mir unmöglich meine Unsicherheit in zwei Sätzen zum Ausdruck zu bringen.

Liebe Grüße aus Bayern!

2 Antworten

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Antwort von Fachschaft Medizin Heidelberg 13.01.2015 11:32

Liebe Corinna,

vorab möchte ich darauf hinweisen, dass meine Antwort sehr subjektiv sein wird, da jeder die Entscheidung für oder gegen einen Studiengang nach den eigenen Interessen, Begabungen oder Persönlichkeitsstrukturen selbst abwägen und treffen muss. Ich werde mich aber darum bemühen, dir auf deine faktischen Fragen möglichst genau Auskunft zu geben in der Hoffnung, dich damit in deiner Wahl zu unterstützen.

Zunächst will ich dich in deinem bisherigen Eindruck gerne bestätigen: Die Arbeit als Mediziner ist sehr erfüllend, der Beruf des Arztes zwar unwahrscheinlich verantwortungsvoll und mit hohen psychischen und physischen Anforderungen verbunden, aber auch sehr bereichernd, abwechslungsreich, vielfältig und, wie du es treffend ausgedrückt hast, "sinnvoll".
Für mich persönlich stand deswegen von Beginn an fest, dass ich auch gerne dazu bereit bin, Module zu absolvieren, die mich vielleicht nicht ganz so sehr interessieren, wenn am Ende des sechsjährigen Studiums mein Herzenswunsch, in der Medizin zu arbeiten, in Erfüllung gehen wird.
Sicher ist aber eines: Wenn du lernen möchtest, wie der Mensch funktioniert oder wie ein Tumor entsteht, kommst du an der Zellbiologie, bzw. den naturwissenschaftlichen Grundlagen nicht vorbei. Diese sind außerdem mehr als sinnvoll und notwendig, weil es sehr wichtig ist, dass wir als Ärzte zum Beispiel begreifen, wie Medikamente eigentlich wirken - findest du nicht auch, dass man die Mechanismen, die zum Beispiel hinter einem blutdrucksenkenden Mittel stehen, genau kennen muss, um sie beurteilen zu können? Um Gefahren und Vorteile konstruktiv abwägen zu können und einem Patienten die wirklich bestmögliche medizinische Versorgung zu gewährleisten?
In meinen Augen kommt gerade die moderne Medizin, die immer individualisierter und entsprechend auch häufig molekularer wird, nicht ohne diese Grundlagen aus. Außerdem ist es auch im Studium nicht etwa so, dass man die Organe nur als einzelnes betrachtet - man lernt die spezifischen Eigenschaften und Komponenten in Anatomie, Physiologie und Biochemie kennen, vernetzt dieses Wissen aber letztlich zu einem komplexen Kenntnisschatz, der es erlaubt, tiefer in die Medizin und das Verständnis des Menschen als solchen vorzudringen.

Davon abgesehen wird zumindest in der deutschen Vorklinik sogar recht intensiv das Fach "Medizinische Psychologie und Soziologie" gelernt - hier erhältst du also einen guten Einblick, der in der Klinik dann im Fach "Psychiatrie" noch erweitert wird. In Heidelberg wird zumindest "Geschichte der Medizin" als Wahlfach angeboten, in der Klinik steht meines Wissens nach ein Ethik-Modul sogar im Pflichtprogramm. Ich selbst habe das genannte Wahlfach im ersten Semester belegt und war immer mit viel Begeisterung dabei.

Du siehst: Das Medizinstudium ist ein unheimlich vielschichtiges und interdisziplinäres Studium. Wenn du ein neugieriger Mensch bist, der sich für viele Dinge begeistern kann, kann ich mir gut vorstellen, dass du dich in diesem Rahmen sehr wohlfühlen wirst.

Letztlich ist das aber eine Entscheidung, die du nur für dich selbst treffen kannst - ich hoffe, ich konnte dir zumindest einen kleinen, persönlichen Eindruck vermitteln und dir damit weiterhelfen.

Wenn du noch weitere (Rück-)Fragen hast, darfst du sie selbstverständlich gerne stellen.

Mit den besten Wünschen für die Zukunft,

eine Medizinstudentin, die liebt, was sie tut.

Neu ergänzt am 13.01.2015 um 11:32 Uhr

Antwort von Fachschaftsinitiative Medizin Mannheim 08.02.2015 11:32

Hi Corinna,

obwohl ich schon länger mit dem Gedanken spielte Medizin zu studieren, habe ich zunächst auch ein Jahr etwas anderes im wirtschaftlichen Bereich studiert. Aber ich habe gemerkt, dass das nicht das richtige für mich ist. Wie habe ich das gemerkt? Bauchgefühl-so banal wie das klingt. Wenn du für den Beruf Arzt brennst, dann arbeite daran, dass du ihn verwirklichen kannst! Die Inhalte, die dich anscheinend nicht interessieren, sind zwar wichitg und werden gelehrt, sind aber eigentlich nur wirklich relevant in der Vorklinik, also die ersten beiden Jahre. Danach wird es besser und die Themen, die man allgemein mit Medizin verbindet, die dich so interessieren, kommen auf den Stundenplan. Dir geht es da ähnlich, wie vielen meiner Kommiltinonen, die die ersten beiden Jahre kämpfen mussten, jetzt aber sehr zufrieden sind.

An einigen medizinischen Fakultäten besteht auch die Möglichkeit in Medizinethik oder Geschichte zu promovieren, so auch in Mannheim. Du hast danach deinen Doktor med. konntest dich aber mit was komplett anderen mal ausführlich auseinandersetzen, wenn du dir das wünscht! Außerdem gibt es an den meisten Unis ein Studium Generale, wo du fakultativ Kurse in etlichen Themengebieten neben deinem eigentlichen Studium absolvieren kannst!

Mit einem guten Physikum im Ausland (Riga, Österreich, Budapest) kriegst du dann auch einen Platz fürs Hauptstudium in Deutschland-das ist anstrengend und teuer, aber machbar! Du könntest auch im Ausland einen Bachelor machen, der mit Medizin nichts zu tun hat, das wird dir auch als Wartezeit angerechnet! Oder du machst nach deiner derzeitigen Ausbildung noch eine im medizinischen Bereich, es ist kein Beinbruch mit 22/23 Jahren anzufangen zu studieren, da gibt es sehr viele, und die praktische Erfahrung, die du so sammelst ist sehr wertvoll!
Genieße die Zeit probier dich während den Ausbildungen aus! Ob du 42 Jahre oder 39 Jahre lang als Arzt gearbeitet hast, wird wenn du eines Tages zurückblickst, keinen Unterschied für dich machen, aber an deine Erfahrungen jetzt im Büro oder zum Beispiel vielleicht während deiner Ausbildung im Rettungsdienst oder der Osteopathie oder Soziologiestudium in Österreich, die bleiben dir ;)

Ich habe das Gefühl, du zweifelst nicht am Beruf Arzt, sondern an den Hürden und Umwegen dorthin. Aber im Grunden genommen bieten dir solche Hürden und Umwege dir viele Möglichkeiten und verbauen dir nicht währenddessen und danach ein gutes Leben zu führen!

Also höre auf dein Bauchgefühl und lass dich nicht verunsichern ;)

Viele Grüße,

David (Fachschaftsinitiative Medizin Mannheim)

Neu ergänzt am 08.02.2015 um 11:32 Uhr