Welche Eigenschaften und Fähigkeiten sind wichtig für das Molecular Life Science Studium?

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Hi Nachwuchsgruppe Life Science & Junior GBM Hamburg,

Ich werde nächstes Jahr wahrscheinlich mein Abitur machen und mache mir natürlich ein paar Gedanken zu meiner Zukunft. Ich interessiere mich sehr für Wissenschaften, am meisten jedoch für (Mikro- und Molekular-) Biologie und Chemie. Ich bin bei einer Internetrecherche auf diesen Studiengang gestoßen und war sofort begeistert. Allerdings weiß ich nicht, was man für dieses Studium an Eigenschaften und Fertigkeiten mitbringen sollte, und auch für den Beruf später... Ich bin mir nicht sicher, ob ich dieses Studium schaffen könnte und ob ich passende Voraussetzungen dafür habe.

Ich stelle mir das sehr spannend vor, sich immer neues Wissen und neue Erkenntnisse anzueignen. Ich frage mich auch, wie das Berufsleben nach dem Studium aussieht. Ich glaube, dass man in Forschungsteams zusammen an einem Projekt arbeitet, allerdings wer diese Teams zusammenstellt und wie, weiß ich nicht.

Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir antworten würdest. Wenn ich das fragen darf: Was für einen Abiturdurchschnitt hattest du und in welchen Fächern hast du dein Abitur abgelegt? Was war deine Ambition, dieses Studium anzufangen und welche Eigenschaften und Voraussetzungen würdest du als besonders wichtig erachten, um das Studium "durchzustehen"? ;-) Lg, Malena

1 Antwort

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Nachwuchsgruppe Life Science & Junior GBM Hamburg

Antwort von Nachwuchsgruppe Life Science & Junior GBM Hamburg 23.04.2015 12:40

Hallo Marlena,

es freut mich, dass du Interesse an einem biowissenschaftlichen Studium hast und ich beantworte dir deine Fragen gerne.
Sehr wichtige Eigenschaften für ein solches Studium sind vor allem Fleiß und Ausdauer, da du für viele Fächer sehr viel lernen musst. In den ersten Semestern steht vor allem Mathe, Chemie und allgemeine Biologie im Vordergrund. Während du für Mathe und Chemie ein gutes Verständnis und eine gute Auffassungsgabe brauchst, musst du für Biologie gut auswendig lernen können. Während des Studiums wird eine Einführungswoche für Mathe angeboten und auch bei Chemie startet man bei den Grundlagen, sodass ein Einstieg für jeden möglich ist - aber das Niveau ist teilweise recht hoch und die ersten Semester sind daher die schwierigsten.
Nach den ersten Semestern kommen dann im Forgeschrittenenstudium (4 - 6 Semester) die "richtigen" Fächer wie Molekulare Medizin, Zellbiologie und die Wahlfächer. Für diese ist wieder auswendiglernen sehr wichtig. Vor allem für die medizinisch assoziierten Fächer muss man viele Zusammenhänge lernen und behalten können. Allerdings wiederholen sich viele Inhalte innerhalb der verschiedenen Veranstaltungen, sodass das auch gut möglich ist.

Die meisten die bei uns aufgehört haben, haben aus zwei Gründen aufgehört: Zum einen weil ihnen der Anteil an Chemie und Physik zu klein war (nach dem Grundstudium fällt beides beinahe völlig weg) oder zum anderen, weil sie zu viel auswendig lernen mussten. Alle anderen sind in Hamburg eigentlich recht zufrieden, denn auch wenn die Lehre oft kritisiert wird, sind wir im Vergleich mit Studierenden anderer Universitäten gar nicht so schlecht ;-)

Das Thema Job ist schon um einiges komplexer und auch bei uns Studierenden immer im Gespräch. Die meisten halten sich nach ihrem Studium an die akademische Laufbahn, die wie folgt aussieht: Nach deinem Studium (Bachelor + Master, 6 Jahre) promovierst du 3 - 4 Jahre bei einer Forschungsgruppe. In dieser Zeit erarbeitest du ein eigenes Forschungsprojekt, bist also quasi endlich Wissenschaftler. Parallel betreust du Studenten in Praktika und beteiligst dich etwas an der universitären Lehre. Du verdienst in dieser Zeit allerdings ziemlich schlecht (rund 1.100€ netto im Monat). Im Anschluss arbeiten viele als Postdoc (also als richtiger Wissenschaftler) in einer Arbeitsgruppe. Hier bist du nach dem Chef der nächste Ansprechpartner und für mehrere Forschungsprojekte zuständig. Der Verdienst kann sich hier mehr als verdoppeln, ich schätze mal, dass man dann so ~ 3.500€ im Monat verdient (auch nicht viel). Ab da teilt es sich dann auf. Einige sehr gute werden Arbeitsgruppenleiter, leiten also ihre eigene Forschungsgruppe und betreuen andere Doktoranden und Postdocs. Das ist dann ein Job, bei dem man endlich gut verdient, aber auch sehr sehr viel arbeitet und Verantwortung trägt. Viele Andere gehen in die Wirtschaft / Industrie (wo man sehr viel verdient, aber weniger eigenständig forschen kann) oder machen ganz was anderes (z.B. Marketing, Unternehmensberatung etc). Etwa jeder 10. der es sich vornimmt, wird am Ende Professor - aber dafür muss man es wirklich!! wollen.

Zusammenfassend zur Arbeit nach dem Studium. Wenn du eine wissenschaftliche Laufbahn einschlägst, verdienst du anfangs schlecht und am ende gut, bist dafür sehr eigenständig, trägst Verantwortung und kannst (fast) machen was du willst. Allerdings arbeitest du sehr viel und in der Regel auch am Wochenende (50 Wochenstunden kommen als Doktorand oft vor). In der freien Wirtschaft verdienst du in der Regel mehr, kannst dir deine Arbeit aber oft nicht aussuchen. Generell sind gute Naturwissenschaftler sehr gefragt und die Jobaussichten sind eigentlich immer gut. In Hamburg bieten wir viele ausführliche Beratungsangebote zum Thema Promotion (Doktorand) und Job an.

Eine letzte Sache noch - wenn du gut bist, kannst du dir als Naturwissenschaflter aussuchen, woran du arbeitest. Ich gehe zum Beispiel im Januar nach New York um dort an Grippeviren zu arbeiten - mein absoluter Traum :-) Ich denke das ist viel Wert und ein großer Vorteil im Vergleich zum z.B. Bwl- oder Jura-Studium, wo es jedes Jahr sehr viele Absolventen gibt.

Mein Abidurchschnitt war übrigens 1.7, damals waren die NC noch nicht so hoch wie heute. Aber generell sind die Nachrückchancen in HH ganz gut und wenn man es wirklich will, kann man sich auch sehr gut einklagen (bei uns haben es alle geschafft und es sind auch noch alle Einkläger dabei). Nur in Medizin kann man das knicken. Meine Ambitionen waren damals Forscher zu werden, mittlerweile habe ich entdeckt, dass ich lieber an globalen medizinischen Themen arbeiten möchte, wie zum Beispiel an der Seuchenbekämpfung. Dafür ist mein Studium die ideale Voraussetzung und ich bin über meine Entscheidung immernoch sehr glücklich.

Voraussetzungen:

- Sehr gute Chemie-Kenntnisse (oder sehr Fleißig) (nur am Anfang wichtig)

- Gute Mathekenntnisse

- Ausdauer (beim lernen oder wenn es mal ein paar Wochen keinen Spaß macht)

- Vor allem Interesse an den Themen!


Ich hoffe ich konnte dir deine Fragen gut beantworten und habe dich nicht zu sehr abgeschreckt ;-) Wenn du schon in Hamburg bist, kannst du gerne mal zu einer Infoveranstaltung vorbeikommen oder wir kommen an deine Schule und erzählen etwas über unser Studium (das machen wir sowie schon bei vielen Schulen). Sag einfach bescheid, wenn wir noch etwas für dich tun können!

Liebe Grüße

Henning

Neu ergänzt am 23.04.2015 um 12:40 Uhr