2-Fächer PoWi neben dem Bachelor

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Hi Maximilian,

erstmal vielen Dank, dass Du dir Zeit nimmst, um mir zu helfen!

Kurz zu mir: Ich habe gerade die schriftlichen Abi-Prüfungen hinter mir und rechne mit einem Abischnitt von 2,0. Politik und Wirtschaft zählen zu meinen Interesse. Ich war im GeWi-Profil und konnte in WiPo immer zwischen 12 und 14 Punkten erreichen.

Da ich von den Jobaussichten eines reinen Politikstudiums nicht überzeugt bin, überlege ich, Politikwissenschaften als Zweitfach zu wählen. Dazu nun meine Fragen:

Wie umfangreich ist der Studiengang Politikwissenschaft als Zweitfach im Vergleich zum Hauptfach Politkwissenschaften und wie groß ist Deiner Meinung nach der Mehraufwand durch das Belegen eines Zweitfachs im Studium?

Hat man Zutritt zu den normalen Politikwissenschaftsvorlesungen oder ist man eher Politikstudent zweiter Klasse?

Welches Fach kannst Du als Hauptfach empfehlen? Ich habe Lust auf BWL, aber macht das Sinn und kann man überhaupt frei kombinieren?

Muss ich mich direkt für Politikwissenschaften als Nebenfach einschreiben oder kann ich das auch noch im Laufe des ersten bzw. zweiten Semesters meines Hauptfaches tun?

Vielleicht magst Du ja nochmal kurz berichten, welche Fächerkombination du gewählt hast, wie zufrieden du damit bist, ob deine Erwartungen erfüllt wurden und was du beruflich später machen möchtest.

Das sind eine Menge fragen. Vielleicht kannst du ja so viele wie möglich beantworten. Ich freue mich auf Deine Antworten! :)

Viele Grüße, Sören

1 Antwort

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Maximilian

Antwort von Maximilian 18.05.2015 19:21

Hallo Sören,

gleich zu Beginn. Sicherlich werde ich dir nicht alle Fragen umfassend beantworten können, da dafür meine Kenntnisse nicht ausreichen. Ich hoffe dennoch dir weiterhelfen zu können. Ich werde deine Fragen nach und nach "abarbeiten".

Zunächst möchte ich etwas zu den Berufsaussichten von Politikwissenschaften und Sozialwissenschaftlern (hierzu zählen u.a. die Soziologen) etwas sagen:
Es ging mir als ich mich entschieden habe ein Studium aufzunehmen, ähnlich wie dir. Meine Interessen lagen auch im Bereich Politik und Wirtschaft. Ich hatte super Noten in der Schule und habe mich auch privat gern damit beschäftigt. Wenn man sich über das Studium und die Karriereaussichten informiert, kann man es schon mit der Angst zu tun bekommen. Man liesst oft, dass es Politk-und Sozialwissenschaftler schwer haben auf dem Arbeitsmarkt und letztendlich als Taxifahrer enden. Das ist natürlich kompletter Blödsinn!

Die Tatsache, dass es in unserer Gesellschaft dieses Bild gibt, liegt allen voran in der Ausrichtung des Studiums und der Berufsbezeichnung. Es gibt nahezu keine Stellenausschreibungen in denen geziehlt nach Politik/Sozialwissenschaftlern gesucht wird. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass nur weil jemand Politik und Wirtschaft oder Gesellschaft studiert, der Weg nicht schlussendlich auch in einen Job endet, welcher genau damit zu tun hat. Es geht im Politikwissenschaftsstudium weniger darum ausgebildet zu werden für einen einzigen Beruf. Man kann schlicht und ergreifend nach dem Studium nicht sagen, man ist Politikwissenschaftler und wird in diesem Bereich Arbeit finden.

Das ist auf der einen Seite ein Nachteil, insbesondere wenn einem Planungssicherheit und das Hinarbeiten auf ein bestimmtes Berufsziel wichtig sind, auf der anderen Seite aber auch eine große Chance. Politik-/Sozialwissenschaftler arbeiten oft in Positionen in denen man sich nicht vermuten würde. Beispielsweise ist der Vorstandsvorsitzende vor Airbus studierter Politikwissenschaftler. Auch in Wirtschaftsunternehmen, beispielsweise in der Presse-und Kommunikations Abteilung, bei Verlagen und Zeitungen und nicht zuletzt in der Verwaltung der Länder und des Staates findet man Politk-/Sozialwissenschaftler. Du siehst also, dass die Berufsaussichten im Sinne der Offenheit alles andere als schlecht sind.

Dazu gehören aber natürlich Risikobereitschaft, Durchhaltevermögen und eine gewisse Lockerheit, die man braucht um sich selbst zu beruhigen, dass aus einem selbst schon noch was wird und man nicht als Taxifahrer endet ;)...Diese Ängste werden kommen. Das ist ganz normal wenn man etwas studiert, dass in keinen klar definierten Beruf mündet. Das Studium von Sozialwissenschaften erfordet ein sehr viel höheres Maß an Disziplin als andere Studiengänge. Nicht wegen der Inhalte oder Schwierigkeit, sondern weil man sich nicht abschrecken lassen darf von den offenen Berufsaussichten. Man muss es als Chance sehen nicht als Einschränkung.

Soviel zu den Berufsaussichten.

Ich selbst studiere im Hauptfach Soziologie. Was ich damit machen will? Um ehrlich zu sein. Ich habe keine Ahnung. Ich kann mit die öffentliche Verwaltung genauso gut vorstellen, wie ein Volontariat bei einer Zeitung, oder die Presseabteilung eines großen Unternehmens oder eines Verbands. Soziologie ist der Politikwissenschaft ähnlich. Viele Veranstaltungen/Seminare (Vorlesungen gibt es nur wenige) sind sowohl für Soziologiestudenten wie auch Powistudenten geöffnet. Es wird dabei auch in keinster Art und Weise unterschieden ob man Hauptfach oder Nebenfachstudent ist. Eine Unterteilung gibt es da nicht, was natürlich zur Folge hat, dass Hauptfach wie Nebenfachstudenten die gleiche Leistung erbringen müssen und damit auch den gleichen Arbeitsaufwand haben.D.h. bei Klausuren, Hausarbeiten und Referaten wird kein Unterschied gemacht. Du brauchst also keines Fall Angst haben als Student 2. Klasse betrachtet zu werden.

Ich bin mit meiner Wahl sehr glücklich weil es mehr noch als ich erwartet habe mein Interesse in gesellschaftliche Zusammenhänge fordert und erweitert. Was ich vor allem durch das Studium nicht mehr missen möchte, ist die Fähigkeit kritisch zu denken. Das klingt vielleicht banal, weil man meint, dass man das ohnehin beherrscht. Allerdings öffnet einem diesen Studium in vielerlei Hinsicht die Augen. Das ist nicht immer schön, da man dadurch sich selbst und der Gesellschaft auf die Schliche kommt und vieles auf einmal in einem anderen Licht sieht, als man das vorher getan hat.

Was den Umfang des PowiStudiums als Nebenfach im Vergleich zum Hauptfach angeht kann ich dir folgendes sagen:

Das Studium im Hauptfach ist in folgende Module gegliedert: (So war es zumindest als ich angefangen habe im Wintersemester 2012/2013)

Propädeutikum - Einführende Vorlesungsveranstaltung mit Tutorium ( 4SWS)
Politische Theorie - 2 Veranstaltungen (4SWS)
Vergleichende Politikwissenschaft- 3 Veranstaltungen (6SWS)
Internationale Beziehungen - 3 Veranstaltungen (6SWS)
Spezialisierung - 2 Veranstaltungen (4SWS)
Forschungskompetenzen 1 - 1 Veranstaltung (4SWS)
Forschungskompetenzen 2 - 1 Veranstaltung (4(SWS)
Praktikum - 2Monate
Abschlussmodul: 1 Kolloquium (2SWS) + Verfassen der Bachelorarbeit

*SWS=Semesterwochenstunden 2SWS entsprechen 90min

Im Nebenfach ist es nun so, dass beide Forschungskompetenzenmodule, das Praktikum sowie das Abschlussmodul entfallen. Du siehts also, dass der Aufwand geringer ist, logisch es ist ja auch nur das Beifach. Soweit ich weiss, ist es in Frankfurt auch nur möglich den dualen Bachelor (also Haupt-und Nebenfach) zu machen. Der 1-fache Bachelor ist nicht möglich, ich hab zumindest weder Kenntniss davon noch Erfahrungen damit.

Grundsätzlich kann ich dir keine Empfehlung ausprechen für ein bestimmtes Fach. Du solltest das wählen was dich interessiert und woran du Freude hast und dich nicht quälen musst. Schließlich musst du mind. 3 Jahre...eher länger, vor allem wenn man den Master machen möchte, mit diesen Inhalten auseinandersetzen.

Klar sein muss dir allerdings, dass du dich egal ob Politikwissenschaft, Soziologie oder BWL in Massenstudiengängen befindest. In meinem Propädeutikum saßen 800Leute Erstsemester. In BWL sind es noch mehr. Auch das darf einen nicht abschrecken.

Wichtig ist es Erfahrungen zu sammeln, die Zeit die sich einem bietet für Praktika zu nutzen und alles auszuprobieren was einen interessiert ohne sich von Studienzeitvorgaben verunsichern zu lassen.

Ich habe viele Kommilitonen die Politiwissenschaft als Hauptfach und BWL als Nebenfach bzw. umgedreht studieren. Die Kombinantionsmöglichkeiten in Frankfurt sind da nahzu unbegrenzt.

Du kannst auch zu einem späteren Zeitpunkt ins Politikwissenschaftsstudium wechseln, bzw. es auch erst später beginnen. Allerdings würde ich dir ans Herz legen, dass nochmal bei der Studienberatung des Fachbereis nachzufragen um keine Nachteile oder Konsequenzen zu spüren. Wichtig zu wissen ist, dass das Studium in der Regel nur zum Wintersemester aufgenommen werden kann, da nur da das Propädeutikum angeboten wird. Aber wie gesagt hier verweise ich auf die Studienberatung. Die können dir im Detail Auskunft über alles geben was mit der Struktur und dem Verlauf des Studiums zu tun hat.

Ich hoffe ich konnte dir ein wenig weiterhelfen. Wenn du noch mehr Fragen hast, oder sich aus meinen Antworten neue Fragen ergeben haben, immer raus damit. Mir ist mehr als einmal in Vorbereitung auf das Studium und der Frage was ich eigentlich machen will, der Geduldsfaden gerissen. Deshalb bin ich froh, wenn ich dazu beitragen kann, vielleicht einige Fragen zu klären und zur Entspannung beitragen kann. ;)

Beste Grüße
Max

Ps: Sry mit fällt jetzt erst auf wie viel das ist :D Kürzer fassen ging leider nicht^^

Neu ergänzt am 18.05.2015 um 19:21 Uhr

Nachfrage von Ex-User 19.05.2015 11:30

Moin Max,

ich komme auf dein Angebot zurück und stelle noch zwei kleine Nachfragen.

So wie ich es verstanden habe, studierst du Soziologie im Hauptfach und PoWi als Nebenfach? Wenn das zutrifft, würde mich interessieren, was das für ein Bachelor-Modell ist, welche Gewichtung die Fächer haben (Kombi.- bzw. 2-Fach-Bachelor mit 50:50 oder Haupt- und Nebenfach mit ca. 2/3:1/3) und welchen Abschluss du erlangst (nur den Bachelor im Hauptfach oder 2 Bachelor-Abschlüsse)?

Die zweite Frage bezieht sich nicht direkt auf PoWi: Hast du schonmal erlebt, dass jemand zwei Ein-Fach-Bachelor gleichzeitig macht (z.B. Bachelor in BWL und Bachelor in PoWi)? Ich kann mir nicht vorstellen, ob und wie das funktioniert :D Sorry, aber eine dritte Frage ist mir noch eingefallen: Wenn ich ein Nebenfach belege, geht das dann immer auf Kosten des Hauptfaches? Also komme ich auch mit einem Nebenfach nicht über die 180 Leistungspunkte in einem sechs semestrigen Studium hinaus oder muss ich mir das Nebenfach als Zusatz zum Hauptfach vorstellen (z.B. 180 LP im Hauptfach und 85LP im Nebenfach)?

Vielen Dank nochmal für die bereits beantworteten Fragen! Ich freue mich auf weitere Antworten :)

Viele Grüße

Sören

Neu ergänzt am 19.05.2015 um 11:30 Uhr

Antwort von Maximilian 19.05.2015 15:18

Hey Sören,

klar immer raus mit den Fragen ;)

Also die Gewichtung sieht so aus, dass du insgesamt 180CP (Haupt+Nebenfach) erziehlen musst, von denen 120CP auf das Hauptfach und 60CP auf das Nebenfach, in meinem Fall also Politikwissenschaft entfallen. Hieran siehst du, dass die Gewichtung des Hauptfaches doppelt gegenüber des Nebenfaches zählt. Beide Fächer zusammen ergeben dann zum Schluss die Abschlussnote, in die neben der Note deiner Abschlussarbeit selbst, die Noten aller abgeschlossenen Module miteinfließen. Soweit ich es selbst weiss, erhält man den BA-Abschluss für sein Hauptfach. Aber da bin ich mir nicht 100% sicher.

Du musst jedes Modul mit einer Prüfung (Klausur, Hausarbeit) benotet abschließen. In Powi ist es so, dass beispielsweise ein Modul, exemplarisch nehme ich jetzt "Internationale Beziehungen", aus insgesamt 3 Veranstaltungen besteht. In zwei dieser Veranstaltungen machst du sogenannte Teilnahmescheine. Diese sind unbenotet und du erhälst sie durch Verfassen eines oder mehrerer Stundenprotokolle, eines Essays oder Referatsvortrags. In der dritten Veranstaltung musst du dies auch machen und zusätzlich aber dann eine Klausur oder eine Hausarbeit schreiben, welche dann benotet wird. Dieses Schema gilt für jedes Modul. Die Noten werden zum Schluss in einer bestimmten Art mit der Abschlussnote der B.A. Arbeit verrechnet was dann die Gesamtnote gibt.

http://www.uni-frankfurt.de/35791048? Unter diesem Link findest du unter dem Punkt Flyer eine genaue Auflistung der Module, ihrer Inhalte und auch wie sich das mit den Creditpoints verhält

http://www.uni-frankfurt.de/35791385?Hier das gleiche für das Nebenfach Politikwissenschaft

http://www.uni-frankfurt.de/36079338/nav-grundstaendig Hier findest du alle Studiengänge aufgelistet. Es steht auf jeweils genau dabei was als 1 Fach Bachelor studierbar ist.

Politikwissenschaft und Soziologie müssen jeweils mit einem Nebenfach studiert werden. Ich kann natürlich nur für Frankfurt sprechen. Das kann an anderen Unis komplett anders aussehen.

BWL kann in Frankfurt nur als Nebenfach, also quasi als Beifach zu Politikwissenschaft oder Soziologie oder anderen Hauptfachstudiengängen mit 120CP belegt werden. Wenn man Wirtschaft/BWL als Hauptfach studieren möchte, muss man Wirtschaftswissenschaften wählen, was meines Wissens neben BWL auch VWL beinhaltet. Das ist dann ein 1 Fach Bachelor. (auch MonoBachelor genannt)

Ich kenne ein, zwei Kommilitonen die einen sogenannten Doppelbachelor machen. Damit ist logischerweise ein Mehraufwand verbunden, aber prinzipiell ist es möglich. Wie genau das funktioniert kann ich dir nicht sagen, da würde ich auch auf die Studienberatung verweisen wollen. Bei einen Bekannten läuft es so, dass er parallel Wirtschaftswissenschaften und Politikwissenschaft mit Nebenfach Soziologie studiert. Also möglich ist es.

So ich hoffe ich hab dich damit nicht komplett verwirrt. Wie gesagt wenn sich neue Fragen ergeben oder dir etwas nicht ganz klar ist, immer raus damit.

Viele Grüße

Max

Neu ergänzt am 19.05.2015 um 15:18 Uhr